Die Erinnerungs-Initiative demonstrierte vor dem Porsche Brand Store in der Innenstadt. Foto: Torsten Schöll
Eine Initiative mahnt am Holocaust-Gedenktag die Umbenennung des Ferdinand-Porsche-Gymnasiums an. Vor Porsche Store in der Innenstadt stößt die Aktion nicht nur auf Zustimmung.
Die Stuttgarter Initiative „Kein NS-Täter-Name für Schule“ hat den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zum Anlass genommen, um zum wiederholten Male vom Gemeinderat die Namensänderung des Ferdinand-Porsche-Gymnasiums Zuffenhausen einzufordern. Um dem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, veranstaltete die Gruppierung aus Unterstützern der Stuttgarter Erinnerungskultur am Dienstagnachmittag einen „Gedenkzug“ vom Stuttgarter Rathaus zur Gedenkstätte Hotel Silber, dem ehemaligen Hauptquartier der Gestapo in Stuttgart.
Zum Hintergrund: Seit mehr als 40 Jahren trägt die Schule in der Haldenrainstraße die Bezeichnung „Ferdinand-Porsche-Gymnasium Zuffenhausen“. Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums war das Gymnasium 1983 auf Vorschlag der Stadtspitze umbenannt worden. Zuvor hatte die Schule „Gymnasium Stuttgart-Zuffenhausen“ geheißen. Die Rolle Ferdinand Porsches in der NS-Diktatur war damals noch weitgehend unerforscht, weshalb zu diesem Zeitpunkt an der Entscheidung nur wenig Kritik laut wurde.
Zwangsarbeit unter Ferdinand Porsche während NS-Diktatur
Spätestens seit der Historiker Hans Mommsen 1996 in seinem Buch „Volkswagen und seine Arbeiter im Dritten Reich“ Ferdinand Porsches Vergangenheit als Chef des Volkswagenwerks in Fallersleben beleuchtet hat, war jedoch klar, dass der Ingenieur während der NS-Diktatur erhebliche Schuld auf sich geladen hatte. So schreckte Porsche als einer der ersten Industriellen nicht davor zurück, in seinem Werk im großen Stil Zwangsarbeiter einzusetzen.
Peter Erben (links) spricht bei der Kundgebung Foto: Torsten Schöll
Bewegung in die von der Initiative schon vor rund zwei Jahren angestoßene Debatte um die Umbenennung des Gymnasiums brachte im vergangenen Jahr der ehemalige Chefhistoriker von Volkswagen, Manfred Grieger. Im Rahmen eines Vortrags auf Einladung der Zukunftswerkstatt Zuffenhausen ließ der Historiker keinen Zweifel an Porsches Rolle im „Dritten Reich“.
Dessen Fazit: Als Namensgeber für eine Schule sei der Industrielle aufgrund seines „aktiven Handelns“ im NS-System in Frage zu stellen. Porsche hatte enge Verbindungen zu Hitler, war NSDAP-Mitglied, wurde zum Wehrwirtschaftsführer ernannt und „ehrenhalber“ als SS-Oberführer in die SS aufgenommen.
Kundgebung nimmt Umbenennung ins Visier
Im Rahmen ihrer Kundgebung zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust schlug die Initiative „Kein NS-Täter-Name für Schule“ nun noch einmal in dieselbe Kerbe und betonte, dass Ferdinand Porsche ein „Vorzeigeunternehmer, Profiteur und Förderer des NS-Terrorstaates“ gewesen sei. Erst aufgrund seiner Nähe zum NS-Staat sei es ihm möglich gewesen, „seinen riesigen Bedarf an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter problemlos zu decken“. Hunderte seien dadurch ums Leben gekommen.
Peter Erben, Initiator des Gedenkzugs, erklärte, dass Ferdinand Porsche in Stuttgart „ein Beispiel für das Unterlassen von Aufarbeitung einer gesicherten NS-Täterbiografie“ sei. Aufgrund der inzwischen bekannten Details über dessen Rolle im NS-System müsse das Zuffenhausener Gymnasium „unverzüglich umbenannt“ werden. Ein entsprechender Antrag der Gemeinderatsfraktion Linke-SÖS-Plus vom vergangenen Jahr, mit dem die Stadt aufgefordert wurde, vorrangig zu prüfen, ob Ferdinand Porsche als Namensgeber für ein Gymnasium tauglich ist, blieb bislang ohne Auswirkung.
Vereinzelte Passanten beschimpfen Teilnehmende des Protestzugs
Der kleine Protestzug aus rund 25 Teilnehmern machte am Dienstag auch auf dem Dorotheenplatz direkt vor dem „Porsche Brand Store“ Halt. Das große Transparent mit der Aufschrift „Ferdinand Porsche: Nazi KZ-Betreiber, Kriegsverbrecher. Noch Fragen?“ sorgte dort für reichlich Aufmerksamkeit. Einige Passanten reagierten sichtlich verärgert auf die Aktion und beschimpften die Teilnehmer. Andere nahmen die verteilten Flugblätter an, um sich zu informieren.