1. Startseite
  2. Frankfurt

DruckenTeilen

Wohnungen in Frankfurt sind sehr begehrt. Foto: Michael Schick.Wohnungen in Frankfurt sind sehr begehrt. © Michael Schick

Die Wohnungssituation in Frankfurt bleibt trotz großer Bemühungen sehr schwierig, vor allem für Menschen, die neu etwas suchen. Die Parteien bieten in ihren Wahlprogramm sehr verschiedene Lösungen an.

Die Stadt Frankfurt unternimmt so viel wie seit Jahrzehnten nicht, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu sichern. Und sie erzielt Erfolge, von denen Zehntausende im Stadtgebiet profitieren. So schützt etwa die Verlängerung des seit 2021 geltenden Mietenstopps bei der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG immerhin 33 000 Haushalte bis 2030 vor Mieterhöhungen, die über ein Prozent im Jahr hinausgehen.

Zumindest für Menschen, die eine neue Wohnung brauchen, hat sich die Situation aber trotz aller Bemühungen noch verschärft. Genau 7513 Haushalte standen Ende 2024 auf der Warteliste des Wohnungsamts. Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt aber seit Jahren stetig. Im Jahr 1990 hatte es fast 68.000 gegeben, im Jahr 2000 mehr als 41.000, schon im Jahr 2010 nur noch 32.841. Ende des Jahres 2024 waren es 27.842. Obwohl die Stadt seit vielen Jahren versucht gegenzusteuern, etwa indem sie Investoren in neuen Baugebieten vorschreibt, zu 30 Prozent geförderte Wohnungen zu bauen, zur Hälfte solche des Förderwegs 1, die ABG zu höheren Quoten verpflichtet hat und für sehr viel Geld Belegungsbindungen verlängert, fallen jedes Jahr mehr Sozialwohnungen aus der Bindung als hinzukommen.

Jahr für Jahr fallen mehr Wohnungen aus der Bindung als hinzukommen

Zahlen für 2024 zeigen das sehr klar: 1058 Wohnungen fielen aus der Bindung. Die nur 102 neuen Sozialwohnungen, der Kauf von 256 Belegungsrechten und 509 Verlängerungen von Bindungsfristen reichten nicht aus, um den Schwund aufzuhalten; die Zahl der Sozialwohnungen sank um 191. Die Folge: Das Wohnungsamt kann nur sehr wenige Sozialwohnungen vermitteln, 2024 waren es gerade einmal 1479. Dass der Stadt seit Jahren keine Trendwende gelingt, hatte zuletzt auch mit der Baukrise zu tun. Selbst die ABG hat Projekte auf Eis gelegt, etwa viel später als geplant mit der Bebauung des Hilgenfelds begonnen. Das Projekt Günthersburghöfe, bei dem im Nordend 1500 Wohnungen, davon fast 500 Sozial- und Mittelstandswohnungen entstehen sollten, wurde politisch gekippt, die Grünen stellten sich 2021 gegen das Vorhaben.

Eine leichte Trendwende scheint aber dennoch möglich. Die Stadt ging im Sommer davon aus, dass 2025 und 2026 zusammen 600 Sozialwohnungen und 500 Wohnungen für Menschen mit mittleren Einkommen bezugsfertig wurden oder werden. Die neuen Förderbedingungen mit höheren Zuschüssen, höheren Sozialmieten und der Option, für mehr Fördergeld längere Bindungsfristen einzugehen, könnten in den kommenden Jahren Wirkung zeigen.

Mieten auf freiem Wohnungsmarkt sehr hoch – manche nutzen die Not aus

Dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt aufhellt, ist weniger wahrscheinlich. Eine frei finanzierte Wohnung bei der ABG, der Nassauischen Heimstätte, der GWH oder den Genossenschaften zu ergattern, ist nicht einfach. Und was auf den gängigen Portalen inseriert wird, ist im Schnitt sehr teuer. Bestandswohnungen in Frankfurt wurden nach Zahlen von Immoscout24 zuletzt für 14,86, Neubauten für 18,84 Euro pro Quadratmeter angeboten. Nicht wenige scheinen die Wohnungsnot auszunutzen. Die Stadt stieß von Januar bis März 2025 in den gängigen Portalen auf 2679 Inserate, bei denen die Mieten offenbar mindestens zehn Prozent über der Vergleichsmiete lagen, also gegen die Mietpreisbremse verstießen. In 631 Fällen lagen die Mieten sogar mindestens 50 Prozent über diesem Wert, das spricht für „Mietwucher“.

Menschen, die schon Jahre in ihrer Wohnung leben, zahlen meist deutlich günstigere Mieten, als die, die inseriert werden. Trotzdem haben viele Probleme, sich die Wohnung zu leisten, leben auf zu engem Raum, sparen an allem was geht und kommen trotzdem kaum über die Runden. Manche haben Angst, aus ihrem Viertel, ja sogar aus der Stadt gedrängt zu werden. Dass die Landesregierung den Vorbehalt für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen nicht verlängert hat, macht die Lage nicht einfacher. Denn diese Umwandlung und der dann folgende einzelne Verkauf der Wohnungen gelten als ein Hauptmechanismus zur Verdrängung von Mietern.

