DruckenTeilen
Der harte Winter zwingt Selenskyj zu verstärkten Deeskalationsbemühungen im Ukraine-Krieg. Das dürfte Putins Aufmerksamkeit wecken.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein bemerkenswertes Angebot unterbreitet: Er ist bereit, über die aktuelle Vereinbarung hinauszugehen, die US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgehandelt hat. Diese soll der Ukraine während der extremen Winterkälte eine einwöchige Verschnaufpause vor Angriffen auf ihr Energienetz gewähren. Der Waffenstillstand könnte damit umfassender werden als bislang geplant.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (li.) und der russische Präsident Wladimir Putin. (Montage) © Anadolu Yauhen Yerchak/IMAGO // IMAGO / ITAR-TASS
Kiew, das vor Kurzem unter schweren Stromausfällen gelitten hat, steht laut Prognosen ab Freitag vor einer extrem kalten Phase, die voraussichtlich bis in die nächste Woche andauern wird. In einigen Regionen werden die Temperaturen auf minus 30 Grad Celsius fallen, teilte der Staatliche Dienst für Notfallsituationen mit.
Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland plötzlich umfassender als geplant?
Der brutale Winter trifft nicht nur die Hauptstadt. Andere Regionen der Ukraine durchleben unter anhaltenden russischen Angriffen einen ähnlich schwierigen Winter, was für ukrainische Zivilisten bedeutet, dass sie stunden- oder sogar tagelang ohne Strom und Heizung auskommen müssen. Parallel dazu hat die Ukraine ihrerseits wiederholt Russlands lukrativen Öl- und Gassektor angegriffen, um dem Kreml jene Einnahmen zu entziehen, mit denen der Krieg finanziert wird.
Selenskyj betonte am Freitagmorgen vor Journalisten, dass es bislang keinen direkten Kontakt zwischen Russland und der Ukraine zu dieser Frage gegeben habe. Er bezeichnete die Entwicklung als eine „Möglichkeit, nicht eine Vereinbarung“ und machte deutlich, dass noch viele Unklarheiten bestehen. „Ob es funktionieren wird oder nicht und was genau funktionieren wird – das kann ich Ihnen noch nicht sagen“, sagte Selenskyj auf Ukrainisch, wie die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete. „Wir haben keinen Waffenstillstand. Wir haben keine offizielle Vereinbarung über einen Waffenstillstand, wie sie manchmal im Zuge möglicher Verhandlungen getroffen wird.“ Er fügte hinzu, die Ukraine werde sich „an eine spiegelbildliche Antwort auf solche Schritte halten“.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Fotostrecke ansehen
Das ukrainische Staatsoberhaupt sagte mit Blick auf einen möglichen erweiterten Waffenstillstand: „Wenn Russland unseren Energiesektor – die Erzeugung oder irgendeinen Teil davon – nicht angreift, dann werden wir ihren Energiesektor nicht angreifen. Ich denke, das ist die Antwort, die der Vermittler der Verhandlungen, nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika, erwartet hat“, sagte Selenskyj. Er ergänzte, die Ukraine werde alle Angriffe einstellen, wenn der Kreml dasselbe tue: „Auf jeden Fall wollen wir den Krieg beenden, und wir sind zu deeskalierenden Schritten bereit. Wenn Russland uns nicht angreift, werden wir keine entsprechenden Schritte unternehmen.“
Was bislang über den möglichen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine bekannt ist
Trump sagte am Donnerstag, Putin habe sich bereit erklärt, die ukrainische Hauptstadt und andere Städte eine Woche lang nicht ins Visier zu nehmen, während die Region unter eisigen Temperaturen leidet. Als der US-Präsident die Vereinbarung am späten Donnerstag bekanntgab, sagte er nicht, wann sein Telefonat mit Putin stattgefunden hatte oder wann das Moratorium für Angriffe auf Energieanlagen in Kraft treten würde. Aus dem Kreml gab es zunächst keine Bestätigung dafür, dass Putin sich zu diesem Schritt verpflichtet habe.
Russland hat im Verlauf des Krieges immer wieder versucht, der ukrainischen Zivilbevölkerung mit gezielten Angriffen auf das Stromnetz Wärme, Licht und fließendes Wasser zu entziehen. Dabei handelt es sich um eine Strategie, die ukrainische Offizielle als „Instrumentalisierung des Winters“ beschreiben.
Die Möglichkeit einer Pause bei Angriffen auf den Energiesektor sei bei dem Treffen am vergangenen Wochenende in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, zwischen Gesandten der Ukraine, Russlands und der Vereinigten Staaten erörtert worden, sagte Selenskyj. Ab Sonntag sollen in Abu Dhabi neue Gespräche stattfinden. Dieser Artikel enthält Berichterstattung der Associated Press. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)