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Heimische Banken beteuern die Sicherheit ihrer Schließfächer. Doch Kunden müssen selbst für eine wichtige Absicherung sorgen.

Gießen/Grünberg/Wettenberg/Laubach/Heuchelheim – Oma Müller ist gewiss: Wenn ich das Ersparte in bar in einer Gefrierdose zwischen Gemüse und Fischstäbchen in die Kühltruhe schiebe oder in einer Teedose zwischen 15 anderen Dosen aufbewahre, dann ist es sicher.

Gilt als sicher:  Das Schließfach im Tresorraum einer Bank.Gilt als sicher: Das Schließfach im Tresorraum einer Bank. © dpa

Falsch. Einbrecher und Trickdiebe, die sich ins Haus schleichen, kennen all diese Verstecke – und noch einige andere mehr. Wer Wertsachen wie Schmuck, Gold oder eben Bargeld sicher aufbewahren will, der sollte tunlichst nicht auf Oma Müllers Methoden setzen. Sondern das wertvolle Hab und Gut einem Schießfach anvertrauen. Die heimischen Kreditinstitute bieten diese in ihren Geschäftsstellen an. Und sie betonen: Das ist sicher. Empfehlenswert ist zugleich, dass die Kunden als Mieter der Schießfächer selbst eigene Sicherheitsvorkehrungen treffen. Indem sie die Inhalte des Schließfaches angemessen versichern.

Beliebte Schließfächer

Bankschließfächer sind durchaus beliebt bei den Bürgern Die Volksbank Mittelhessen verweist auf rund 10 000 vermietete Schließfächer in ihrem Geschäftsgebiet, die Volksbank Heuchelhei besetzt an ihren verschiedenen Standorten rund 900 Schließfächer in unterschiedlichen Größen. Eine Nutzungsänderung nach den Vorfällen in Gelsenkirchen konnten die heimischen Banken nicht feststellen.

„Aus unserer Sicht gehören Bankschließfächer zu den sichersten Aufbewahrungsmöglichkeiten von Wertsachen“, sagt Michael Agricola, Sprecher der Volksbank Mittelhessen. Gleiches beteuert Carsten Steege, Vorstand der Sparkasse Grünberg: „Kein Kunde muss Sorgen haben“.

Gilt als sicher:  Das Schließfach im Tresorraum einer Bank.„Kein Kunde muss Sorgen haben“, betonen Vertreter heimischer Banken nach dem Raub in Gelsenkirchen. © dpa

Gelsenkirchen sei ein ganz großer Ausnahmefall, fügt Steege hinzu. „Vermögenswerte sind bei der Bank auf jeden Fall sicherer aufgehoben als zu Hause.“

Auch Agricola weiß: Einen absoluten Schutz gibt es nie. Doch er versichert: „In unserem Haus ist kein Fall bekannt, in dem in eines unserer Schließfächer eingebrochen wurde und Wertgegenstände entwendet worden sind.“ Wichtig sei, so sagt der Fachmann, dass Kunden bei einem Versicherungsfall nachweisen können, was sich zum Zeitpunkt eines Schadens im Schließfach befand. Denn die Bank kennt die Inhalte der Schließfächer nicht.

Da braucht es dann geeignete Nachweise wie Fotos, Inventarlisten oder Kaufbelege. Was genau, das lässt sich bei Versicherern erfragen, bei denen man die Wertsachen abgesichert hat. Wie man sich die Sicherung von Schließfachanlagen vorstellen darf, dazu äußern sich die Sprecher der befragten Banken eher einsilbig. Sie wollen aus nachvollziehbaren Gründen nicht darlegen, wie genau das wertvolle Hab und Gut geschützt wird.

So viel ist klar: Da greifen bauliche Maßnahmen, Zutrittskontrolle, Alarmtechnik und Überwachung ineinander. Die Schließfachanlagen sind zu den Geschäftszeiten nur in Begleitung von Bankmitarbeitern zugänglich, wie Volksbank-Sprecher Agricola erläutert. Außerhalb der Geschäftszeiten sind die Filialen und die Bereiche mit Schließfachanlagen nach aktuellem Stand der Technik alarmgesichert. Und Agricola weist auf Sicherheitsvorkehrungen hin, die die rechtzeitige Erkennung von Einbrüchen wie in Gelsenkirchen ermöglichen und Alarm auslösen.

Für den Schutz der verwahrten Güter muss der Kunde also etwas tun: nämlich eine Versicherung abschließen, wie auch Dunja Oßwald von der Sparkasse Laubach-Hungen anmerkt. Seit Anfang 2025 sind Bankschließfächer aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht mehr automatisch versichert, erläutert Agricola. In der Miete für ein Schließfach ist nicht immer eine Versicherung enthalten. „Eine Schließfachversicherung kann optional abgeschlossen werden, die Höhe entspricht dem Kundenwunsch“, sagt etwa Jochen Latsch, Vorstand der Volksbank in Wißmar.

Wie bei den anderen Bankhäusern auch können über Partner entsprechende Angebote gemacht werden. Und diese können auch deutlich sechsstellige Werte, also Hunderttausende Euro, absichern, sagt der Heuchelheimer Volksbank-Vorstand Henry Koch. Die Kunden entscheiden hierzu selber. Bei der R+V-Versicherung geht das beispielsweise bis zu 500 000 Euro. Ob eine Absicherung teils auch in der eigenen Hausratversicherung eingeschlossen ist, hängt von dem Vertrag ab, den man dort hat. Dies ist im Zweifelsfalle also zu prüfen.

Versichert werden können beispielsweise Urkunden, Schmuck, Wertpapiere, Bargeld, Karten, Kunstgegenstände oder Münzen, zählt Henry Koch von der Volksbank Heuchelheim auf. Nicht versicherbar sind unter anderem digitale Werte wie Kryptowährungen, selbstverständlich Diebesgut oder gefährliche, insbesondere feuergefährliche Sachen sowie Tiere und Pflanzen.

Doch Obacht: Es kann Obergenzen geben; bei Bargeld im Schließfach etwa 30 000 Euro, erläutert Andreas Klunz, ebenfalls Vorstand der Sparkasse Grünberg. Bei Detailfragen ist also die Versicherung des Vertrauens der richtige Ansprechpartner.