Solingen. Wie sind die Solingerinnen und Solinger in ihrer Stadt unterwegs? Die Zahlen sagen klar: mit dem Auto.
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Mehr als die Hälfte der Wege wird mit „motorisiertem Individualverkehr“ zurückgelegt. Rund ein Drittel geht zu Fuß. Nur jeder Zehnte nutzt den ÖPNV, nur für 4 Prozent der Wege wird das Rad genutzt.
Diese Zahlen gelten innerhalb Solingens, was rund 80 Prozent der Mobilität ausmacht. Rechnet man Wege hinzu, bei denen die Stadt verlassen wird, sinkt der Anteil der Fußgänger und steigt die Zahl der Wege mit dem Auto. Bereits auf Strecken zwischen 1 und 3 Kilometern ist der Pkw bevorzugtes Verkehrsmittel. Nur 4 Prozent der Befragten nutzen nie ein Kfz.
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Die Zahlen, der sogenannte „Modal Split“, sind das Ergebnis einer Befragung der Technischen Universität Dresden im Auftrag der Stadt.
Fast 2000 Menschen mit Wohnsitz in Solingen nahmen teil. Veröffentlicht wurden die Zahlen Mitte 2025 – und erfahren nun neue Aufmerksamkeit. Denn seit zwei Wochen ist Solingen Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte“.
Solingen: Ein Arbeitsauftrag, weniger eine Auszeichnung
Was so klingt, als sei das Ziel erreicht worden. Bei der Verleihung der Urkunde betonten aber alle Beteiligten, dass es sich um einen Arbeitsauftrag handele, weniger um eine Auszeichnung. „Es ist ein Weg, den wir weiter beschreiten“, hatte Dezernent Andreas Budde (parteilos) betont, als er die Urkunde von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) entgegennahm.
Wie weit der Weg zur fahrradfreundlichen Stadt ist, zeigt die Untersuchung. Fast zwei Drittel der Befragten bewerten die Verkehrssituation für das Rad mit „ausreichend oder schlechter“, also mit Schulnote 4 bis 6. Selbst im oft gescholtenen ÖPNV tut das nur gut ein Drittel.
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Weniger als jeder Dritte gibt den Bedingungen für den Autoverkehr so schlechte Noten. Am glücklichsten sind die Fußgänger: Fast 90 Prozent empfinden die Situation als sehr gut, gut oder befriedigend.
Fahrradfahren? Hier sind einige Problemstellen
Auf den Bericht zur „fahrradfreundlichen Stadt“ gab es einige Resonanz. „Ich freue mich über jede Verbesserung auf den Solinger Straßen für den Radverkehr. Es ist nicht immer einfach, die Besorgungen sicher mit dem ‚Drahtesel‘ zu erledigen“, schreibt etwa ST-Leserin Angela Lattrich-Wischmann.

Sie finde die sehr bruchstückhaften Radwege ziemlich irritierend. „Ich wohne in Ohligs und fahre oft über die Zweibrücker Straße Richtung Ohligser Markt. Da die Spur mit Radweg an der Wilhelmstraße zur Abbiegerspur wird, muss man vorher in die Mitte wechseln. Bei Berufsverkehr nicht besonders angenehm.“
Auch am Kullen höre der Radweg abrupt auf, es komme immer wieder zu kniffeligen Situationen. „Und auf der Kamper Straße Ecke Mühlenstraße passiert es immer wieder, dass Autos links abbiegen, ohne darauf zu achten, dass der Radfahrer geradeaus möchte“, schreibt die ST-Leserin. Von Ohligs zum Theater zu radeln sei „ebenfalls sehr aufregend“.
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Entweder hat er seine Rede recycelt. Oder er weiß nicht, wovon er spricht.
ST-Leser Hans-Joachim Jost
über Verkehrsminister Oliver Krischer
Leidvolle Erfahrungen machte auch ST-Leser Hans-Joachim Jost. Er wurde vor wenigen Wochen von einem Auto „vom Rad geholt“. Die lobenden Worte, die der Verkehrsminister für Solingen als fahrradfreundliche Stadt gefunden hatte, versteht er nicht. „Entweder hat er seine Rede, die einer anderen Kommune galt, recycelt. Oder er weiß nicht, wovon er spricht.“
Krischer hatte unter anderem gelobt, mit welcher „Qualität und Konsequenz Solingen an zeitgemäßer Mobilität arbeitet“.
Jost nennt als gefährlichste Stellen im Straßenverkehr Werwolf, Schlagbaum, die Schützenstraße stadteinwärts und die Neuenhofer Straße/Neuenkamper Straße talwärts: „eine Todesspur, die so schmal ist, dass Autos nicht den vorgeschriebenen Abstand einhalten können“.
Nachhaltigkeitsziel: Rund 60 Prozent umweltfreundlich
Fahrradwege begännen und endeten im Nirwana (Deutsche Bank, Konzerthaus), Markierungen von Fahrradspuren würden nicht erneuert (Grünewalder Straße, Konrad-Adenauer-Straße) und Parkbuchten eingerichtet, der Radverkehr aber vergessen. „Herr Krischer hat wahrscheinlich lange nicht mehr auf einem Rad gesessen. Und auf gar keinen Fall in Solingen.“
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Es gibt einiges zu tun in der Arbeitsgemeinschaft. Zumal laut Nachhaltigkeitskonzept 2030 rund 60 Prozent der Wege umweltfreundlich zurückgelegt werden sollen. Ein Ziel, das inzwischen als nicht mehr erreichbar gilt.
ST