Vorfall im Bristolkanal
Russisches Schiff ankert nahe Unterseekabeln
30.01.2026 – 00:27 UhrLesedauer: 2 Min.
Das russische Frachtschiff „Sinegorsk“ hatte im Bristolkanal angehalten, wo wichtige Unterseekabel liegen. (Quelle: RBC Ukraine/Russian Media)
Im britischen Bristolkanal hat ein russisches Schiff seine Fahrt unterbrochen und angehalten. Die britischen Behörden reagierten umgehend.
Ein russischer Frachter ist am Dienstag im britischen Bristolkanal vor Anker gegangen, musste aber auf Druck der britischen Behörden nach wenigen Stunden weiterfahren. Die „Sinegorsk“ hielt nach eigenen Angaben wegen Reparaturarbeiten an der Küste von Somerset im Südwesten Englands an, berichten britische Medien und das Militärnachrichtenportal „UK Defence Journal“ unter Berufung auf britische Behörden.
Der Liegeplatz befand sich in der Nähe von Unterseekabeln, berichtet das „Defence Journal“. Das Schiff sei auf seiner Route auch über den Stellen gefahren, an denen die Kabel liegen. Im Bristolkanal verläuft unter anderem das TGN-Atlantic-Kabel, das Großbritannien mit den USA verbindet. Andere Kabel verbinden Europa mit Kanada und England mit südeuropäischen Ländern.
Ein Flugzeug der britischen Küstenwache war aufgestiegen, wie öffentlich einsehbare Flugdaten zeigen. Nach Informationen des britischen „Independent“ sei auch ein Hubschrauber der Royal Navy im Einsatz gewesen. Das britische Transportministerium reagierte ebenfalls: „Als ersten Schritt haben wir das Schiff ‚Sinegorsk‘ nach dessen Einlaufen in britische Gewässer zur Durchführung notwendiger Sicherheitsreparaturen eindeutig aufgefordert, diese zu verlassen“, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber dem Journal. Dieser Anweisung sei Folge geleistet worden, das Schiff habe später das Gewässer verlassen.
Das britische Verteidigungsministerium sagte dem Journal: „Wir sind uns der Bedrohung durch Russland sehr bewusst, zu der auch Versuche gehören, Unterwasserkabel, Netzwerke und Pipelines des Vereinigten Königreichs und unserer Verbündeten zu kartografieren, und wir gehen diesen Bedrohungen entschlossen entgegen. Die Royal Navy überwacht ständig unsere Meere und schützt dabei auch kritische Infrastrukturen wie Unterwasserkabel und Offshore-Anlagen.“ Unklar ist, ob es solche Versuche seitens des Schiffes gegeben hat.
Das Frachtschiff hatte 24 Stunden zuvor vom russischen Hafen Arkhangelsk abgelegt. Dort befindet sich neben einem großen Güterumschlagplatz auch ein Teil der russischen Nordflotte. Es hat seinen Kurs mehrfach geändert und fuhr teilweise sehr langsam, wie öffentlich zugängliche Daten der Route zeigen.
Schiffen unter russischer Flagge ist es untersagt, britische Häfen anzulaufen. Die Maßnahmen bedeuten jedoch keinen generellen Ausschluss aus den Hoheitsgewässern. Russische Schiffe dürfen weiterhin britische Gewässer durchfahren, sofern sie das Seerecht und alle Anweisungen der Behörden einhalten. Die „Sinegorsk“ ist bislang nicht als Teil der russischen Schattenflotte bekannt.
Der britische Navychef Gwyn Jenkins warnte laut „Independent“ im Dezember, dass es in den vergangenen zwei Jahren zu einem „30-prozentigen Anstieg russischer Übergriffe in unseren Gewässern“ gekommen sei. Am deutlichsten sei diese Aktivität durch die Präsenz russischer Spionageschiffe wie der Yantar in der Nähe britischer Gewässer zu beobachten, sagte er, warnte jedoch: „Was mich am meisten beunruhigt, ist das, was unter den Wellen vor sich geht.“
