Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird weltweit vom Ökumenischen Rat der Kirchen und vom Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen verantwortet. Der zentrale Gottesdienst in Deutschland wurde in diesem Jahr vorbereitet von der Armenisch-Apostolischen Kirche und der ACK in Deutschland.
Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie und Mitglied der ACK, war beim zentralen Gottesdienst vorbei:
Wie haben Sie den Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen persönlich erlebt – was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Martin Bock: Die Armenisch-Apostolische Diözesankirche St. Sahak-St. Mesrop in Köln-Niehl, die ursprünglich eine römisch-katholische Kirche war und schon vor 30 Jahren zu einer neuen Heimat für die armenische Kirche wurde, war an diesem Abend voller Menschen: aus der Kölner armenischen Gemeinde, aus den Nachbargemeinden, Mitglieder der ACK Köln und Nordrhein-Westfalen waren da, sowie Vertreter:innen des Bistums Köln, der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Weitgereiste der ACK Deutschland und der Ökumenischen Zentrale in Frankfurt. Der Gottesdienst war als eine Lichtfeier gestaltet, mit Texten und Melodien der armenischen Kirche, die den Auf- und Untergang der Sonne, das Licht, das auf und durch die Schöpfung fließt, mit dem Glanz und der Herrlichkeit des dreieinigen Gottes zusammen sieht und lobt. Diese Schöpfungs- und zugleich auf Gottes Geheimnis bezogene Frömmigkeit ist innig und schön, aber auch fremd. Die Texte, die wir gebetet haben, sind Jahrhunderte alt, sie gehen zum Teil bis in die Gründungszeit der armenischen Kirche im 4. Jahrhundert zurück. Besonders in Erinnerung ist mir die Musik geblieben: das weltberühmte Geghard Vocal Ensemble aus Armenien unter der Leitung von Anahit Papayan hat einfach wunderbar gesungen. Dieser Frauenchor wurde 2001 am mittelalterlichen UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Geghard gegründet und gilt international als eines der herausragenden Ensembles für armenische sakrale Musik.
Die Feier war geprägt von armenischer Liturgie, Musik und Symbolik. Wie haben Sie die Stimmung und das Miteinander der verschiedenen Kirchen an diesem Abend wahrgenommen?
Martin Bock: Durch die Musik und die so atmosphärisch dichten Gebetstexte entstand zwischen den Vertretern der Kirchen und der ganzen Gemeinde eine enge Verbindung und eine vertraute Stimmung. Es haben sich alle gewissermaßen von sich weg und hin zum Licht als Quelle und „Nahrung“ orientiert. In der Predigt erinnerte der Vorsitzende der ACK, Reverend Christopher Easthill, daran, was es heute in politischen Welt bedeutet, „Lichtbringer zu sein“: „Für das Nazi-Regime war ein zerstrittener Kontrahent fraglos besser als ein geeinter Gegner“ – als auch auf aktuelle Entwicklungen: „Überall auf der Welt haben Eigennutz, Machtliebe, Gier, Ab- und Ausgrenzung, sowie Angst- und Hassbotschaften gerade Konjunktur.“ Gegen diese Kräfte sollten die Christen „gemeinsam und geeint das Licht vom Licht entgegen“ stellen. Mit dieser Formulierung „Licht vom Licht“ hat Reverend Easthill noch einmal einen Bogen zum Jubiläum des nicänischen Glaubensbekenntnisses im vergangenen Jahr geschlagen. Von Gott und seinem Sohn Jesus Christus so, als „Licht vom Licht“ zu sprechen, ist durchaus gesellschaftlich relevant; es zeigt, dass Christ:innen allen Grund und Kraft haben, sich – wie gerade in Minneapolis – den menschenfeindlichen Spaltungskräften entgegenzustellen, ja entgegenzubeten!
Wenn Sie auf den Gottesdienst insgesamt zurückblicken: Was hat er aus Ihrer Sicht für die ökumenische Gemeinschaft in Köln und darüber hinaus bewirkt?
Martin Bock: Mit diesem Gottesdienst sollte die Gebetswoche für die Einheit der Christen ja abgeschlossen werden. Das war eine gute Idee, die Verbindung zwischen den Christ:innen in Deutschland nicht nur am Anfang, wie am 18. Januar in Nürnberg geschehen, zu initiieren, sondern sie mit dieser Lichtfeier kraftvoll abzuschließen. Mit einem fröhlichen Fest und leckerem Essen ging dieser Tag dann auch zu Ende. Die armenische Gemeinde mit ihrem Vertreter, Archimandrit Yeghishe Avetisyan, ist fester Bestandteil der Kölner Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, diese Gemeinschaft wurde am letzten Sonntag auf jeden Fall bestärkt und bekräftigt. Darüber freuen wir uns.
Text: APK
Foto(s): Martin Bock/APK:Canva-Collage