Der Fondskongress im Januar ist für viele das, was Markus Koch treffend als „Familientreffen“ bezeichnet – ein Ort, an dem man nicht nur Geschäfte macht, sondern vor allem Menschen trifft, die man seit Jahren kennt, mit denen man durch Krisen und Aufschwünge gegangen ist.

Chefredakteur Christoph Fröhlich und Herausgeber Malte Dreher haben sich zwei Tage lang durch dieses Familientreffen bewegt – von den Future Fundstars im Radisson Blu über diverse Networking-Dinner bis zur legendären Hotelbar im Dorint, wo die Drinks bekanntlich ewig dauern, die Gespräche aber das Warten wert sind.

Der Einstieg mit Zugverspätung

Die Anreise könnte symbolischer kaum sein für die deutsche Fondsbranche: Christoph, früh dran und pünktlich, Malte mit 100 Minuten Verspätung, erzählen beide im Podcast „For Professional Investors Only“. „Eingleisig nur befahrbar. Das hat ein bisschen Zeit gekostet“, kommentiert Malte lakonisch.

Doch dann geht es los – und der erste Stopp führt zu den Future Fundstars, einem Talentwettbewerb, den Alpay Ece vor Jahren mit Tim Habicht ins Leben gerufen hat. Der Gewinner Oliver Kämmerer (mehr zum Sieger und dem Format lesen Sie hier) erhält 3 Millionen Euro Seed Money für seinen Umweltfonds. „Wir sehen das Thema Umwelt viel, viel breiter als das es der Markt manchmal sieht“, erklärt Kämmerer seine Strategie, die neben Clean Tech auch Wasser- und Abfallwerte umfasst.

Alpay selbst sieht sich übrigens nicht als „Dieter Bohlen der Fondsbranche“, wie Malte Dreher fragt, sondern eher als Initiator eines „Höhle der Löwen“ für Portfoliomanager. Seine These: „Viele sehr gute Portfoliomanager schaffen es nie, Geld zu bekommen oder ihr Talent auf die Straße zu bringen. Und genau da setzen wir an.“

Networking-Rituale und die besten Stände

Was folgt, ist eine Tour durch die Mannheimer Networking-Landschaft: Bootshaus mit Nordea, Jupiter mit Champagner, Invesco in der Bar Sieferle (nach mehrjährigen gescheiterten Versuchen von Christoph endlich geschafft), und diverse Dinner von BNY über MFS bis zum Milano.

„Ich war im Raddison, wir haben Video-Interviews gedreht am Vormittag“, berichtet Malte. „Am Mittag kam dann hoher Besuch, Martin Lück von Franklin Templeton mit Robert Habeck, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und Ex-Vize-Kanzler.“

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Die Messestände selbst haben Tradition – und einige setzen auf kreative Eyecatcher. Bei State Street IM gibt es einen Tischkicker mit Spielern in Firmen-Überzügen, bei Pictet einen 3D-Drucker für Schokoladen-Roboter, bei Berenberg den „besten Kaffee auf dem ganzen Messegelände“, so Laura Otterndorf, Leiterin Marketing bei der Hamburger Privatbank. – 700 Tassen werden in zwei Tagen gebrüht.

Die großen Fragen: Private Markets, Active ETFs und Gold

Doch was bewegt die Branche wirklich? Drei Themen stechen heraus – wobei die Realität oft hinter der Erwartung zurückbleibt.

Private Markets: Der zögerliche Hype

„Ich finde das fast schon zurückhaltend, wie sich das hier alles präsentiert“, stellt Christoph fest. Die große Demokratisierung der Privatmärkte, von der alle sprechen? In Mannheim kaum sichtbar. Peter Brodehser von der DWS sieht das anders: „Was immer mehr Einzug hält, dass der Bereich der Private Markets im Bereich der Privatinvestoren immer mehr Fuß fasst.“ Doch auf der Messe selbst ist davon bislang nur vereinzelt etwas zu spüren.

Active ETFs: Buzzword ohne Lametta

Ähnlich verhält es sich mit aktiven ETFs. Alle reden darüber, aber: „Ich hätte da mit viel, viel mehr aktiven ETFs, mit viel mehr Lametta gerechnet, als es am Ende der Fall gewesen ist“, so Malte.

Denise Koch von Invesco beobachtet: „Die Dynamik hat unheimlich zugenommen, also gerade das ganze letzte Jahr ist dann doch auch die Nachfrage gekommen.“ Doch die große Präsenz auf der Messe? Fehlanzeige. Klar sieht man das Thema bei den namhaften ETF-Anbietern wie Blackrock, Goldman Sachs, J.P. Morgan AM und Columbia Threadneedle, aber es ist nicht das alles dominierende Thema wie früher ESG, als „alles grün war und überall Bäume gewachsen“ sind.

