Alexander Zverev

Stand: 30.01.2026 11:45 Uhr

Alexander Zverev muss weiter auf seinen ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier warten. Er verlor das dramatische Halbfinale der Australian Open gegen Carlos Alcaraz in fünf Sätzen nach mehreren Wenden.

Alexander Zverev unterlag Carlos Alcaraz nach mehr als fünf Stunden in fünf Sätzen mit 4:6, 6:7, 7:6, 7:6 und 5:7.

Carlos Alcaraz mit Krämpfen

Der Weltranglisten-Dritte aus Deutschland war deutlich im Rückstand. Er hatte die ersten beiden Sätze mit 4:6 und 6:7 verloren. Im dritten Satz sah es so aus, als solle das Match am Freitag (30.01.2026) klar an seinen Kontrahenten gehen. Doch Alcaraz spürte plötzlich etwas im rechten Oberschenkel, bekam Krämpfe, nahm zum Ärger von Zverev eine Behandlungspause.

Das hochklassige, aber lange Zeit nicht spektakuläre Spiel, schien eine Wende zu nehmen. Doch Zverev gewann nur den dritten und vierten Satz im Tiebreak.

Der fünfte Satz war dann an Dramatik kaum zu überbieten. Zverev wehrte etliche Breakbälle ab, um nach fünf Stunden und 27 Minuten Spielzeit dann doch dem Gegner zum Sieg gratulieren zu müssen.

„Einfach nur müde“

„Jetzt bin ich einfach nur müde. Emotionale Fragen kann ich vielleicht in zwei oder drei Tagen beantworten“, sagte Zverev bei der Pressekonferenz. Er habe „auch nichts mehr im Tank gehabt“, daher wolle er nicht länger darüber klagen, dass er gegen einen zwischenzeitlichen angeschlagenen Gegner verloren habe.

Mehr ärgere ihn, „dass ich den zweiten Satz nicht ausserviert habe. Satzausgleich und dann die Krämpfe bei ihm, dann wäre das Match sicher anders ausgegangen.“

Halbfinale in Zahlen

Zverev

Alcaraz
17

Asse

12

4

Doppelfehler

5

72 %

1. Aufschlag im Feld

65 %

71 %

gepunktet mit 1. Aufschlag

74 %

53 %

gepunktet mit 2. Aufschlag

62 %

56

Gewinnschläge

78

55

unerzwungene Fehler

58

7/2

Breakbälle/genutzt

14/4

194

gewonnene Punkte

200

Quelle: Australian Open

Alcaraz, der im Finale am Sonntag auf Novak Djokovic oder Titelverteidiger Jannik Sinner treffen wird, gewann den fünften Satz mit 7:5.

„Ich habe einfach immer dran geglaubt“, sagte Alcaraz direkt nach dem epischen Spiel. „Das war körperlich unheimlich anstrengend.“

Sehnsucht nach dem ersten Titel bei einem Grand Slam

Es ist nun 30 Jahre her, dass ein deutscher Tennisspieler ein Grand-Slam-Turnier gewann. Boris Becker war es, der seinen insgesamt sechsten und letzten Titel bei den Major-Turnieren in Australien gewann.

Zverevs Sehnsucht, der Nachfolger zu werden, ist so groß wie sein Talent. Zum 40. Mal in seiner Karriere ist er nun im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers gewesen.

Dieses Mal war die Hoffnung mal wieder groß. Er hatte sein Spiel ein wenig angepasst, er sagte, dass er nach langer Zeit mal wieder richtig gesund sei.

Zverev gerät kurz aus dem Tritt

Im ersten Satz brachten beide Profis ihre Aufschläge längere Zeit souverän durch. Auch ein erster Breakball von Alcaraz beim Stand von 3:3 sorgte beim Deutschen für wenig Aufregung.

Früh im Spiel war Zverev mit der Besaitung seines Schlägers nicht zufrieden.

Als der Spanier dann bei 4:4 wieder Breakhancen hatte, geriet Zverev aus dem Tritt. Er haderte mit der Besaitung seines Schlägers, klagte darüber auch mehrmals gegenüber seiner Box. Der erste Satz war dann schnell weg. Alcaraz ballte zum wiederholten Mal die Faust.

Zweiter Satz geht im Tiebreak an Alcaraz

Zverev, der das Finale im vergangenen Jahr gegen Jannik Sinner verloren hatte, fing sich im zweiten Satz. Dabei half ihm enorm, dass er seinen Aufschlag zum 1:0 trotz einiger Schwierigkeiten durchbrachte. Als er dann bei 3:2 und 40:0 die ersten Breakbälle des Matches hatte, nutzte er den dritten.

Aus dem 4:2 wurde nach souveränem Aufschlagspiel ein 5:2. Aber dann zeigte der Weltranglistenerste seine Klasse. Bei höchster Konzentration unterliefen ihm kaum noch Fehler. So schaffte er das Rebreak zum 4:5.

