Ein Sieg war Pflicht im Abstiegsduell mit der SGS Essen – und damit auch der ersehnte erste Heimsieg der Bundesliga-Saison. Die HSV-Frauen haben diesen Auftrag erfüllt, wenn auch spät und mit Glück. Denn der Elfmeter, den Sophie Hillebrand in der Nachspielzeit zum 2:1-Siegtor verwandelte, war zumindest strittig.
Diesen spielentscheidenden Effekt durch eine neue Spielerin hatten sie sich im Volkspark gewünscht. Und Camilla Linberg, die erst am Samstag vorgestellt worden war, besorgte ihn. Die norwegische Angreiferin wurde nach einer Höhepunkt-armen ersten Hälfte eingewechselt und holte kurz vor Schluss den Strafstoß heraus – auf clevere Art, wie Liése Brancão befand. Wie Linberg im Essener Strafraum ihren Körper reingestellt habe, sei im positiven Sinne „Wahnsinn“ gewesen, lobte die HSV-Trainerin, die die Szene kurz nach Abpfiff nicht noch einmal gesehen hatte.
HSV-Frauen siegen im Volkspark gegen die SGS Essen
Der Pfiff von Schiedsrichterin Annika Kost war zumindest diskutabel. Nach einem tiefen Pass in den Sechzehner sprinteten Linberg und SGS-Spielerin Vanessa Fürst zum Ball, wobei die Essenerin ihre Schulter beim Zweikampf wohl leicht vor der Hamburgerin hatte. Der Kontakt im Oberkörperbereich war offensichtlich und reichte aus, um Linberg zu Fall zu bringen. Kost zögerte keine Sekunde und zeigte auf den Punkt – was Fürst und alle anderen Kickerinnen des Gästeteams nicht fassen konnten. Hillebrand war das egal – sie blieb cool, erzielte vom Punkt ihren zweiten Treffer des Sonntagnachmittags (90.+3) und wurde vor 4410 Zuschauern im Volkspark zur Matchwinnerin.
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„Es fühlt sich richtig geil an“, jubelte Hillebrand hinterher. „Wir haben gewusst, dass es ein extrem schwieriges Spiel wird. Von außen war Druck da, die Tabellensituation war nicht allzu gut.“ Der HSV war vor dem Kellerkrimi Vorletzter – hat Essen nun aber überholt und auf einen direkten Abstiegsplatz manövriert. „Wir sind überglücklich, dass wir uns mal mit einem Heimsieg belohnen konnten“, sagte Hillebrand – und lobte ihre neue Kollegin Linberg für den Elfmeter-Assist: „Camilla hat ihren Körper echt gut reingestellt und von hinten einen Schubser mitgekriegt. Daher denke ich, dass man den Elfmeter pfeifen kann. Das ist in der Situation natürlich dann sehr glücklich für uns.“ Der intensive Körpereinsatz von Fürst im SGS-Sechzehner war am Rande des Erlaubten, zumindest nicht ohne Risiko.
Neue HSV-Stürmerin Linberg holte den Strafstoß heraus
Die Gefoulte selbst ließ keinen Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung aufkommen. Zu „100 Prozent“ sei das ein Foul gewesen, betonte Linberg und beschrieb: „Ich war zuerst am Ball und sie wollte ihn verteidigen.“ Was Fürst aber nicht geschafft, sondern sie getroffen habe. Dass sich die Essenerinnen beschwerten, konnte Linberg jedoch nachvollziehen: „Das hätte ich auch gemacht.“ Brancão war einfach froh, dass es diesmal ihre Spielerinnen waren, die profitierten: „Es gab schon Spiele, in denen wir gedacht haben: Es war kein Elfmeter gegen uns. Heute war das Glück auf unserer Seite, das nehmen wir gerne so.“ Und sie genossen es – nach dem Abpfiff vor der Nordtribüne. Während Essins Kapitänin Jacqueline Meißner mit Kost diskutierte, lagen sich die HSV-Siegerinnen in den Armen.
Lea Paulick, Gloria Slišković und Magou Doucouré (v.l.) feierten gegen Essen ihr HSV-Debüt – und nach dem 2:1 vor den Fans. WITTERS
Lea Paulick, Gloria Slišković und Magou Doucouré (v.l.) feierten gegen Essen ihr HSV-Debüt – und nach dem 2:1-Sieg vor den Fans.
Brancão hatte drei der sechs neuen Kickerinnen in die Startelf beordert: Torhüterin Lea Paulick, Abwehrspielerin Magou Doucouré sowie Mittelfeldfrau Paulina Bartz, die per Leihe aus Leverkusen gekommen war. Neben Neu-Verteidigerin Gloria Slišković, die in der Schlussphase als Jokerin ihr HSV-Debüt feierte, saß auch Linberg zunächst auf der Bank. Nigar Mirzaliyeva, Nationalspielerin Aserbaidschans und von Zenit St. Petersburg gekommen, fehlte dagegen noch im Kader. Alle anderen Verstärkungen hätten schon am Sonntag zeigen können, wie wertvoll ihre Erfahrung für den HSV sein werde. „Das hat uns gutgetan“, meinte Brancão. „Sie brauchen aber noch etwas Zeit.“
HSV-Matchwinnerin Hillebrand: „Werden Sieg genießen“
Viel Zeit war auch bis zur ersten nennenswerten Chance verstrichen. HSV-Mittelfeldspielerin Maria Mikolajova schoss kurz vor der Pause nach Querpass von Lotta Wrede über Essens Tor (41.). Dafür war der Start in die zweite Hälfte aus Hamburger Sicht perfekt: SGS-Verteidigerin Lany Bäcker schätzte einen Rückpass falsch ein, weshalb ihr der Ball versprang. Hillebrand spurtete dazwischen und traf zur Führung (50.). Doch die Freude währte nur kurz: Weil sich die neue HSV-Keeperin Paulick bei einem Eckball der Gäste verschätzte, glich Paulina Platner aus (67.).
Die Aufsteigerinnen erhöhten erst in der Schlussphase wieder den Offensivdruck: Melanie Brunnthaler vergab doppelt (77./85.), doch ihre Sturmpartnerin erlöste den HSV in der Nachspielzeit. „Für unsere Fans ist es sehr viel wert, wenn wir ihnen mit einem Sieg etwas zurückgeben können“, sagte Hillebrand. „Wir werden den Sieg heute genießen, wissen aber, dass wir weiter hart arbeiten müssen. Wir müssen weiter Punkte machen und bleiben dran.“
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Am kommenden Sonntag (14 Uhr) kommt der SC Freiburg in den Volkspark. Dann will der HSV daheim nachlegen, um sich im Abstiegskampf Luft zu verschaffen. „Die drei Punkte tun uns gut“, sagte Brancão und betonte zugleich, dass dem Top-Start ins neue Jahr weitere Erfolge folgen müssten. „Aber wir schauen positiv auf nächste Woche.“