Gold: Der stille Star

Überraschend: Das Thema, das wirklich viele bewegt, ist Gold. Begüm Sapancilar von Xtrackers berichtet: „Es ging viel um Edelmetalle. Mit Gold und Silber, mit der letzten Performance hat man gesehen, dass jetzt viele Interesse an Edelmetallen und ETCs haben.“

Bei über 5.000 Dollar pro Unze stellt sich die Frage: Ist Gold jetzt zu teuer? Malte formuliert es treffend: „Das ist nach wie vor immer noch eine gute Versicherung oder ein Hedge im Endeffekt gegen das, was da alles noch kommen mag. Ob 4.000 oder 5.000 gerechtfertigt sind, das weiß ich nicht.“

Die Veteranen: Geschichten von 45 Kongressen

Interessant waren die Begegnungen mit den Branchenveteranen. Andrej Brodnik, der laut eigener Aussage 1998 zum ersten Mal in Mannheim war, berichtet von seinem eigenen „Tipping Point“: „Innerhalb von 13 Monaten sind wir von 100 auf jetzt 193 Millionen Euro gewachsen.“ Sein Fonds habe sich fast verselbstständigt – ein Phänomen, das er schon bei Blackrock und Jupiter beobachtet hat.

„Ich schätze mal, dass dürfte mein 45. Fondkongress sein“, rechnet Brodnik vor – und hat damit keinen einzigen verpasst, außer den Corona-bedingten Ausfall.

Weiterführende Experten-Insights

Weiterführende Experten-Insights

Dan Sauer von Nordea, seit über 20 Jahren im Vertrieb, betont die andere Seite der Performance-Fixierung: „Vertrieblich gesehen the trend is your friend, aber privat gesehen gilt für mich immer noch die Schule aus 2008. Kapitalerhalt steht im Vordergrund.“

Markus Koch: „Fokussiert euch auf die anderen Märkte“

Ein Highlight ist die spontane Begegnung mit Markus Koch, der vor seinem Vortrag noch Zeit für ein paar Fragen hat. Seine Kernbotschaft: „Die internationalen Märkte werden besser laufen als die Wall Street. Die Emerging Markets profitieren vom schwachen US-Dollar.“

Und zur KI-Bubble hat er eine klare Meinung: „Die Deutschen haben nach dem Platzen der Dotcom-Bubble gesagt, oh Gott, lasst den Schmerz aufhören, wir machen nicht mehr weiter. Und das ist genau die falsche Entscheidung gewesen. Und auch eine der Gründe dafür, weshalb wir in Deutschland und Europa insgesamt den Amerikanern in diesem Gebiet hinterherhinken.“

Markus Koch schaut spontan im Podcast „For Professional Investors Only“ vorbei und beantwortet ein paar Fragen unter anderem zum US-Markt
Markus Koch schaut spontan im Podcast „For Professional Investors Only“ vorbei und beantwortet ein paar Fragen unter anderem zum US-Markt | Bildquelle: DAS INVESTMENT

Neu-Headhunter Oliver Morath erlebt seinen vielleicht besten Kongress: „Eine Vielzahl wirklich spannender, hochwertiger Kunden waren da, viel weniger Vertrieb, viel mehr Sparkassen und Vermögensverwalter„, berichtet er.

Seine Erkenntnis: „Die Sparkassenwelt und die Volksbankenwelt sind dem Thema offener Architektur eindeutig mehr zugewandt als in den Jahren zuvor und das Interesse ist einfach da.“

Die Konstanten: Langsame Drinks und schnelle Gespräche

Manche Dinge ändern sich dagegen nie. „Nach über 20 Jahren Kongress bestellst du im Dorint ein Bier oder ein Gin Tonic und es dauert ewig“, stellt Malte fest. Die Hotelbar im Dorint bleibt ein Nadelöhr – aber auch ein Treffpunkt, an dem die wertvollsten Gespräche entstehen.

Christophs Schlaf-App meldet am Ende: „1 Prozent Erholungswert“ – aber das gehört dazu. „Man ist ja nur einmal hier.“

Das Fazit: Struktur statt Wildheit

„Die Branche ist insgesamt wieder ein Jahr reifer geworden“, resümiert Malte. „Es ist nicht mehr so wild, es steckt auch richtig Struktur und Strategie hinter den Vertriebsansätzen. Und man trifft sich hier quasi als Familientreffen.“

Und genau das ist es, was Mannheim ausmacht. Es geht nicht um die neuesten Produktinnovationen oder die wildesten Marketing-Coups. Es geht um Menschen, die sich seit Jahren kennen, die gemeinsam durch die Branche gehen – und die sich einmal im Jahr im Rosengarten treffen, um zu schauen: Wo stehen wir? Wohin geht die Reise? Und wer macht eigentlich gerade was?

Die Antwort auf diese Fragen findet man bei 700 Tassen Kaffee, einem Gin Tonic, der ewig dauert, und Gesprächen zwischen Mozartsaal und jeder Menge Treppen.