Steinhagen. Brände, Ölspuren, verschlossenen Türen – mehrere Hundert Mal rücken die Feuerwehrleute in Steinhagen, Amshausen und Brockhagen im Jahr aus. Auf mehr als 15 Stunden im Monat schätzt Wehrchef Lutz Mescher die Arbeitszeit jedes Kameraden. Zentrale Funktionen wie seine sind noch deutlich arbeitsintensiver. All das läuft bisher komplett ehrenamtlich und damit ohne finanzielle Gegenleistung. Dabei kämpft die Feuerwehr mit denselben Problemen, wie andere Ehrenämter. Es wird zunehmend schwieriger, die Sollstärke der Löschzüge zu halten. Die Aufgaben der einzelnen Mitglieder nehmen zu. Die Eintreffzeiten im Brandfall drohen sich zu verschlechtern.

Entsprechend suchen die Verantwortlichen Wege, die wichtige Aufgabe ansprechender zu machen. Nachdem viele andere Kommunen bereits ein System verwenden, um die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zu entschädigen, soll das ab diesem Jahr auch in Steinhagen der Fall sein. Wie das allerdings funktionieren kann, darüber wurde im vergangenen Jahr debattiert.

Klar ist, es kostet Geld. Wie viel das sein darf, darüber diskutierten nun die politischen Fraktionen im Rathaus. Angesichts der finanziellen Lage Steinhagens, die so schlecht ist wie noch nie, taten sich die Kommunalpolitiker schwer damit, eine Finanzierung zu genehmigen, die keine klare Obergrenze hat. In Absprache mit der Feuerwehr hatte die Steinhagener Verwaltung im vergangenen Jahr ein Punktesystem erarbeitet.

Steinhagener Feuerwehrleute sollen finanziell entschädigt werden


Steinhagens Feuerwehrchef Lutz Mescher setzt sich dafür ein, dass seine ehrenamtlichen Kollegen finanziell entschädigt werden. - © Frank Jasper

Steinhagens Feuerwehrchef Lutz Mescher setzt sich dafür ein, dass seine ehrenamtlichen Kollegen finanziell entschädigt werden.
| © Frank Jasper

Die Idee: Für jeden Einsatz bekommt ein Löschzugmitglied einen Punkt. Weitere Punkte gibt es für die Teilnahme an Seminaren, körperliches Fitnesstraining und Ähnliches. Die Punkte werden am Jahresende in Geld umgerechnet und ausgezahlt.

Einige Hundert Euro könnten so pro Kollege und Jahr zusammenkommen. Nicht viel, aber eine „symbolische Anerkennung“, wie es in der Debatte verschiedentlich genannt wurde und eine „Motivation für die Kameraden“, wie es Lasse Schiller (CDU) am Dienstagabend im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung formulierte.

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Im Rahmen der Haushaltsberatungen für das neue Jahr musste indes geklärt werden, wie das Punktesystem genau funktionieren soll und vor allem, was es kosten darf. Dabei kursierten verschiedene Zahlen. Die CDU hielt eine gedeckelte Summe von bis zu 130.000 Euro für akzeptabel, die SPD schlug angesichts der sehr knappen Kassen 70.000 Euro vor. Die Nachbarstadt Halle ist einen Schritt weiter und kalkuliert mit 90.000 Euro im Jahr.

Was kann sich das Rathaus in Steinhagen leisten?

Ein weiteres Problem: Wenn pro Einsatz eine feste Summe veranschlagt wird, könnte das Budget zum Jahresende ausgeschöpft sein. Was passiert dann? Verschiedenste Modelle wurden im Ratssaal vorgeschlagen. Schließlich wurde Steinhagens Feuerwehrchef Lutz Mescher, der die Debatte gemeinsam mit einem Dutzend Kollegen beobachtete, um seine Meinung gebeten. Der wiederholte seinen Ansatz aus dem vergangenen Jahr. „Unser Wunsch war immer ein fester Betrag pro Punkt. Bei einer Deckelung bin ich dabei“, so Mescher. Dem wollten die Fraktionen Rechnung tragen.

Um die Debatte schließlich zu einem sinnvollen Ende zu bringen, wurde die Sitzung sogar unterbrochen, sodass sich die Politiker direkt besprechen konnten. Nachdem der Antrag der CDU, 130.000 Euro einzuplanen keine Mehrheit fand, einigte man sich schließlich einstimmig auf einen Kompromiss. 80.000 Euro werden für die Aufwandsentschädigung eingeplant. Jeder Einsatz-Punkt wird mit 15 Euro kalkuliert.

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