Es ist ein neuer Härtetest für die Ukraine: Nachdem Russland in den vergangenen Wochen verstärkt das ukrainische Energienetz bombardiert hat und Millionen Menschen ohne Strom und Heizung ausharren müssen, erwartet das Land in den kommenden Tagen eine extreme Kältewelle. Der ukrainische Wetterdienst sagt Temperaturen von bis zu minus 30 Grad in den Nächten voraus. Halten die Ukrainer das durch, wenn weiter Strom und Heizung ausfallen?
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Der Bürgermeister der westukrainischen Stadt Lwiw, Andrij Sadowyj, ruft seine Landsleute dazu auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Russland könne den Kälteeinbruch nutzen, um noch einmal eine schwere Angriffswelle zu starten. Geht es nach US-Präsident Donald Trump, dann verzichtet Russland wegen der extremen Kälte vorerst auf weitere Luftangriffe gegen Städte und Energieanlagen in der Ukraine.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Aber: Ob der russische Präsident Wladimir Putin dieser Bitte Trumps tatsächlich nachkommt, blieb am Freitag offen. Dabei hatte Trump selbst schon einen Erfolg verkündet: „Ich habe Präsident Putin persönlich gebeten, während dieser außergewöhnlichen Kältewelle eine Woche lang nicht auf Kiew und die Städte und Gemeinden zu feuern“, sagte Trump im Weißen Haus. „Und er hat dem zugestimmt, und ich muss Ihnen sagen, das war sehr nett“, ergänzte der Präsident.
Waffenruhe wäre Signal für nächste Runde der Friedensgespräche
Doch der Kreml legte sich am Freitag öffentlich nicht darauf fest, ob er Trumps Wunsch erfüllt. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte zwar die Anfrage Trumps. Er ließ aber offen, wie Putin reagiert hat. Offenbar liegt der Vorstoß schon einige Tage zurück: Peskow berichtete, Trump habe darum gebeten, „für eine Woche bis zum 1. Februar“ die Luftangriffe einzustellen – also bis Sonntag. Angriffe auf Kiew hatte die Ukraine tatsächlich zuletzt in der Nacht auf Samstag vergangener Woche gemeldet. Auch am Freitag blieb die Hauptstadt verschont, allerdings griff Russland mit 111 Drohnen und einer Iskander-Rakete Ziele in der Ostukraine an.

Nach einem russischen Luftangriff auf Kiew stellen Rettungskräfte Zelte auf, in denen sich Bewohner benachbarter Wohnhäuser aufwärmen und nachts schlafen können.
© Dan Bashakov/AP/dpa | Dan Bashakov
Russische Militärblogger hatten schon vor Tagen über eine begrenzte Waffenruhe spekuliert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte vor Journalisten in Kiew in Aussicht, die Ukraine werde ihrerseits Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur einstellen, sofern Russland dasselbe tue und Kraftwerke oder andere Energieanlagen nicht attackiere.
Nach Peskows Darstellung wollte Trump mit seinem Vorstoß zur Waffenruhe „günstige Bedingungen“ für die nächste Runde der Friedensgespräche in Abu Dhabi schaffen, die für Sonntag, 1. Februar, verabredet sind. Nach einem ersten Treffen hatten Unterhändler der USA, der Ukraine und Russlands vor einer Woche von „konstruktiven Gesprächen“ und einer „positiven Atmosphäre“ berichtet. Für die kommenden Verhandlungen haben Militärvertreter bereits Themen abgesprochen. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha lobte in einem Interview, in der russischen Delegation habe es eine „qualitative Veränderung“ gegeben. „Das sind andere Leute, und es gab keine pseudohistorischen Vorträge mehr. Die Gespräche waren sehr fokussiert“, sagte Sybiha.