Am vierten Tag nach dem Ausfall des kompletten Straßenbahnverkehrs in Berlin aufgrund von Eisregen sind den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zufolge gut drei Viertel des Netzes wieder befahrbar. Schritt für Schritt stabilisiere sich der Straßenbahnverkehr weiter, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit.
Demnach wurden im Laufe des Tages wichtige Metrolinien wie die M8 auf voller Länge zwischen Hauptbahnhof und Ahrensfelde oder die M4 bis zur Endhaltestelle Zingster Straße wieder in Betrieb genommen. Auch die Linie 16 fahre nun wieder und binde zusätzlich den S-Bahnhof Marzahn an, teilte die BVG mit.
Überblick: Diese Tramlinien fahren wieder (Stand 17.45 Uhr)
- M1: Hackescher Markt – Niederschönhausen Schillerstr.
- M2: S+U Alexanderplatz/Dircksenstr. – Am Steinberg
- M4: S Hackescher Markt – Hohenschönhausen Zingster Str.
- M5: Gehrenseestr. – S+U Hauptbahnhof
- M6: Hellersdorf Riesaer Str. – S Marzahn
- M8: Ahrensfelde/Stadtgrenze – S+U Hauptbahnhof
- M10: S+U Warschauer Str. – U Turmstr.
- M13: S Warschauer Str. – Wedding Virchow-Klinikum
- M17: Gehrenseestr. – Gerhard-Sedlmayr-Str.
- 12: Weißensee Pasedagplatz – S+U Hauptbahnhof
- 16: S Marzahn – Ahrensfelde/Stadtgrenze
- 18: Hellersdorf Riesaer Str. – Landsberger Allee/Petersburger Str.
- 21: S+U Lichtenberg/Gudrunstr. – Holteistr.
- 27E: S Friedrichsfelde Ost – Freizeit- und Erholungszentrum
- 37: S+U Lichtenberg/Gudrunstr. – S Schöneweide
- 50: Virchow-Klinikum – Betriebshof Weißensee
- 63: Krankenhaus Köpenick/Südseite – S Schöneweide/Sterndamm
- 67: S Schöneweide/Sterndamm – Mahlsdorf Süd
- 68: Wendenschloß – S Grünau
Hier gibt es Ersatzverkehr mit Bussen:
- Linie M1: zwischen Pastor-Niemöller-Platz und Rosenthal Nord
- Linie 50: zwischen S+U Pankow – Buchholz
- Linie 62: zwischen S Mahlsdorf und Müggelheimer Straße/Wendenschloßstraße
- Linie 68: zwischen S Grünau und Alt-Schmöckwitz (über Karolinenhof)
Gleichwohl ist der Tramverkehr nach wie vor eingeschränkt. Genaue Informationen zu allen Linien mit Ausfällen und Unterbrechungen wegen der vereisten Stromleitungen gibt es auf der BVG-Internetseite. Eine Prognose, wann der gesamte Straßenbahnverkehr wieder wie gewohnt läuft, gibt die BVG weiterhin nicht ab. Fahrgäste sollten sich über ihre Verbindung informieren, hieß es.
Teams arbeiten in der Nacht
Auch in der Nacht zu Freitag sind die Einsatzteams wieder damit beschäftigt, Gleise, Weichen und Oberleitungen der Straßenbahnen freizuhalten oder freizubekommen. Das dicke Eis von den Stromleitungen muss über weite Strecken mit Handarbeit entfernt werden. Aufgrund der feuchten Luft frieren auch bereits vom Eis befreite Oberleitungen immer wieder ein, hieß es.
Im Fokus der BVG-Teams stünden in den kommenden Stunden der M4-Streckenast nach Falkenberg, die Linie 27 im Bereich Suermondtstraße sowie die weitere Anbindung in Friedrichshagen durch die Linie 60 (Altes Wasserwerk), teilte die BVG am Abend weiter mit.
Am Freitag liegt die Priorität demnach weiter auf der Anbindung der Außenbezirke. Mit Hochdruck werde an Streckenabschnitten in Mahlsdorf (Linie 62), Heinersdorf (Linie M2) sowie im Bereich Ehrlichstraße bis Marktstraße (Linie 21) gearbeitet.
Lesermeinungen zum Artikel
„Die Technikexperten wissen es sicherlich besser und es war ja auch das erste Mal, dass das gesamte Tramnetz nicht bedient wurde. Nur wirkt der politische Wille, in Städten doch das Auto abzuschaffen und den ÖPNV zu nutzen, dann irgendwie verzweifelt. Denn auf ein unzuverlässiges Verkehrsmittel wechselt man nicht freiwillig.“
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Der Verkehr von U-Bahnen und Bussen hingegen sei den gesamten Donnerstag planmäßig und stabil gelaufen, teilte die BVG mit.
Die derzeitige Lage bezeichnete das Unternehmen als „beispiellos“. Der intensive Eisregen habe in kurzer Zeit zu massiven Vereisungen geführt. „Eine solche Kombination hat es in Berlin seit Jahrzehnten nicht gegeben“, hieß es.
Weiterhin vereiste Wege
Auch zahlreiche Wege und Plätze in Berlin sind am Donnerstag weiterhin vereist und sehr glatt. Auf manchen großen Plätzen sind nur schmale Wege geräumt oder mit Splitt bestreut. Auf den anderen Teilen der Flächen hält sich das Eis hartnäckig.
Das Berliner BG Unfallkrankenhaus und die Charité behandeln derzeit viele Menschen wegen Glätteunfällen. „Wir haben jeden Tag volles Haus“, sagte Angela Kijewski, Sprecherin des Unfallkrankenhauses, am Donnerstag. Sowohl die Betten als auch die Kapazitäten des Personals seien mehr als ausgelastet.
Die meisten großen Straßen in Berlin sind frei von Eis und Schnee, weil die Berliner Stadtreinigung (BSR) hier im Unterschied zu den Plätzen und Wegen auch Salz zum Auftauen streuen darf. Auf vielen Radwegen sieht es hingegen nicht so gut aus
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Die BSR sieht sich mit Streusalz und Splitt auch für weitere Wochen mit Frost, Schneefall und Eis gut versorgt. „Wir sind bestens vorbereitet und die Vorratslager sind gut gefüllt“, sagte ein Sprecher am Mittwoch der dpa. Bei Bedarf werde nachbestellt und wieder aufgefüllt. Derzeit gebe es aber keine Nachschubprobleme.
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Die Stadtreinigung, die für den sogenannten Winterdienst auf Straßen, Radwegen, Haltestellen und bestimmten Plätzen sowie Fußgängerzonen zuständig ist, war mit etwa 13.000 Tonnen Salz, 2100 Kubikmetern Sole und 5000 Tonnen Splitt in den Winter gestartet. Rund 2300 Beschäftigte sind demnach mit 540 Räum- und Streufahrzeugen unterwegs. Von Schnee und Eis befreit werden müssen 11.000 Arbeitskilometer auf Straßen, darunter sind auch die Stadtautobahnen sowie 1200 Kilometer Radwege und 6300 Haltestellen. Für die Gehwege sind die Hausbesitzer oder -bewohner zuständig. (mit dpa)