Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatte mit aller Kraft verhindert, dass bei der Polizeiausbildung trotz ungenutzter Kapazitäten gespart wird. Jetzt gibt es wieder Geld für 1224 Plätze für eine Ausbildung an der Polizeiakademie und das Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR). Doch 2025 konnte die Polizei ein Viertel der Ausbildungsplätze gar nicht besetzen. Denn viele Bewerber scheitern schon am Deutschtest.
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„Leider war es nicht möglich, alle Plätze zu besetzen“, sagte Spranger am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. „Das ist schade, wir haben genauso eine schwere Situation wie viele Unternehmen auch. Wir sind nicht die einzigen, die am Markt um die besten Köpfe kämpfen.“
Die Lage in Berlin sei mit zahlreichen Bundesbehörden und großen Unternehmen besonders angespannt. Deshalb umwirbt die Berliner Polizei sogar schon Jugendliche in Brandenburg. Spranger sprach von Recruiting-Maßnahmen an Oberschulen, nicht nur in Berlin, sondern auch im Umland in Brandenburg.
Wir haben ein Problem mit dem Bildungsniveau, mit dem unsere jungen Menschen aus den Schulen kommen.
Barbara Slowik Meisel, Polizeipräsidentin
Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel gab zu: „Wir haben Schwierigkeiten, die Ausbildungsplätze zu besetzen, machen es uns aber auch nicht leicht, geeignete Kräfte zu finden.“ Von den 1224 Ausbildungsplätzen werden nur 936 genutzt. Der Grund: „Ich will kein Schulbashing betreiben, aber wir haben ein Problem mit dem Bildungsniveau, mit dem unsere jungen Menschen aus den Schulen kommen.“
Das größte Problem seien die „Deutschkenntnisse – und zwar unabhängig von Nationalitäten“, sagte die Polizeipräsidentin. Die meisten Bewerber fielen bei einem Computertest durch – davon 80 Prozent wegen mangelnder Deutschkenntnisse.
Die Berliner Polizei habe – wie auch die Polizeibehörden anderer Bundesländer – geprüft, ob die Anforderungen für eine Ausbildung zu hoch seien. Das Ergebnis: „Wenn wir die Anforderungen senken, sehen wir höhere Abbruchquoten. Dann stecken wir viel Kraft in die Ausbildung für nichts.“
Polizeipräsidentin lehnt Lückentexte für Deutschtest ab
Die Polizeipräsidentin warnte davor, die Aufnahmekriterien zu senken. „Wir müssen mit bestimmten Defiziten umgehen, aber werden unsere Anforderungen nicht senken“, sagte sie. In der Ausbildung müsse der Polizeinachwuchs „komplexe Gesetzesmaterien“ lernen. „Andere Bundesländer machen Lückentexte beim Deutschtest. Wir machen das nicht, damt wir das Niveau halten.“
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Bei der Berliner Polizei sei die Abbrecherquote niedriger als in anderen Bereichen, erklärte Slowik Meisel. Bewerbern, die den Aufnahmetest bestanden, aber schwache Deutschkenntnisse haben, würden freiwillige Nachhilfekurse angeboten. Die Innensenatorin wies auf umfangreiche Werbemaßnahmen hin, um Polizeinachwuchs zu finden: Berufsmessen, Infotage, Social Media und Polizei-Influencer.