Berlins Technoszene zählt zum Weltkulturerbe. Nicht nur DJs zieht es hierher, sondern auch internationale Klangkünstler und alle, die mit elektronischer Musik experimentieren. Der Masterstudiengang „Sound Studies and Sonic Arts“ an der Universität der Künste prägt diese Szene seit 20 Jahren mit. Doch jetzt verkündete die Universität der Künste (UdK) ihr Aus.

Für das Wintersemester 2026/2027 würden keine neuen Studierenden mehr aufgenommen und das Programm werde eingestellt, ist auf der Website des Studiengangs zu lesen.

Der Master ist bislang am Zentralinstitut für Weiterbildung und Transfer der UdK (ZIWT) angebunden und richtet sich an Absolventen in den Bereichen Musik, Akustik und Ton, die bereits Arbeitserfahrung und künstlerisches Talent vorweisen können. Er lässt sich auch berufsbegleitend in Teilzeit studieren. Und es werden Gebühren erhoben: Zuletzt waren es insgesamt, also für alle Semester, 18.800 Euro.

Die Künstlerin Elisa Visca bei ihrer Performance "205B", die sie im Rahmen des Events "Echoes Of Synthesis" im Dezember 2025 in Berlin aufführte. Visca studiert Sounds Studies an der UdK.Bildrechte: Creative Commons CC BY-ND, (c) Kathrin Scheidt Die Künstlerin Elisa Visca bei ihrer Performance „205B“, die sie im Rahmen des Events „Echoes Of Synthesis“ im Dezember 2025 in Berlin aufführte. Visca studiert Sounds Studies an der UdK.

© Kathrin Scheidt

Alle am Zentralinstitut angedockten Programme werden laut der UdK „aufgrund von Änderungen des rechtlichen und organisatorischen Rahmens“ abgebaut. Betroffen sind damit auch die Master „Leadership in Digital Innovation“ und Musiktherapie.

Protest aus der globalen Kunst- und Techszene

Die Empörung über das verkündete Aus der Sound Studies ist dementsprechend groß. Eine Petition für den Erhalt der Masterprogramme hat bereits mehr als 3700 Unterzeichnende.

Es ist auch wirtschaftlich unklug, solche Studiengänge zu streichen, gerade in Berlin, wo so viele Unternehmen sitzen, die sich mit dem Thema Sound und Technologie beschäftigen.

Robert Henke, Komponist und Entwickler, unter anderem von „Ableton Live“

Darunter ist auch der Komponist und Entwickler Robert Henke, der die viel genutzte Produktionssoftware „Ableton Live“ mit mitentwickelt hat und von 2009 bis 2013 Professor in dem UdK-Studiengang war.

„Wenn wir in Deutschland wirtschaftlich erfolgreich bleiben wollen, Innovation und Spitzentechnologie hier haben wollen, dann ist jede Art von kreativer Bildung ein unschätzbarer Wert“, sagt Henke zur Petition. Nur wer kreativ sei, könne auch innovativ sein. „Es ist auch wirtschaftlich unklug, solche Studiengänge zu streichen, gerade in einer Stadt wie Berlin, in der so viele Unternehmen sitzen, die sich mit dem Thema Sound und Technologie beschäftigen.“

In der Petition wird auf Berlins „weltweiten“ Ruf in der experimentellen elektronischen Musik verwiesen. Wenn der Studiengang einmal verschwunden sei, könne diese Struktur für Wissensvermittlung und künstlerische Exzellenz „nicht wiederhergestellt werden“.

Das Werk "Special Agents" von Andreas Sommer wurde im Rahmen der Präsentation des Masterstudiengangs Sound Studies an der UdK Berlin im Januar 2023 aufgeführt.
Bildrechte: Creative Commons CC BY-ND, (c) Kathrin Scheidt Das Werk „Special Agents“ von Andreas Sommer wurde im Rahmen der Präsentation des Masterstudiengangs Sound Studies an der UdK Berlin im Januar 2023 aufgeführt.

