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Nur noch 38 Prozent stehen hinter der Trump-Regierung. Das ergibt eine aktuelle Umfrage. Besonders in einem Thema verliert der US-Präsident Zustimmung.

Washington, D.C. – Die Bilder von den tödlichen Schüssen der ICE-Agenten auf einen Demonstranten in Minneapolis erschüttern weiter die USA – und treffen Donald Trump dort, wo es am meisten wehtut. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters stürzen die Beliebtheitswerte des US-Präsidenten auf ein Rekordtief ab. Vor allem im Bereich Migrationspolitik, dem Kernthema der Trump-Regierung, verliert diese an Zustimmung.

 US-Präsident Donald Trump, hier an Bord der Air Force One, muss sich mit schlechten Umfragewerten abgeben.US-Präsident Donald Trump, hier an Bord der Air Force One, muss sich mit schlechten Umfragewerten abgeben. © afp

Der am Montag veröffentlichen Erhebung zufolge unterstützen nur noch rund 39 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner Donald Trumps Vorgehen bei der Migration. Es ist der niedrigste Wert, den Trump in diesem Bereich in seiner ersten Amtszeit erzielt. Laut Reuters lag seine Zustimmung vor knapp einem Jahr, im Februar 2025, noch bei 50 Prozent. Bei einer Umfrage im März 2025 erzielte Trump in der Migrationsfrage ebenfalls noch einen Zustimmungswert von 50 Prozent. Die aktuelle Ipsos-Umfrage wurde zwischen Freitag und Sonntag durchgeführt, also zumindest noch teilweise, bevor der 37 Jahre alte Alex Pretti von ICE-Agenten in Minneapolis erschossen worden war. Die mutmaßlich negativen Auswirkungen, die sich aus den Ereignissen dort ergeben dürften, können also noch gar nicht berücksichtigt werden.

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Der Vertrauensverlust bei der Migrationspolitik wirkt sich auch negativ auf die Gesamtbewertung der Arbeit der Trump-Administration aus. Die allgemeine Zustimmungsrate des amtierenden US-Präsidenten fiel auf 38 Prozent – ebenfalls ein Rekordtiefstand für Trump innerhalb seiner zweiten Amtszeit. 58 Prozent der Befragten sind zudem der Meinung, dass die ICE-Agenten bei ihren Einsätzen in Minneapolis und anderen Städten der USA „zu weit gegangen“ seien. Besonders brisant für Trump ist zudem eine weitere Zahl aus der aktuellen Umfrage: Jeder fünfte Republikaner ist ebenfalls der Meinung, dass das Vorgehen der ICE-Beamten nicht in Ordnung ist.

Umfrage-Absturz Trumps könnte politische Konsequenzen haben

Die Ereignisse in Minneapolis haben eine Welle der Empörung ausgelöst. Nach dem Tod von Alex Pretti gingen Demonstranten auf die Straße, um gegen das Vorgehen der Immigrationsbehörden zu protestieren. Trump-Regierungsvertreter wie Heimatschutzministerin Kristi Noem und der stellvertretende Stabschef Stephen Miller hatten Pretti als „Terroristen“ bezeichnet und behauptet, er habe versucht, Bundesagenten zu „ermorden“ – Aussagen, die durch Videos der tödlichen Begegnung widerlegt wurden.

Auch der renommierte Umfrage-Experte Nate Silver sieht Donald Trumps Beliebtheit schwinden. In seinem Silver Bulletin-Blog schreibt er, dass Trumps durchschnittliche Zustimmungsrate in der vergangenen Woche um 0,9 Proztenpunkte gefallen sei. „Wir haben diese Woche viele neue Umfragen gesehen, und sie waren nicht großartig für Donald Trump“, zitiert WBZ NewsRadio den Experten. Die Tabelle zeigt die Daten der neuen Ipsos-Umfrage zu drei Aspekten: Allgemeine Zufriedenheit (Approval Rating), Wirtschaft, Einwanderung.

Approval Rating 38 % – 59 % (-21 %) Wirtschaft 35 % – 56 % (-21 %) Einwanderung 39 % – 53 % (-14 %)

Auch beim Economist ist die Netto-Zustimmungsrate des Präsidenten erneut gefallen. Sie liegt dort bei minus 19 Prozent – der niedrigste Wert Trumps in seiner zweiten Amtszeit. Zu Beginn dieser im Januar 2025 lag Trumps Netto-Zustimmungsrate noch bei plus zwei Prozent. Die Netto-Zustimmungsrate beschreibt die Differenz zwischen Zustimmung und Ablehnung eines Politikers in einer Umfrage. Wenn also 51 Prozent zustimmen und 49 Prozent ablehnen, ergibt sich eine Netto-Zustimmungsrate von plus zwei Prozent.

Trump-Regierung reagiert in Minnesota auf schlechte Umfragewerte

Infolge der Todesschüsse in Minneapolis und den resultierenden schlechten Umfrageergebnissen drohen in den USA bereits weitreichende politische Konsequenzen. Mindestens 120 Demokraten unterstützen eine Resolution, die die Amtsenthebung von Heimatschutzministerin Kristi Noem fordert. Das geht aus einem Bericht von Newsweek hervor. Die Trump-Regierung schickte außerdem ihren Grenzschutzbeauftragen Tom Homan nach Minneapolis. Er soll künftige ICE-Einsätze im Bundesstaat Minneapolis koordinieren. ICE-Kommandant Greg Bovino, wiederum wurde aus Minnesoat abgezogen. Trump selbst wich Fragen zur Bewertung der Todesschüsse von Minneapolis aus. In einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte der US-Präsident: „Wir schauen uns das an, wir überprüfen alles und werden zu einer Entscheidung kommen.“

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Für die aktuelle Erhebung zu Trumps Zustimmungswerten befragte Ipsos 1139 Erwachsene. Die Fehlertoleranz gibt das Meinungsforschungsinstitut mit etwa drei Prozent an. Sie deckt sich mit anderen Erhebungen der vergangenen Tage. Einer Umfrage der Siena Universität im Auftrag der New York Times zufolge gaben 61 Prozent der Befragten an, nicht mit dem aktuellen Vorgehen der ICE-Beamten übereinzustimmen. 26 Prozent hielten die Praktiken der Heimatschutzbehörde für angemessen. (Quellen: Ipsos, Reuters, Wall Street Journal, The Economist, Newsweek, New York Times, WBZ NewsRadio) (dil)