Razzia in Bad Cannstatt: „Wie ein Casino“: Illegale Zocker verlieren 100.000 Euro Alles verspielt: Die Stuttgarter Kripo beschlagnahmte 100.000 Euro beim illegalen Kartenspiel (Symbolbild). Foto: dpa

Illegales Glücksspiel findet oft getarnt in Hinterzimmern statt. Jetzt hat die Stuttgarter Kripo eine Runde in Bad Cannstatt auffliegen lassen – in einem angeblichen Büro.

Erst kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu: Die Kriminalpolizei hat in der Nacht zum Dienstag ein illegales Glücksspiel auffliegen lassen – und dabei auch gleich mehr als 100.000 Euro Bargeld einkassiert. Das Zocken fand nicht etwa im Hinterzimmer einer Kneipe statt – vielmehr war zur Tarnung ein Büro gemietet worden. Ein 42-Jähriger soll an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt die Räumlichkeiten stilecht umfunktioniert haben.

„Das sah aus wie ein Casino“, sagt Polizeisprecherin Charlotte Weller. Mehrere Spieltische, zwei Spielautomaten, Karten, Jetons – und dazu eine 30-jährige Bedienung sowie Zocker-Kundschaft im Alter zwischen 29 und 70 Jahren. Die insgesamt 18 Männer griechischer, albanischer, serbischer, türkischer, kosovarischer und deutscher Herkunft mussten sich auch noch Durchsuchungen in ihren Wohnungen gefallen lassen. Immerhin durften sie nach der Razzia dorthin zurückkehren. Festnahmen gab es keine.

Das Kripo-Dezernat 33, das unter anderem für illegales Glücksspiel zuständig ist, hat damit einen zweiten Ermittlungserfolg binnen weniger Tage eingefahren. Erst vor gut zwei Wochen, am 10. Januar, hatten die Beamten einen Treffer in einer Gaststätte gelandet – ebenfalls in Bad Cannstatt. Dem Gastwirt wird vorgeworfen, in dem Lokal an der Brunnenstraße unerlaubtes Glücksspiel etabliert zu haben. Als die Polizei an jenem Samstagabend zuschlug, wurden 16 mutmaßliche Zocker an den Spieltischen angetroffen. Die Kripo beschlagnahmte 25.500 Euro Bargeld, in der Wohnung des Betreibers gab es noch weitere 5000 Euro.

Volltreffer vor einem Jahr: Razzia am Rotebühlplatz

Erfolgreich gesprengte Glücksspielrunden gehören nicht gerade zur Tagesordnung. Der letzte größere Volltreffer liegt gut ein Jahr zurück. Ende Januar 2025 stießen die Ermittler in einer Wohnung am Rotebühlplatz in der Innenstadt auf 18 Zocker an mehreren Pokertischen. Einem 67-Jährigen wurde die Organisation des illegalen Glücksspiels vorgeworfen. Auch in diesem Fall betrug der Umsatz mehrere Zehntausend Euro, zudem wurden 10.000 Schweizer Franken gefunden.

Zum illegalen Glücksspiel zählen freilich nicht nur Karten. Besonders Geldspielautomaten werden häufig illegal eingesetzt, wie sich Mitte Juli vergangenen Jahres bei einer Großaktion in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn herausstellte. 200 Beamte waren damals in elf Gaststätten unterwegs und beschlagnahmten mehrere Geräte, für die es keine erforderliche Zulassung gab.