Noroviren sind hochansteckend und führen oft zu plötzlichem Erbrechen und Durchfall. Eine aktuelle Studie zeigt, welches Lebensmittel bei der Abwehr helfen kann.

Das Risiko einer Norovirus-Infektion ist allgegenwärtig – ob in Gemeinschaftseinrichtungen, auf Reisen oder im privaten Haushalt. Die Viruspartikel gelten als äußerst widerstandsfähig, eine Infektion verläuft häufig abrupt und heftig, und konsequente Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen sind entscheidend zum Schutz. 

Ein überraschender Ansatz: Zitronensaft bzw. die in ihm enthaltene Zitronensäure könnte die Viren angreifbarer machen. Sie fragen sich, ob Sie jetzt „einfach mal ein Glas Zitronensaft“ im Kühlschrank parat haben sollten? Wir schauen uns die Studienlage an und erläutern, für wen und auf welche Weise dies sinnvoll sein könnte.

ANZEIGEWas sagen die Studien?

Forscher des Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) identifizierten 2015, dass Zitronensäure – ein Hauptbestandteil von Zitronensaft – die Struktur von Norovirus-ähnlichen Viruspartikeln verändert. Zwar handelte es sich in der Studie nicht um direkte Human-Viruskulturen, doch die Ergebnisse zeigen, dass Citrate aus Zitronensaft das Anheftungsvermögen der Viruspartikel an Wirtszellen schwächen können. In einer weiteren Untersuchung wurde echter Zitronensaft gegen das Tiermodellvirus Feline Calicivirus (FCV) getestet, das als Surrogat für das Norovirus gilt. Bei einem pH-Wert von rund 2,3 zeigte sich eine deutliche Reduktion der Viruslast – nach nur einer Minute war eine vollständige Inaktivierung messbar. Die Resultate sind vielversprechend, allerdings fanden sämtliche Tests unter Laborbedingungen (in vitro) mit Virus-Surrogaten oder virusähnlichen Partikeln statt. Eine direkte Übertragbarkeit auf den Alltag – also eine tatsächliche Schutzwirkung von Zitronensaft gegen Noroviren – ist bislang nicht belegt.

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Meistgelesene Artikel der WocheWarum ist das nicht gleich ein Allheilmittel?

  • Laborbedingungen vs. Alltag: Die in-vitro-Tests fanden unter stark konzentrierten Bedingungen statt – etwa mit sehr saurem pH-Wert und direktem Kontakt zwischen Virus und Zitronensaft. Solche Umstände lassen sich im Alltag kaum nachbilden.
  • Surrogat-Modelle:
    In den Experimenten kamen teilweise keine echten humanen Noroviren zum Einsatz. Daher sind die Ergebnisse nicht automatisch auf alle Norovirus-Genotypen übertragbar.
  • Fehlende klinische Studien:
    Bisher gibt es keine aussagekräftigen Untersuchungen mit menschlichen Probanden, die belegen, dass Zitronensaft eine Infektion mit Noroviren verhindern oder deren Verlauf abschwächen kann.
  • Kein Ersatz für Hygienemaßnahmen:
    Gründliches Händewaschen, Desinfektion und Lebensmittelsicherheit bleiben die entscheidenden Maßnahmen, um einer Norovirus-Infektion vorzubeugen.

Lesetipp: Grippesaison startet: So schützen Sie sich effektiv gegen das Virus

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Wie könnte Zitronensaft sinnvoll eingesetzt werden?

Wenn Sie Zitronensaft im Sinne der aktuellen Studienlage nutzen möchten, beachten Sie folgende Punkte:

Lebensmittel behandeln:
Ein paar Tropfen frisch gepresster Zitronensaft auf geschnittenem Obst oder herzhaften Snacks könnten – zumindest theoretisch – die Anhaftung von Viren reduzieren.

Reinigung von Oberflächen:
In Kombination mit sauren Reinigungsmitteln kann Zitronensäure unterstützend wirken. Dennoch sollte immer eine geprüfte Desinfektionslösung verwendet werden.

Nicht als alleinige Maßnahme:
Zitronensaft ersetzt weder gründliches Händewaschen noch eine ausgewogene Ernährung oder grundlegende Hygienestandards.

Was bedeuten die Erkenntnisse für den Alltag?

Zitronensaft beziehungsweise die darin enthaltene Zitronensäure zeigt im Labor beeindruckende Wirkung gegen Norovirus-Surrogate. Für den Alltag bedeutet das jedoch: Zitronensaft kann allenfalls als ergänzende Maßnahme betrachtet werden – nicht als verlässlicher Schutz.
Setzen Sie weiterhin auf bewährte Hygienestandards.
Wenn Sie möchten, sehe ich mir gern gemeinsam mit Ihnen evidenzbasierte Haus- und Küchenmaßnahmen zur Norovirus-Vorbeugung an.