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Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) – Es war ihr Lebensabend, ihr Erspartes, ihre Sicherheit. Nach nur einer Nacht ist alles unwiederbringlich verloren. Kurz nach Weihnachten bohrten sich die Bankeinbrecher den Weg zu den Schließfächern der Sparkassenkunden frei. Aus der Fassungslosigkeit der Betroffenen ist nun blanke Wut geworden. Einen Monat nach dem Millionen-Coup von Gelsenkirchen verklagen die ersten Betroffenen die Sparkasse.
Es könnte ihre einzige Chance sein, einen Teil ihres Vermögens wiederzubekommen. Die ersten Bestohlenen wählen jetzt den Gang vor Gericht. Wie Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann am Mittwoch mitteilte, sind die ersten drei Klagen beim Landgericht in Essen eingegangen. Der Jurist vertritt zahlreiche Betroffene. Die Opfer machen die Bank direkt für den gigantischen Schaden haftbar und erheben schwere Vorwürfe: Die Sparkasse soll ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben, die Sicherheitsvorkehrungen seien mangelhaft gewesen.

Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann auf einer Infoveranstaltung für Geschädigte des Einbruchs am 17. Januar
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Rolex, Bargeld und Gold
Es war ein Einbruch wie aus einem Drehbuch: Maskierte Täter drangen im Dezember über eine Tiefgarage in die Filiale ein. Von dort aus bohrten sie sich ungestört in den Tresorraum vor. Sie knackten tausende Schließfächer und erbeuteten Wertsachen in Millionenhöhe. Der spektakuläre Fall sorgte deutschlandweit für Entsetzen und machte international Schlagzeilen.

Nach Bekanntwerden des Einbruchs versammelten sich die Sparkassenkunden vor der Filiale in Gelsenkirchen
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Hinter den Aktenzeichen der Klagen verbergen sich dramatische Einzelschicksale. Unter den Klägern ist laut Anwalt Kuhlmann ein Rentner, der nach dem Verkauf einer Wohnung fast 400.000 Euro Bargeld in seinem Schließfach gelagert hatte. Ein weiterer Kläger, der Chef eines mittelständischen Unternehmens, verlor Bargeld, Schmuck und eine Rolex-Uhr im Wert von rund 120.000 Euro. Der dritte Betroffene kämpft um Schadensersatz für gestohlenes Gold im Wert von etwa 50.000 Euro.
Sparkasse widerspricht den Vorwürfen
Weder das Landgericht Essen noch die Sparkasse Gelsenkirchen äußerten sich zunächst zu den eingegangenen Klagen. Das Geldinstitut hatte nach der Tat lediglich mitgeteilt, selbst Opfer des Einbruchs zu sein und widersprach den Vorwürfen: Die Räumlichkeiten seien nach dem „anerkannten Stand der Technik“ gesichert gewesen. Ob diese Aussage Bestand hat, entscheiden nun die Richter.
Coup in Gelsenkirchen: Sparkassen-Einbrecher erbeuten halbe Milliarde
Quelle: BILD22.01.2026