Liebe Leserin, lieber Leser,
gut
möglich, dass gerade Menschen aus den Niederlanden, Großbritannien,
den USA, Indien, Österreich und Tschechien nach Hamburg reisen, dass
sie sich aus Polen, Rumänien, Spanien, Pakistan, Malaysia, Georgien,
der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Weg in
die Stadt befinden. Oder sie sind schon da. Denn aus diesen Ländern
– und anderen Teilen Deutschlands – kommen die Teilnehmer eines
am Wochenende stattfindenden KI-Hackathons. Es ist der größte, den
es jemals in Deutschland gab, sagt Alex Zakharov, einer der
Veranstalter, rund 500 Teilnehmer werden es sein.
Hackathon?
Diese Veranstaltungen gibt es schon länger, dabei programmieren
Menschen meist in einer festgelegten Zeit um die Wette. Durch Austausch und
die kompetitive Atmosphäre soll Gutes entstehen. Beim KI-Hackathon,
Sie werden es sich denken können, dreht sich alles um künstliche
Intelligenz. Morgen früh um 9 Uhr geht es in der Bucerius Law School
los. „Man
braucht nur einen Laptop“,
sagt Zakharov, der aus Russland stammt und nach Stationen in den USA
und Großbritannien aktuell in Hamburg lebt.
Zakharov
sagt, er habe vor einem Jahr seinen Job im Software-Produktmanagement
gekündigt, um sich ganz auf das Gründen und Entwickeln mit KI zu
konzentrieren. Er begann, sich mit Gleichgesinnten in Cafés zu
treffen, daraus entstand eine Community namens AI Beaver (zu deutsch:
KI Bieber, denn der erschafft konstant Neues, wie mir Zakharov
erklärte). Und jetzt der Hackathon, gesponsert von
großen Namen wie Google Gemini und Open AI.
Er wolle die „Silicon-Valley-Energie“
nach Hamburg bringen, sagt Zakharov.
© ZON
Newsletter
Elbvertiefung – Der tägliche Newsletter für Hamburg
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Red
Bull, Cola und Kaffee werden gestellt, es gibt Croissants, Empanadas,
Bowls, Pizza. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Sonntag ab 14 Uhr
entscheidet eine Jury, wer gewonnen hat. „Von
einem typischen Hackathon unterscheidet uns, dass die Beiträge der
Teilnehmer auch nach ihrer geschäftlichen Rentabilität bewertet
werden“,
sagt Zakharov, „wir
möchten, dass daraus Start-ups entstehen.“
Die Jury-Mitglieder kommen von Unternehmen wie Oracle, Google oder
Amazon.
Als
ich ihn fragte, was dabei herauskommen könnte, ein Beispielprojekt,
fiel Zakharov gleich etwas für mich ein. „Man
könnte ein Tool entwickeln, das deine Aufgabe, mich zu interviewen,
automatisiert. Man könnte dafür eine Sprach-KI trainieren, die mich
dann anruft und interviewt – und du könntest anschließend ein
Transkript bekommen und entscheiden, ob du mich selbst interviewen
möchtest.“
Da
kann man nur hoffen, dass am Wochenende niemand auf die Idee kommt,
eine Elbvertiefungs-KI zu basteln. Stand jetzt begrüßt Sie hier am
Montag Viola Diem.
Ich wünsche Ihnen einen
schönen Freitag!
Ihr
Yannick Ramsel
PS:
Seit Anfang des Jahres erscheint dieser Newsletter wieder montags bis
freitags, wie gewohnt um 6 Uhr morgens. Am Wochenende informieren wir Sie in unserem Podcast über die Hintergründe eines von uns
recherchierten Themas. In der aktuellen Folge spricht Florian
Zinnecker mit Oskar Piegsa über die Frage, ob Hamburg seine
Universität kaputtspart. Die
Folge können Sie heute ab 17 Uhr hier hören.
WAS HEUTE WICHTIG IST
Beim
Filmen eines Beitrags der NDR-Satire-Sendung „Extra
3“
auf Grönland ist ein Bußgeld verhängt
worden. Laut Sender hatte der Satiriker Maxi Schafroth vorgegeben, eine US-Flagge auf einem öffentlichen
Platz hissen zu wollen. Dafür sei vor Ort das Bußgeld verhängt
worden. Anlass für die kritische Auseinandersetzung in der
Satiresendung sei das weltweit diskutierte Vorgehen der USA gewesen,
sagte eine Sprecherin – die Redaktion bedaure, sollte dabei der
Eindruck entstanden sein, Ziel der Satire seien Grönländerinnen und
Grönländer.
© Marcus Brandt/dpa
Mehr
als 1.000 Beschäftigte aus ganz
Norddeutschland sind in Hamburg zum „Streiktag
Bildung“
auf die Straße gegangen. Zu
dem bundesweiten Warnstreik hatte die Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW) aufgerufen. Hintergrund sind die
Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder. Die
Gewerkschaften fordern unter anderem Gehaltserhöhungen von sieben
Prozent, monatlich aber mindestens 300 Euro mehr.
