Steffen Baumgart und der 1. FC Union Berlin stehen vor einer schweren Aufgabe in der Bundesliga – zumindest auf dem Papier. Am Sonnabend müssen die Eisernen um 15:30 Uhr bei der TSG 1899 Hoffenheim antreten. Bei dem Team, das so gut wie kein anderes in Deutschland ins neue Jahr gestartet ist. Vier Siege aus vier Spielen, elf Tore geschossen und nur zwei kassiert, in der Tabelle mittlerweile auf Platz drei: Union könnte aktuell keinen härteren Gegner bekommen, oder?
Duell gegen Union Berlin: Das müsste die TSG Hoffenheim natürlich gewinnen
Angesichts der Formstärke der TSG lässt sich das nicht widerlegen. Aus Sicht der Sinsheimer könnte das Duell mit den Köpenickern fast als Pflichtsieg verbucht werden, danach wurde Christian Ilzer zumindest auf der Spieltags-Pressekonferenz am Freitag gefragt. Dem Hoffenheim-Trainer war dieses Urteil natürlich nicht zu entlocken. „Steffen Baumgart hat seine Leidenschaft auf die Mannschaft übertragen. Union ist physisch extrem stark und Deutschlands bestes Team bei Standards. Man unterschätzt die Truppe vielleicht, wenn man nicht speziell draufschaut“, lobte er sogar.
Was Ilzer womöglich noch entgangen ist und die Fragestellerin schon gar nicht auf dem Schirm hatte: Union Berlin liebt es in dieser Saison, gegen formstarke Gegner zu spielen.
Angefangen hat es am vierten Spieltag dieser Spielzeit. Eintracht Frankfurt war furios in die Saison gestartet, schlug erst Werder Bremen mit 4:1 und dann Hoffenheim auswärts mit 3:1. In einer lange engen Partie verlor die Eintracht dann zwar gegen Bayer 04 Leverkusen, die Euphorie blieb ihr aber erhalten. Immerhin schlug sie kurz darauf noch Galatasaray Istanbul in der Champions League mit 5:1. Union Berlin? Ist einfach nur weiteres Kanonenfutter für die Frankfurter Tormaschinen, dachten viele Fans. Natürlich kam es anders. Union gewann das Spiel, vor allem dank dreier Treffer von Oliver Burke, mit 4:3.
Die unbesiegbaren Sieger
Teil zwei: Am zehnten Spieltag der laufenden Saison kam der große FC Bayern München nach Köpenick: der Rekordmeister, der amtierende deutsche Meister, jenes Team, das ohnehin schon in jedem Spiel als haushoher Favorit auftrat, das in diesem Jahr aber nochmal viel besser geworden sind als in all den Jahren, seit die Eisernen in der Bundesliga spielen.
Vincent Kompany hatte mit seinem Team jedes einzelne Spiel der Saison gewonnen. Borussia Dortmund, der FC Chelsea, selbst Paris Saint-Germain konnte diesem Gegner nicht wehtun – dann kam Union. Im Stadion An der Alten Försterei ließen sie nicht nur zum ersten Mal in dieser Saison Punkte liegen, sondern trafen erst in allerletzter Minute zum 2:2-Ausgleich.
Im Winter-Wunderland gegen Leipzig
Teil drei: Bis kurz vor Weihnachten hatte RB Leipzig nur zwei Spiele verloren. Am ersten Spieltag gegen den FC Bayern und im Laufe der Saison gegen die TSG Hoffenheim. Als erster Bayernverfolger auf Platz zwei reiste RB nach Köpenick. Gerade hatte Ole Werners Mannschaft erst den 1. FC Magdeburg aus dem Pokal geschossen und dann Eintracht Frankfurt in der Liga mit 6:0 deklassiert.
Doch wir erkennen natürlich langsam ein Muster. Eine feine Drehung von Oliver Burke und ein strammer Abschluss des Schotten brachten Union in Führung. RB glich postwendend aus, doch Ilyas Ansah und Tim Skarke sorgten natürlich noch für den 3:1-Heimsieg der Eisernen.
Pflichtsiege gegen Union gibt es nicht
Teil vier: Der VfB Stuttgart verabschiedete sich schon im Dezember mit zwei Siegen, einem Unentschieden und acht Toren aus den letzten drei Spielen des Jahres in die Winterpause. Im Januar ging es dort weiter, wo sie aufgehört hatten: Ein 4:1-Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen, gefolgt von einem 3:2-Erfolg gegen Frankfurt, stand zu Buche, bevor die Eisernen zu Besuch kamen.
Natürlich hatte auch diesmal kaum jemand mit einem Punktgewinn für den 1. FCU gerechnet. Lange sah es auch nach einem Heimsieg aus, doch in der 83. Minute erzielte Woo-yeong Jeong den Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand.
Können die TSG-Fans also am Sonnabend von einem Pflichtsieg sprechen? Wohl kaum. Stattdessen müssen Fans ihren Trainern wohl glauben, die Steffen Baumgarts Mannen vor jedem Spiel einen „unangenehmen Gegner“ nennen.