
Die Wasserpumpen der Emschergenossenschaft Im Reitwinkel. Das Pumpwerk ist seit 1961 in Betrieb und damit die älteste EGLV-Anlage in Recklinghausen © Markus Matzel/EGLV
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Die Emschergenossenschaft und der Lippeverband (EGLV) haben seit der Übernahme von 156 Pumpwerken von der RAG im Januar 2022 rund 700.000 Euro in deren Sanierung und Modernisierung investiert. Das teilen die beiden Wasserwirtschaftsverbände mit. Hintergrund ist die sogenannte Polderbewirtschaftung im Ruhrgebiet: Aufgrund bergbaulich bedingter Bodensenkungen ist in vielen Bereichen eine künstliche Entwässerung dauerhaft notwendig.
Von den 156 übernommenen Pumpwerken gingen 86 Anlagen vollständig in das Eigentum von EGLV über, 70 weitere werden zwar von den Verbänden betrieben, verbleiben aber im Eigentum der RAG. Mit der Übertragung liegt die Verantwortung für die Polderbewirtschaftung – abgesehen von einigen kommunalen Pumpwerken – nun nahezu vollständig bei den beiden öffentlich-rechtlichen Verbänden. Insgesamt betreiben Emschergenossenschaft und Lippeverband heute mehr als 500 Pumpwerke.
Optimierung und Modernisierung
Nach Angaben von EGLV wurden die Anlagen seit der Übernahme systematisch auf Optimierungspotenziale geprüft. Investiert wurde vor allem in Arbeitssicherheit, technische Modernisierung sowie in die Integration der Pumpwerke in die internen IT- und Controlling-Systeme der Verbände. Ziel sei es, Störungen schneller zu erkennen und zu beheben sowie Wartungsarbeiten effizienter zu organisieren.

Künftig sollen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten dort, wo es sinnvoll ist, verstärkt von eigenen Beschäftigten übernommen werden. Der Verzicht auf externe Dienstleister solle Kosten senken und zugleich die Reaktionsfähigkeit im Störungsfall erhöhen, da das interne Personal über detailliertere Anlagenkenntnisse verfüge.
Zentrale Aufgabe Pumpwerke
Die Pumpwerke erfüllen in der Emscher-Lippe-Region eine zentrale Funktion. Ohne ihre dauerhafte Arbeit würden große Flächen infolge der bergbaubedingten Senkungen vernässen oder überflutet. Durch die kontinuierliche Grundwasserabsenkung und das Ableiten von Bachwasser aus abflusslosen Senkungsgebieten wird dies verhindert. Diese Aufgabe gilt als sogenannte „Ewigkeitsaufgabe“, da die Pumpen rund um die Uhr und auf unabsehbare Zeit betrieben werden müssen.
Das Pumpwerk am Breuskes Mühlenbach in Recklinghausen in der Nähe des Stadion Hohenhorst. Es schützt eine Fläche von 490 Hektar vor Hochwasser.© Markus Matzel/EGLV
Trotz der langfristigen Bedeutung streben Emschergenossenschaft und Lippeverband an, die Zahl der von ihnen betriebenen Pumpwerke perspektivisch zu reduzieren. Möglich werden soll dies entweder durch wasserwirtschaftliche Maßnahmen, die den Betrieb einzelner Anlagen überflüssig machen, oder durch eine Übertragung an Kommunen. Nach Angaben der Verbände konnten bisher für sechs von 30 Anlagen im Emscher-Gebiet sowie für 18 von 40 Anlagen im Lippeverbandsgebiet entsprechende Lösungen gefunden werden.
Das erste Pumpwerk ging 1914 an der Alten Emscher in Duisburg in Betrieb. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz und ist bis heute in Betrieb.