Zwischendurch der Verzweiflung nahe: Alexander Zverev

Es ging in den Tiebreak, bei dem beide Spieler bis zum 5:5 jeweils die Punkte bei eigenem Aufschlag gewannen – bis Zverev einen relativ leichten Rückhandvolley ins Aus schlug. Alcaraz führte 6:5 und holte sich mit dem nächsten Punkt auch den zweiten Satz.

Summe aller Bedigungen spricht gegen Alexander Zverev

Die Außentemperatur in Melbourne betrug etwa 30 Grad Celsius. Das Dach der Rod-Laver-Arena war geöffnet. Alcaraz hatte in den bisherigen knapp zwei Wochen deutlich weniger auf dem Court gestanden.

Es war kaum vorstellbar, dass Zverev angesichts des 0:2-Satzrückstandes gegen einen so überragenden Tennisspieler nochmal zurückkommen könnte.

Der Weltranglisten-Dritte ging aufgrund der Summe an Bedigungen auf schnelle Punkte. Manchmal gewann er sie. Zwei großartige Schläge brachten ihm beim Stand von 3:3 bei Aufschlag Alcaraz eine 30:15-Führung ein. Ein bisschen Hoffnung keimte bei Zverez auf. Aber Alcaraz erstickte sie im Keim, unter anderem mit einem Ass.

Die erste Wende: Alcaraz plötzlich mit körperlichen Problemen

Dann aber nahm das Spiel eine Wende, die nicht absehbar war. Alcaraz spürte etwas im rechten Oberschenkel. Obwohl er sichtlich angeschlagen war, brachte er seinen Aufschlag zum 5:4 durch und beantragte ein „medical timeout“, also eine dreiminütige Behandlungspause.

„Das gibt es doch nicht“, schimpfte Zverev beim Oberschiedsrichter. Er war davon überzeugt davon, dass sein Gegner lediglich an Krämpfen leide, die eine medizinische Auszeit nicht gerechtfertigt hätten. „Das sind Krämpfe. Was soll es denn sonst sein?“, so Zverev, der sogar weitere Vorwürfe äußerte: „Ihr schützt die beiden.“ Vermutlich meinte er damit Alcaraz und den Weltranglistenzweiten Sinner.

Immer wieder Massagen bei Carlos Alcaraz

In der Pressekonferenz später wiederholte er seine Überzeugung: „Das waren Krämpfe, da darfst du kein medical timeout nehmen. Aber was soll ich machen, es ist nicht meine Entscheidung.“

Die Behandlung des Spaniers brachte jedenfalls keine sichtbar schnelle Besserung. Alcaraz spielte nahezu aus dem Stand, führte trotzdem 6:5 und 30:0. Aber Zverev behielt die Nerven und gewann den Tiebreak mit 7:3. Es war der erste Satzverlust des Weltranglisten-Ersten bei den Australian Open 2026.

Die nächste Wende: Krämpfe lösen sich allmählich wieder

Alcaraz ließ sich weiter bei jedem Seitenwechsel die Oberschenkel massieren, auch den linken. Schon das deutete daraufhin, dass es sich zumindest auch um Krämpfe gehandelt haben muss.

Weiteres Indiz: Alcaraz bewegte sich recht früh im vierten Satz wieder besser. Das Lächeln nach gelungenen Aktionen kehrte ins Gesicht zurück. Krampflösende Getränke schienen beim Spanier gewirkt zu haben.

Sieg nach epischem Match: Carlos Alcaraz

Den zweiten Tiebreak des Tages verlor er allerdings ebenfalls, wenn auch knapper.

Die letzte Wende: Carlos Alcaraz gewinnt nach 3:5-Rückstand

Der fünfte Satz begann mit einem Break für Zverev. Aber es folgten auch mehrere Breakchancen für Alcaraz, sodass die Spannung ihren Höhepunkt erreichte. Zverev packte immer wieder grandiose Schläge aus und hielt Alcaraz somit lange in Schach, bei dem keine körperlichen Beeinträchtigungen mehr zu spüren waren.

Umarmung nach fünfeinhalb Stunden

Bei 5:4-Führung passierte es dann doch: Alcaraz nahm Zverev den Aufschlag ab und gewann auch die beiden folgenden Spiele. Überwältigt sank er zu Boden.

Die beiden Kontrahenten umarmten sich nach dem dann letztlich doch äußerst spektakulären Match. Bei Alcaraz war nichts mehr von Krämpfen zu spüren, bei Alexander Zverev nichts mehr von Verärgerung über den Gegner.

Auf die Frage, ob es das anstrengendste Match seiner Karriere gewesen sei, sagte der Deutsche: „Vermutlich, ja.“