In einer Welt, die zunehmend von Konflikten und geopolitischen Spannungen geprägt ist, gehört die internationale Hilfe offenbar zu den ersten Opfern.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Länder ihre Mittel für Entwicklungsländer gekürzt oder deutlich zurückgefahren. Besonders stark fielen die Einschnitte in den USA aus (–56 % zwischen 2023 und 2025), aber auch Kanada (–25 %) sowie mehrere europäische Staaten reduzierten ihre Beiträge erheblich.

Nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden die internationalen Hilfsgelder bis 2025 insgesamt um 9 % bis 17 % sinken.

Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien zählen zu den Ländern, die ihre Verpflichtungen – gemessen am Bruttoinlandsprodukt oder in absoluten Zahlen – zurückgefahren haben. Spanien hingegen stemmt sich gegen diesen Trend, auch wenn sein Beitrag von 0,25 % des Bruttonationaleinkommens weiterhin deutlich unter dem UN-Ziel von 0,7 % liegt.

Ist die europäische Öffentlichkeit an Bord? Nur teilweise.

Eine von der internationalen gemeinnützigen Initiative More in Common durchgeführte Umfrage unter 10.000 Europäern zeigt ein gemischtes Bild: In Irland (55 %), Spanien (54 %) und Dänemark (50 %) ist mindestens die Hälfte der Befragten der Ansicht, dass internationale Hilfe den globalen Einfluss der EU stärkt.

In Frankreich (35 %) und Deutschland (36 %) fällt die Zustimmung hingegen deutlich geringer aus.

Europas Prioritäten: von Sicherheit bis Katastrophenhilfe

Die Skepsis nimmt ab, wenn internationale Hilfe als Instrument zur Stärkung von Europas Einfluss und Sicherheit dargestellt wird – etwa durch Grenzschutz, Migrationssteuerung oder Terrorismusbekämpfung.

So ist die Mehrheit der Befragten in Frankreich (75 %), Dänemark (80 %) und Deutschland (71 %) der Meinung, dass EU-Hilfen vorrangig auf Sicherheits- und Anti-Terror-Programme ausgerichtet sein sollten. In Spanien liegt der Fokus dagegen klar auf Katastrophenhilfe (79 %), während irische Befragte sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen als wichtigste Priorität nennen.

Grundsätzlich ist die große Mehrheit der Europäer überzeugt, dass sich internationale Hilfe lohnt, wenn sie zur Sicherheit Europas beiträgt. Allerdings zeigen sich die Befragten in Deutschland und Frankreich am skeptischsten: Rund ein Viertel teilt diese Einschätzung nicht.

„Entwicklungshilfe ist für die meisten Wähler in Europa kein zentrales Thema, doch sie haben klare Instinkte und Prioritäten“, sagte Conleth Burn, leitender Forscher bei More in Common, gegenüber Europe in Motion.

„Auffällig ist zudem das geringe Vertrauen in die Fähigkeit Europas, mit dem aktuellen geopolitischen Umfeld umzugehen. Viele stellen den Einfluss Europas grundsätzlich infrage – daher überrascht es nicht, dass manche glauben, Entwicklungshilfe ändere daran wenig.“

Kann die EU diese Kürzungen ausgleichen?

Der Entwicklungshilfeetat der EU kostet jeden EU-Bürger rund 4 Euro pro Jahr. Die EU zählt zu den größten Gebern weltweit, und ihr Haushalt ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. 2025 erreichte er ein Volumen von 1,9 Milliarden Euro.

Humanitäre Organisationen schätzen, dass sich dieser Betrag unter Einbeziehung weiterer Finanzinstrumente – etwa der Soforthilfereserve – auf bis zu 2,5 Milliarden Euro erhöht.

Zivilgesellschaftliche Analysten weisen jedoch darauf hin, dass die gestiegenen EU-Mittel die Kürzungen der einzelnen Mitgliedstaaten nicht kompensieren können. Nach Angaben von Concord, einem europäischen Netzwerk von NROs im Bereich internationaler Zusammenarbeit, ist zwischen 2023 und 2024 bei den Mitgliedstaaten mit einem realen Rückgang der Entwicklungshilfe um 8,6 % zu rechnen.

Wer sind die größten Geber?

Innerhalb der OECD sind die USA mit fast 56 Milliarden Euro (65,5 Milliarden US-Dollar) im Jahr 2024 der größte Nettozahler für öffentliche Entwicklungshilfe, gefolgt von Deutschland mit knapp 28 Milliarden Euro.

Gemessen am Bruttonationaleinkommen zeigen sich Norwegen und Luxemburg mit jeweils rund 1 % am großzügigsten, gefolgt von Schweden (0,79 %), Dänemark (0,72 %) und Deutschland (0,68 %). Die Vereinigten Staaten liegen bei 0,23 %.

Am unteren Ende der OECD-Rangliste unter den europäischen Ländern stehen die Tschechische Republik (0,16 %), Griechenland (0,15 %) und Ungarn (0,09 %).