Eine
muslimische Frau, die sich für einen Job bei der Passagier- und
Gepäckkontrolle am Hamburger Flughafen beworben hatte und abgelehnt
wurde, weil sie ein Kopftuch trägt,
hat vor dem Bundesarbeitsgericht Recht bekommen. Das Gericht
entschied, dass dies eine Benachteiligung wegen der Religion
darstelle. Es blieb damit seiner bisherigen Rechtsprechung treu. Der
Klägerin wurde eine Entschädigung von 3.500 Euro zugesprochen.
In aller Kürze
• Ein seit Dienstag vermisster
Zehnjähriger aus Wilhelmsburg wird
weiterhin vermisst. Er ist 1,50 Meter groß, hat schwarze, kurze und
gewellte Haare und trug bei seinem Verschwinden eine dunkelblaue
Jacke – die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung •
Wenige Tage vor dem Spiel gegen Bayern München ist der französische
Fußballprofi Jean-Luc Dompé vom Hamburger SV bei einer
Verkehrskontrolle angetrunken am Steuer
erwischt worden. Der Offensivprofi
wurde bis auf Weiteres suspendiert •
Der Hamburger Flughafen und die Lufthansa Technik werden an
das städtische Fernwärmenetz
angeschlossen. Ab März 2026 beginnen die Bauarbeiten für eine neue,
rund 4,7 Kilometer lange Fernwärmeleitung, teilten die Hamburger
Energiewerke mit
AUS DER HAMBURG-AUSGABE
© Bettina Theuerkauf für DIE ZEIT
„Ich will keine Architektur in meinem Tierpark“
Eine
jahrelange Familienfehde und Kritik am Umgang mit den Völkerschauen
– der Tierpark beschäftigt Claus Hagenbeck noch sehr, obwohl er
ihn längst nicht mehr leitet. Ein Hausbesuch von
ZEIT:Hamburg-Ressortleiterin Maria Rossbauer; lesen Sie hier einen
Auszug.
Das
Haus von Claus Hagenbeck ist so, wie man es sich vorstellt. Im
Eingang schwarz-weißer Marmorboden, die Räume groß und einladend,
gefüllt mit dunklen Möbeln und Zierobjekten, die an eine vergangene
Zeit erinnern: Spiegel mit Silberrand, Elefantenfiguren aus Holz und
Porzellan, Gemälde von Löwen und Zebras. Ein goldgerahmtes Bild
zeigt Carl Hagenbeck, seinen Urgroßvater, den Mann, der vor 119
Jahren den Tierpark Hagenbeck in Stellingen gründete. Heute sind die
Hagenbecks eine für Hamburg bedeutende Dynastie, doch seit Jahren
durchzieht die Familie ein Streit, der es oft in die Schlagzeilen der
Stadt schaffte. Nun spricht Claus Hagenbeck selbst darüber – so
viel, wie er darf.
DIE
ZEIT: Herr Hagenbeck, seit einem Jahr
gibt es eine neue Leitung im Tierpark Hagenbeck, eine Doppelspitze
aus dem Biologen Guido Westhoff und Ihrem langjährigen Tierpfleger
Walter Wolters. Kehrt nun, nach den vielen Konflikten der vergangenen
Jahre, endlich Ruhe ein?
Claus
Hagenbeck: Ja. Das war auch nötig. Ich
muss nur ein bisschen aufpassen, was die neuen Geschäftsführer hier
bauen. Ich will keine Architektur in meinem Tierpark.
ZEIT:
Was meinen Sie damit?
Hagenbeck:
Ich lebe seit 80 Jahren hier im Tierpark. Wenn Sie aus dem Fenster
schauen, sehen Sie mein Elternhaus, da wohnt jetzt eine meiner
Töchter mit ihrer Familie. Mehr als 30 Jahre lang habe ich den Park
geleitet. Ich möchte, dass die Geschäftsleitung in der Tradition
meiner Vorfahren weitermacht. Mein Urgroßvater Carl Hagenbeck hat
den modernen Zoo erfunden, den Gedanken, die Tiere zu präsentieren,
als wären sie in Freiheit. Sie sehen hier keine Massivgebäude. Die
Tierstallungen sind immer irgendwo in Felsen versteckt, hinter
Pflanzungen, oder sie sind relativ klein.
ZEIT:
Die beiden setzen aber relativ viele Neuerungen um, das Eismeer soll
verändert werden, das Leopardengehege, das Elefantenhaus, und sie
planen nun auch ein neues Giraffenhaus …
Hagenbeck:
Ja, das ist auch völlig in Ordnung. Ich habe mit den
Geschäftsführern und der Architektin über das Elefantenhaus
gesprochen. Sie setzen jetzt meinen Plan eins zu eins um.
