
Ein Weltmeister im Velodrom: Moritz Augenstein
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Valts Miltovics hat dieser Tage viel zu tun. »Jetzt mitten im Aufbau tauchen die unterschiedlichsten Sachen auf, die man noch kurzfristig erledigen muss«, erzählt der Manager des Berliner Sechstagerennens »nd«. Das Wichtigste aber ist erledigt: Das Starterfeld steht, viele Tickets sind verkauft. Für das Hauptrennen, das Zweier-Mannschaftsfahren, haben sich unter anderem der aktuelle Scratch-Weltmeister Moritz Augenstein, Madison-Legende Roger Kluge und der ebenfalls ins Regenbogentrikot gefahrene Niederländer Yoeri Havik angemeldet.
Auch einen ganz großen Star im Radsport auf der Bahn und der Straße, den Weltmeister und Olympiasieger Filippo Ganna, hatte Miltovics an der Angel. »Der wollte tatsächlich kommen. Dann hat er aber mit dem Coach besprochen, dass er noch nicht so viel Erfahrung mit Madison hat und sich deshalb nicht blamieren wollte«, fasst Miltovics zusammen. In die Parade fuhr dem Manager bei der Verpflichtung von weiteren Hochkarätern auch, dass nur ein paar Tage später in Konya die Europameisterschaften starten. »Das hat uns ein bisschen Probleme bereitet, dass wir nicht alle Sportlerinnen und Sportler bekommen konnten, die wir wollten.«
Kritik an den Verbänden
Terminkollisionen sind nur eines der strukturellen Probleme im Bahnradsport. »Von Fernsehpartnern und Sponsoren hören wir immer wieder, wie unzuverlässig aus ihrer Sicht der Bahnradsport ist. Ständig ändert der Weltverband irgendetwas. Der europäische Verband verschiebt regelmäßig Termine«, kritisiert Miltovics. Dass die Track Champions League des Weltverbandes nach großem Getöse zu Beginn inzwischen auch wieder eingestellt ist, hilft ebenso wenig. Davon war das Berliner Rennen zwar nicht direkt betroffen. »Für Ticketverkauf oder Sponsoring hier vor Ort war der Einfluss gleich null«, sagt Miltovics, ergänzt aber: »Der Nachgeschmack aber ist, dass das alles weiter den Eindruck verfestigt, der Bahnradsport sei unzuverlässig.«
Aus dieser Gemengelage will nicht nur Miltovics raus, sowohl was die aktuellen Renntage betrifft als auch die Zukunft. Als Zuschauermagneten für Freitag und Sonnabend hat er die alten Heroen Robert Förstemann und Maximilian Levy engagiert. Förstemann wird dabei im Sprint wie auch mit seinem neuen Partner, dem früheren Para-Ruderer Marc Lembeck antreten.
Levy, der längst Trainer ist, will ebenfalls wieder Wettkampfluft atmen. Miltovics erzählt, wie es dazu kam. »Eigentlich wollte er seinen Nachwuchsfahrer Benjamin Bock unterstützen. Dann haben wir telefoniert und ich habe als Witz rausgehauen: ›Fahr du doch auch mit.‹ Eine Woche später hat er zurückgerufen und zugesagt. Er hat dann wieder richtig trainiert und vor zwei Wochen auch eine wirklich gute 200-Meter-Zeit hingelegt, neun Komma irgendwas, verdammt gut also.«
Aufstockung und Ausweitung
Zufrieden ist der Manager mit dem Kartenverkauf. »Der Samstag ist komplett ausverkauft, wir mussten sogar noch Tickets von den Sponsoren zurückholen«, sagt er. Für Freitag gibt es noch Karten. Eine Verlängerung bis in den Sonntag gibt es frühestens im nächsten Jahr. »Als wir uns vor zwei, drei Jahren auf das Wochenende konzentriert haben, war die Intention, erst einmal diese zwei Tage vollzukriegen, damit es überhaupt weitergehen kann. Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir das auswerten und vielleicht wieder auf drei Tage gehen können«, beschreibt Miltovics.
Ganz sicher allerdings ist eine globale Ausweitung der Berliner Sixdays im Rahmen einer Rennserie mit Stationen unter anderem in Abu Dhabi, Malaysia und Hongkong. »Wir sind dort nicht selbst die Veranstalter, geben den lokalen Veranstaltern aber das Recht, das in unserem Namen zu organiseren.« Mit weiteren potentiellen Partnern auf anderen Kontinenten ist Miltovics noch im Gespräch. Als Clou soll es in der Rennserie auch Nationalteams und eine Nationenwertung geben. Dieses veränderte Format könnte dem zwischen den Olympischen Spielen darbenden Bahnradsport neue Lebensgeistern einhauchen.