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Ein Regal voller Süssigkeiten in einem DiscounterEin Schokoladen-Hersteller hat den Negativpreis gewonnen – mit historisch eindeutigem Ergebnis. © Fotostand/Imago

Mondelez hat die Milka-Tafel heimlich geschrumpft und teurer gemacht. Kunden und Verbraucherschützer sind außer sich. Bald landet der Fall vor Gericht.

Hamburg – Verbraucher haben die Milka Alpenmilch zur „Mogelpackung des Jahres 2025“ gewählt. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg am Dienstag (21. Januar) bekannt gab, erreichte die Schokoladentafel des Konzerns Mondelez beim alljährlichen Votum ein historisches Ergebnis.

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Preis um 48 Prozent gestiegen: „Mogelpackung des Jahres 2025“ steht fest

Zwei Drittel der mehr als 34.700 abgegebenen Stimmen entfielen auf die lila Schokolade – genau 66,7 Prozent. In der zwölfjährigen Geschichte der Abstimmung habe noch nie ein Produkt einen derart hohen Stimmenanteil erreicht, berichtet die Verbraucherzentrale Hamburg.

Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Käse-Streusel Backmischung von Dr. Oetker (22,1 Prozent) und das XXL Schoko Hafer-Müsli von Kölln (5,9 Prozent).

Anfang 2025 war die Alpenmilch-Tafel um zehn Gramm auf 90 Gramm geschrumpt. Gleichzeitig kletterte der Preis von 1,49 Euro auf 1,99 Euro – eine saftige Steigerung um mehr als 48 Prozent. Auch weitere Schokoladensorten von Milka sind laut der Verbraucherzentrale von der Verkleinerung betroffen.

Was ist „Shrinkflation“?

Alles wird teurer. Diesen Eindruck haben viele Menschen zurzeit, wenn sie an der Supermarktkasse stehen und ihren Einkauf bezahlen sollen. Aber es gibt noch eine andere Art, den Preis anzuheben – versteckte Preiserhöhungen oder auch „Shrinkflation“ genannt. Die Hersteller reduzieren einfach den Inhalt ihrer Produkte und der Preis im Supermarkt bleibt gleich.

Quelle: Verbraucherzentrale

Milka schrumpft Schokoladengröße und salzt den Preis

Mit ihrem Votum hätten Konsumenten „ihrem Ärger mit großer Deutlichkeit Luft gemacht“, erklärte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Der Fall zeige, wie frustriert Menschen über versteckte Preiserhöhungen sind. „Das Abstimmungsergebnis ist ein Denkzettel, wie man ihn deutlicher kaum geben kann“, sagte Valet.

Um versteckte Preiserhöhungen zu stoppen, fordert die Verbraucherzentrale Hamburg politisches Handeln. „Die Politik ist gefordert, endlich für echte Preiswahrheit im Supermarkt zu sorgen“, mahnt Valet. Deutschland hinke beim Verbraucherschutz und insbesondere beim Schutz vor „Shrinkflation“ anderen Ländern hinterher.

Wegen „Shrinkflation“: Mondelez und Verbraucherzentrale Hamburg treffen sich vor Gericht

In Österreich und Frankreich müssen Händler beispielsweise Hinweise auf derartige Reduzierungen am Regal anbringen. In Brasilien gehen die Regeln noch weiter: Dort sind Unternehmen verpflichtet, direkt auf der Verpackung über verringerte Inhalte zu informieren.

Pikant: Der Negativpreis beendet den Fall Milka nicht: Im April kommt es in Bremen zum Prozess. Vor dem Landgericht treffen Mondelez Deutschland und die Verbraucherzentrale Hamburg aufeinander. Das Gericht soll klären, ob die Reduzierung der Füllmenge auch juristisch eine Täuschung darstellt.