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25 Meter hoch ist der Himmelsstürmer: Die Fahne hing am Freitagmorgen auf dem Platz vor dem Kulturbahnhof in Höhe der Skulptur. 25 Meter hoch ist der Himmelsstürmer: Die Fahne hing am Freitagmorgen auf dem Platz vor dem Kulturbahnhof in Höhe der Skulptur. © privat

Passanten wunderten sich am Freitagmorgen: Am Himmelsstürmer vor dem Kasseler Kulturbahnhof hing eine Flagge in luftiger Höhe. Die Aktion gibt einige Rätsel auf.

Kassel – Der Himmelsstürmer vor dem Kasseler Kulturbahnhof ist ein schönes Symbol dafür, dass Menschen Dinge leisten können, die andere für unmöglich halten – etwa über Nacht eine Fahne an Jonathan Borofskys documenta-Kunstwerk in luftiger Höhe anbringen, ohne dass jemand davon etwas mitbekommt. Am Freitagmorgen meldeten sich mehrere HNA-Leser und wunderten sich, weil am „Man walking to the sky“, wie das 25 Meter hohe Stahlrohr samt Skulptur aus dem Jahr 1992 eigentlich heißt, angeblich eine Deutschlandfahne wehte. Fotos schickten sie gleich mit. Wie konnte das sein?

Später stellte sich heraus, dass es gar keine schwarz-rot-goldene Flagge war, sondern eine Fahne in den Farben dunkelgrün, rot und gold/gelb, wie eine Polizeisprecherin auf Anfrage mitteilte. Es handelte sich also um eine Flagge der Region Rojava, jener kurdischen Selbstverwaltungszone im Norden Syriens, für die gerade auch in Kassel jeden Abend Demonstranten auf die Straße gehen, weil die Armee der syrischen Regierung gerade sehr hart gegen die Menschen in der Region vorgeht.

Laut der Polizeisprecherin war die Flagge gegen 8 Uhr einem Polizeibeamten aufgefallen. Der Mast der Fahne sei mit Klebeband befestigt gewesen. Seit wann sie dort hing und wie sie dort angebracht wurde, sei bislang nicht bekannt. Lang hing sie jedenfalls nicht dort. Wie ein Sprecher der Stadt erklärt, wurde sie gegen 11 Uhr von der Feuerwehr mit einer Drehleiter abgenommen.

Beim Nachdenken über die Frage, wer die Flagge dort wie gehisst hat, fällt einem nur ein anderer Himmelsstürmer ein. Der US-Freeclimber Alex Honnold kletterte gerade auf den 508 Meter hohen Wolkenkratzer Taipeh 101 in Taiwans Hauptstadt – ohne Sicherung. In Kassel wurde der Extremsportler jedoch nicht gesichtet. Außerdem ist nichts über eine Live-Übertragung der Flaggenaktion bei Netflix bekannt. Der Streamingdienst hatte Honnolds todesmutige Kletterei von Taipeh aus in die ganze Welt gesendet.

Zudem gibt es noch eine weitere offene Frage. Laut der Polizeisprecherin wird noch geprüft, ob durch das Anbringen der Flagge Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten vorliegen. Sollte das Kunstwerk durch die Entfernung des Klebebandes beschädigt worden sein, könnte es sich um eine Sachbeschädigung handeln. (Matthias Lohr)