Der Abend hat alles, was ein Handball-Klassiker braucht. Matchball für Deutschland, Endspiel für Dänemark – und schon vor dem Anwurf eine Entscheidung, die wehtut. Denn auch gegen Weltmeister, Olympiasieger und Gastgeber Dänemark muss Bundestrainer Alfred Gíslason (66) wieder zwei Spieler aus dem 18er-Kader streichen.
Die sportliche Brisanz ist enorm. Ein deutscher Sieg heute Abend (20.30 Uhr, ARD und Dyn live) würde das Halbfinal-Ticket vorzeitig sichern, eine Niederlage das Endspiel am Mittwoch (18 Uhr, ZDF und Dyn) gegen Titelverteidiger Frankreich erzwingen. Für Dänemark ist die Lage noch schärfer: Verlieren die Gastgeber, hätten sie das Weiterkommen nicht mehr in eigener Hand.
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Die letzten Duelle gingen klar verloren. Bei der WM 2025 unterlag Deutschland an gleicher Stelle in Herning mit 30:40, im olympischen Finale 2024 in Lille setzte es ein 26:39.
Der EM-Kracher ist fast ein Bundesliga-Duell. Elf dänische Nationalspieler stehen in Deutschland unter Vertrag, fünf davon bei der SG Flensburg-Handewitt. Viele kennen die deutsche Abwehr aus dem Alltag, allen voran Superstar Mathias Gidsel (26/Füchse Berlin). Genau deshalb wird es besonders intensiv. All das erhöht auch den Druck auf die Personalentscheidungen. Der EM-Kader umfasst 18 Spieler, eingesetzt werden dürfen pro Spiel aber nur 16. Zwei müssen raus.
Und genau hier überrascht Gíslason. Nach BILD-Informationen verzichtet der Bundestrainer auf seine beiden etatmäßigen Nr.-1-Außen: Linksaußen Lukas Mertens (29/Magdeburg) und Rechtsaußen Lukas Zerbe (30/Kiel) stehen gegen Dänemark nicht im Spieltagskader.

Linksaußen Lukas Mertens (29/Magdeburg) steht gegen Dänemark nicht im Kader
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Neben Mathis Häseler (23) rotiert auch Matthes Langhoff (23) wieder in den Kader. Der Berliner soll der Abwehr auf der Halb-Position Stabilität geben – nicht zuletzt gegen seinen Vereinskollegen Gidsel. Zuletzt gegen Norwegen kamen viele Durchbrüche der Skandinavier genau über diese Zone.
Handball-EM: Zerbe ist der DHB-Dauerbrenner
Die EM-Statistiken liefern wohl eine Erklärung für das Außen-Aus. Zerbe stand nach fünf Spielen 4:04,08 Stunden auf dem Feld – 244 Minuten von möglichen 300. Zudem stellte er mit 31,50 km/h den bislang schnellsten Sprint der gesamten EM auf. Gíslason verzichtet damit auf den EM-Blitz.
Auch Mertens zählt zu den Dauerläufern dieses Turniers. Er kommt auf 3:56,35 Stunden Einsatzzeit (236 Minuten). Gegen Norwegen musste er nach einem Kopf-Crash auf der Bank behandelt werden und verschwand nach dem Spiel direkt in der Kabine. Die Pause dient der Regeneration – auch mit Blick auf ein mögliches Endspiel gegen Frankreich.
Die Konsequenz ist klar. Linksaußen Rune Dahmke (32/Kiel), Europameister von 2016, und Häseler, U21-Weltmeister von 2023, müssen ihre Seiten über 60 Minuten beackern.
