Ein bisserl komisch schaut er aus, der Benz-Motorwagen: Irgendwo zwischen Radl und Kutsche brachte er weniger als ein PS auf die schmalen Räder. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit lag bei 16 km/h, realistisch waren eher 12, und der Verbrauch betrug zehn Liter auf 100 Kilometer. Dennoch war das Gefährt von Carl Benz eine Verkehrsrevolution: Es gilt als erstes funktionsfähiges Automobil mit Verbrennungsmotor und feiert in diesem Jahr 140. Geburtstag.

Das erste Auto der Welt

Am 29. Januar 1886 meldete Benz das Patent für seinen „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ beim Kaiserlichen Patentamt an. 20 Jahre später, am 13. März 1906, kam der Wagen ins Deutsche Museum. Heute ist er im Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe ausgestellt. „Das ist ein Exponat, um das uns viele andere Museen beneiden“, sagt Bettina Gundler, Leiterin des Verkehrszentrums. Damit feiert der Wagen in München heuer auch sein 120-jähriges Jubiläum.

Einen Motor in ein Fahrzeug einzubauen war damals alles andere als trivial. Leistungsstarke, kleine Motoren gab es nicht. Benz baute einen wassergekühlten Einzylinder-Ottomotor mit knapp einem Liter Hubraum und rund 100 Kilogramm Gewicht. Betrieben wurde er mit Leichtbenzin aus der Apotheke, gestartet durch Drehen am hinteren Schwungrad – Zündschlüssel oder Pedale gab es nicht. Fahr- und Bremshebel befanden sich links neben der Sitzbank.

Das erste funktionsfähige Automobil mit Verbrennungsmotor: der Motorwagen von Benz.

Das erste funktionsfähige Automobil mit Verbrennungsmotor: der Motorwagen von Benz.
© Deutsches Museum

Das erste funktionsfähige Automobil mit Verbrennungsmotor: der Motorwagen von Benz.

von Deutsches Museum

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Einfach zu fahren war das Gefährt nicht: Wegen des Heckmotors war der Wagen hinten viel schwerer als vorne, weswegen das Vorderrad auf den holprigen Fahrbahnen auf und ab hüpfte. Ohne Insassen wog der Wagen nur 265 Kilogramm.

Der Erfolg ließ zunächst auf sich warten. „Die Menschen erschraken eher, wenn sie ein solches Gefährt sahen“, sagt Gundler. Erste Anerkennung gab es in Frankreich, vor allem durch Sportveranstaltungen und die Pariser Weltausstellung 1889. Einen entscheidenden Anteil am Erfolg hatte Benz‘ Ehefrau Berta Benz: 1888 fuhr sie mit ihren Söhnen heimlich knapp 100 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim und bewies damit die Funktionstüchtigkeit des Autos.

Der Ingenieur Carl Benz.

Der Ingenieur Carl Benz.
© Deutsches Museum

Der Ingenieur Carl Benz.

von Deutsches Museum

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Der Benz-Motorwagen zum Kauf

Nur wenige Exemplare des Dreirads wurden gebaut. Erst über Frankreich fand Benz Mitte der 1890er-Jahre mehr Käufer. Ab 1893 erhielten die Fahrzeuge Achsschenkellenkung und vier Räder.

Nach letzten Fahrversuchen wurde der Patent-Motorwagen Nr. 1 zerlegt, der Motor zunächst als stationäre Kraftmaschine weiter genutzt. 1895 wurde der Wagen wieder zusammengesetzt. „Welche Teile damals in der Werkstatt eventuell erneuert wurden, lässt sich heute schwer rekonstruieren“, sagt Gundler. 1906 stifteten der Erfinder und die Benz AG den Wagen dem Deutschen Museum, wo er seit 1911 ausgestellt ist.

Übrigens kann man auch heute noch einen Benz-Motorwagen kaufen – freilich als Nachbau. Das Auto kostet rund 150.000 Euro und hat keine Straßenzulassung. Fast wie damals: Bis 1894 brauchte Benz in jedem Einzelfall eine behördliche Genehmigung für seine Ausfahrten.