ZEIT:
Was ist denn Ihre aktuelle Funktion im Tierpark?
Hagenbeck:
Ich bin als Berater tätig, und es ist erfreulich, dass die beiden
Geschäftsführer oft zu mir kommen und mich um meine Meinung bitten.
Also, die machen natürlich, was sie wollen, aber sie akzeptieren,
dass ihnen jemand, der den Tierpark viele Jahre lang geleitet hat,
einiges erzählen kann.
Wie
Claus Hagenbeck mit Kritik umgeht, vor allem der am Umgang mit den
sogenannten Völkerschauen, lesen
Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de.
DER SATZ
© Jamie Chung/Trunk Archive
„Als
ich meine Prüfung absolviert hatte und meinem damaligen Chef sagte,
dass ich schwanger sei, war sein Kommentar: ›Ach, das ist ja
schade. Ich dachte, aus Ihnen wird mal was.‹“
Susanne
Johna, Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund
Vergangenen
Sommer berichtete die ZEIT mehrmals über Machtmissbrauch im
Klinikalltag. Danach meldeten sich zahlreiche Leser aus der Medizin –
darunter unsere beiden
männlichen Gesprächspartner. Nun erzählen vier Mediziner über
36-Stunden-Schichten, zerbrochene Ehen und das Arbeitsklima im OP.
Die
Fragen stellten Anant Agarwala und Hanna Grabbe.
MAHLZEIT – Die Gastrokritik
Deutsch-portugiesisch,
warum nicht? Es gibt wildere Fusion-Küchen in der Stadt
(französisch-indisch im Kaalia oder polnisch-jamaikanisch im Criss).
Und übertrieben ernst nehmen Ana Gomes und Joachim Schult die
Ausrichtung ihres neues Lokals Bom Bom
im Lehmweg nicht. Es geht wohl eher darum, der einfallsarmen
Fischgrillerei im Portugiesenviertel etwas entgegenzusetzen und dabei
Schults Stärken zu nutzen, der als Sous-Chef im Sterne-Restaurant
Zeik modern regional gekocht hat.
Das
Essen kommt hier auf kleinen Tellern; doch der Aufwand dahinter ist
bemerkenswert. Schon die Pimientos kommen nicht einfach mit Salz aus
der Pfanne. Sie sind gegrillt, dann in Lorbeeressig mariniert, dann
gefüllt mit einer rauchigen Sonnenblumencrème.
Am
besten schmeckt man die Fusion beim Kabeljau mit Sauerkraut,
Röstkartoffelspänen und der Paprika-Salami-Chorizo – ein stimmiges
Gericht, bei dem nur die Leinsamenkruste um den exakt gegrillten
Fisch verwundert.
Auf
ein bisschen Übermut sollte man im Bom Bom gefasst sein – ob bei
der Margarita mit Chili und fermentiertem Maracujasaft (plus Salz,
Schaum und Tequila) oder beim absichtsvoll lauwarmen Rotkohl unter
der Entenbrust mit Biersauce.
Kann
man alles machen, wenn der Service stimmt. Ana Gomes, der auch das
Piri Piri im Schanzenviertel gehört, nimmt sich viel Zeit für ihre
Gäste und hat eine Geschichte zu jedem Gericht und jedem ihrer gut
ausgewählten portugiesischen Weine.
Das
alles übrigens nur am Abend. Tagsüber ist am selben Ort das Café
Mirel, das auch portugiesisch ist, aber mit anderen Betreibern.
Michael
Allmaier
Bom
Bom, Lehmweg
35 (Hoheluft-Ost) ·
Tel. 0174 2038145
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
In
der Galerie der Schlumper in der Marktstraße sind in regelmäßig
wechselnden Ausstellungen Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit
unterschiedlichen Behinderungen zu sehen. Noch bis zum 2.2. läuft
die Schau „Atelier
de la Tour X Die Schlumper“. Das österreichische Atelier de la Tour ist – ähnlich wie die
Schlumper – eine Ateliergemeinschaft, in der kunstschaffende
Menschen mit Behinderungen arbeiten. Präsentiert werden Objekte,
Zeichnungen und Druckgrafiken aus beiden Ateliergemeinschaften.
„Atelier
de la Tour X Die Schlumper“, bis 2.2., Galerie der Schlumper,
Marktstraße 131; Mi–Fr 16–19 Uhr, Sa 11–17 Uhr, So 14–17 Uhr
MEINE STADT
© Manuela Goy
HAMBURGER SCHNACK
Im
Neugrabener Dorf. Ein sehr alter Mann stürzt auf dem glatten Fußweg
und fällt auf den Rücken. Ich will ihm beim Aufstehen helfen, aber
er berappelt sich so. „Heff ik mi wedder den Orschknorpel verstukt.“
Er schüttelt sich und geht langsam weiter.
Erlebt
von Henrik Kruse
Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.