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Zum Erfolg des Programms heißt es weiter: „Studierende und Absolvent*innen sind mit ihren Arbeiten bei der Venedig Biennale, der documenta, der Ars Electronica, Mutek, dem Hamburger Bahnhof, der Berlinale, der Deutschen Oper, der Berliner Philharmonie, Atonal, Berghain, bei Deutschlandradio Kultur und BBC Radio vertreten.“

Erfolgreich verhandeln Ein Experte erklärt, wie weit man gehen darf

Trotz der Kosten sei der Weiterbildungsmaster anhaltend gut nachgefragt, sagt Studiengangskoordinator Jan Thoben. Auf 25 bis 30 Plätze, die jedes Jahr angeboten würden, kämen etwa 80 bis 90 Bewerbungen. Im Vergleich zu anderen Hochschulen, etwa in den USA und Großbritannien, seien die Gebühren eher niedrig.

Das UdK-Angebot sei in seiner Kombination aus Theorie und Praxis der Klangkunst einzigartig in Deutschland, sagt Thoben.

Sucht man nach vergleichbaren Mastern, findet man etwa „Audiokommunikation und Sonologie“, das die TU Berlin gemeinsam mit dem Könglichen Konservatorium in Den Haag anbietet. In Weimar kann man Medienkunst mit Schwerpunkt Klangkunst studieren.

Keine andere UdK-Fakultät könne den Studiengang aufnehmen

Die UdK-Pressesprecherin bestätigte dem Tagesspiegel auf Anfrage das Ende des Sound-Masters. Die 63 Personen, die derzeit eingeschrieben sind, könnten ihr Studium „in einem angemessenen Zeitraum“ beenden. Dieser Rechtsanspruch besteht ohnehin.

Die Fakultäten sind nach der Kürzung der Landeszuschüsse, die auch zu Stellenstreichungen führen, nicht in der Lage, neue Aufgaben zu integrieren.

UdK-Sprecherin

Als Begründung verweist die UdK auf das Berliner Hochschulgesetz. Mit der Novelle von 2021 ist es demnach nicht mehr erlaubt, an Zentralinstituten Professuren einzurichten. Das Weiterbildungsinstitut der UdK ist, wie die Sprecherin erklärt, mit seinen eigenen Professuren eine „fakultätsähnliche Einheit“. Solche Abweichungen sind jedoch im Gesetz nicht vorgesehen. Der Gesetzgeber habe die Uni jetzt aufgefordert, ihre Strukturen „an den gesetzlichen Rahmen“ anzupassen.

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Trotz des Protests plant die UdK nicht, die „Sound Studies“ zu erhalten. Theoretisch wäre das zwar möglich, wenn die Profs in eine der existierenden Fakultäten überführt würden. Diese seien aber wegen der Kürzungen des UdK-Budgets durch das Land und den damit einhergehenden Belastungen „nicht in der Lage, neue Aufgaben zu integrieren“, teilt die Sprecherin mit. Deren Fokus liege „auf der grundständigen Ausbildung in den Künsten“. Hinzu komme, dass die Fakultäten keine Erfahrung mit gebührenfinanzierten weiterbildenden Masterstudiengängen hätten.

Wegen der Sparvorgaben müssen die Fakultäten der UdK, wie an allen Berliner Hochschulen, derzeit selbst Stellen streichen.

„Selbstverständlich bedauert die Leitung der UdK Berlin, dass die Studiengänge des ZIWT eingestellt werden müssen“, sagte die Sprecherin.

Das Einstellen des Studiengangs muss vom Akademischen Senat noch bestätigt werden, die nächste Sitzung ist am 11. Februar.

Für Irritation unter den Sound-Studierenden hatte zudem gesorgt, dass eine für Mittwoch angesetzte Institutsratssitzung des ZIWT, in der es offenbar um die einzustellenden Masterstudiengänge gehen sollte, kurzfristig abgesagt wurde. Die UdK teilte mit, die Absage sei krankheitsbedingt. Die Sitzung des Institutsrats werde schnellstmöglich nachgeholt.