Sechs Monate nach dem spektakulären Überfall auf ein Juweliergeschäft in der Gelsenkirchener Innenstadt hat der Prozess gegen zwei der Täter begonnen. Die Anklage lautet auf versuchten Raub und Mordversuch.
Die beiden Angeklagten sind 19 und 29 Jahre alt. Beide kommen aus den Niederlanden. Als sie von den Wachtmeistern in den Gerichtssaal des Essener Landgerichts geführt wurden, bekamen sie sofort Kopfhörer gereicht – um die Übersetzung des Dolmetschers besser verstehen zu können.
Waffen angeblich nur zur Einschüchterung nach Gelsenkirchen mitgenommen
Es war der 29. Juli vergangenen Jahres, als sie sich mit zwei weiteren – bislang unbekannten – Männern auf den Weg nach Deutschland gemacht haben. „Wir wollten eigentlich nur einen Ausflug machen“, sagte der 19-Jährige den Richtern zum Prozessauftakt. Auf der Fahrt sei dann jedoch plötzlich von einem Überfall gesprochen worden.

Dieses Juweliergeschäft in der Gelsenkirchener Innenstadt hatten die maskierten Räuber im Visier. Zwei tatverdächtige Männer stehen jetzt vor Gericht.
© Nikos Kimerlis
Er selbst war damals mit einer Machete in das Geschäft gestürmt. Dem zweiten Angeklagten sei eine Pistole gegeben worden. „Damit wollten wir dem Ladenbesitzer Angst machen und ihn einschüchtern.“ Dass es sich um eine echte Schusswaffe gehandelt habe, will er nicht gewusst haben. „Ich hätte niemals mit Waffengewalt versucht, einem anderen zu schaden.“
Mittäter verkleidete sich als Frau, um ins Geschäft zu gelangen
Um überhaupt in das Juweliergeschäft zu gelangen, hatte sich einer der anderen Männer damals als Frau verkleidet und sich dabei fast komplett verhüllt. Der Ladeninhaber war völlig ahnungslos. Als er die Tür von innen per Tastendruck öffnete, sind die beiden Angeklagten auch schon hereingestürmt. „Das ist dann aber alles nicht so gelaufen, wie geplant“, so der 19-Jährige.
Der Ladeninhaber habe sich gewehrt, sei dann aus dem Laden gestürmt und habe sie eingeschlossen. „Das war alles völlig chaotisch.“ Sein Mittäter habe dann das Glas der Eingangstür zerschossen und sei durch das dadurch entstandene Loch nach draußen geklettert.
Angeklagte geben keine Auskunft zu den Hintermännern
Auf Videos ist zu sehen, wie der 29-Jährige vor der Tür von wütenden Personen empfangen und brutal geschlagen wird – auch mit einer Eisenstange. Auch die Polizei war schon vor Ort, die später beide Angeklagte festgenommen hat.
Die beiden anderen Männer waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Fluchtwagen losgefahren. Wer sie waren, wollte der 19-Jährige den Richtern nicht sagen. „Ich werde hier keine Namen nennen“, erklärte er im Prozess vor der 5. Strafkammer des Essener Landgerichts. „Das ist mir viel zu gefährlich.“ Irgendwann komme er schließlich auch wieder aus dem Gefängnis heraus.
19-Jähriger will versuchte Tötung nicht mitbekommen haben
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 29-Jährige im Geschäft auch zweimal auf den Ladenbesitzer abgedrückt hat. Dabei soll es jedoch zu einer Ladehemmung gekommen sein, so dass sich kein Schuss gelöst hat. Davon will der Jüngere der beiden allerdings nichts mitbekommen haben. „Ich habe den Schmuck sofort in eine Tasche gepackt und das Klicken der Waffe nicht gehört.“
Sie wollen keine Nachricht aus Gelsenkirchen verpassen? Abonnieren Sie hier unseren täglichen Newsletter. Mehr aus unserer Lokalredaktion gibt es auf unseren Facebook– und Instagram-Kanälen. Abonnieren Sie auch unser tägliches, kostenloses News-Update auf WhatsApp. Oder besuchen Sie die WAZ Gelsenkirchen jetzt auf TikTok.
Der 29-Jährige hat über seine Verteidiger ebenfalls gestanden, bei dem Raubüberfall dabei gewesen zu sein. Er selbst hat sich am ersten Verhandlungstag allerdings noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Beute-Aufteilung wurde angeblich nicht besprochen
Wie die Beute aufgeteilt werden sollte, ist vor der Tat angeblich nicht besprochen worden. „Es sollte erstmal geguckt werden, was überhaupt zusammenkommt“, sagte der 19-Jährige den Richtern. „Wir hatten mit der Planung überhaupt nichts zu tun.“
Gelsenkirchen-Newsletter: Jetzt anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Gelsenkirchen-Newsletter: Jetzt anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der
Werbevereinbarung
zu.
Im Prozess wird es nun vor allem darum gehen, ob tatsächlich versucht worden ist, auf den Ladenbesitzer zu schießen. Die Zeugenvernehmung des Inhabers soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Die Richter haben für den Prozess zunächst noch fünf Verhandlungstage angesetzt. Mit den Urteilen ist voraussichtlich Mitte März zu rechnen.