Nachfrage nach Wohnraum in Frankfurt wird nicht sinken

Die Situation zu verbessern, ist nicht leicht. Frankfurt ist seit 2016 um etwa 50.000 Menschen gewachsen und wird nach allen Prognosen, auch weil die Stadt bisher vergleichsweise gut durch die Krise kommt, in wenigen Jahren die Einwohnermarke von 800 000 überspringen. Die Nachfrage bleibt also sehr hoch. Sie zu decken, wird sehr schwierig. Entscheidend wird sein, was entsteht: zu welchem Anteil etwa dauerhaft günstige Mietwohnungen hinzukommen. Auch wird die Stadt Lösungen finden müssen, damit jetzt noch bezahlbarer Wohnraum das auch bleibt.

Die Positionen von Parteien zum Wohnen:

Grüne: Klimagerecht bauen

Der Stadtteil der Quartiere an der A5 soll so klimagerecht wie möglich werden. Allgemein sollen Neubaugebiete vorbildlich ökologisch geplant werden.

Neue Wohngebiete sollen etwa an der U2 bei Bonames und der S6 bei Berkersheim entstehen. Die Nachverdichtung der Platensiedlung soll im südlichen Teil weitergehen. Für die versiegelten Flächen in Bereich „Grüne Lunge“ soll ein neuer Entwurf erarbeitet werden.

Der Baulandbeschluss soll zumindest perspektivisch verschärft werden. Dann soll zur Hälfte sozialer Wohnungsbau entstehen müssen.

Die ABG soll nach den Prinzipien der Gemeinnützigkeit ausgerichtet werden. Für die Nassauische Heimstätte soll ein Mietenstopp wie bei der ABG gelten.

CDU: Baulandbeschluss aussetzen

Die Stadt soll ein Wohngeld für Menschen mit mittleren Einkommen einführen – und auch grundsätzlich stärker auf Subjektförderung, also Mietzuschüsse, statt auf den Bau von Sozialwohnungen setzen.

Den Baulandbeschluss, der etwa Quoten für sozialen Wohnungsbau festschreibt, will die CDU aussetzen. Am Mietpreisstopp bei der ABG hält sie dagegen fest.

Den Bau der Günthersburghöfe will die CDU ermöglichen. Die Pläne für den „Stadtteil der Quartiere“ würde sie reduzieren. Als neues Gebiet bringt sie etwa ein Areal zwischen Europaturm und Markuskrankenhaus ins Spiel.

Auch Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser sollten nach Vorstellungen der CDU wieder in neuen Baugebieten entstehen können.

SPD: Baukosten stark senken

Den städtischen Baulandbeschluss will die SPD verschärfen. Statt zu 30 Prozent sollen zu 50 Prozent Sozial- und Mittelstandswohnungen in neuen Baugebieten entstehen müssen.

Ein Mietenstopp, der Anstiege wie bei der städtischen ABG auf ein Prozent im Jahr begrenzt, soll auch bei der Nassauischen Heimstätte gelten. Die ABG soll die Mieten für Haushalte, die Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben, senken.

Ein „Frankfurt-Standard“ soll die Baukosten um bis zu 2000 Euro pro Quadratmeter senken und günstigere Mieten im Neubau ermöglichen.

Für 500 Millionen Euro im Jahr soll die Stadt Flächen und Gebäude kaufen. Eine Grundsteuer für unbebaute Grundstücke soll Spekulation bekämpfen.

Linke: 1000 Sozialwohnungen bauen

Mindestens 1000 neue Sozialwohnungen im Jahr sollen entstehen und das mit dauerhafter Bindung.

Der Mietenstopp bei der ABG soll für alle Wohnungen der Wohnungsgesellschaft gelten. Die ABG soll die Mieten für alle Haushalte mit Wohnberechtigungsschein senken.

Die „Grüne Lunge“ im Nordend soll dauerhaft gesichert werden. Statt der Günthersburghöfe will die Linke ausschließlich sozialen Wohnungsbau auf den versiegelten Randflächen.

Neue Quartiere sollen nur entstehen, wenn diese klimaresilient, gut an den ÖPNV angebunden und barrierefrei werden sowie bezahlbaren Wohnraum bieten. Im „Stadtteil der Quartiere“ soll nur geförderter und gemeinschaftlicher Wohnraum entstehen.

FDP: Wohneigentum fördern

Die Milieuschutzsatzungen, der städtische Baulandbeschluss und andere Regelungen sollen gestrichen werden, wenn sie den Wohnungsbau verteuern oder verhindern.

Statt den Bau von Sozialwohnungen zu fördern, soll die Stadt eine Ergänzung zum Wohngeld zahlen. Das sei günstiger, unbürokratischer und vermeide Fehlanreize, findet die FDP:

Neue Wohnbaugebiete sollen auch auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen. Das Aus für die Günthersburghöfe im Nordend soll korrigiert werden.

Die Bildung von Wohneigentum soll von der Stadt gefördert werden, die ABG die Möglichkeit haben, Bestände aus kleineren Mehrfamilienhäusern oder Reihenhäuser zu verkaufen, möglichst an die Mieter:innen..

Volt: Büroflächen umwandeln

Die Pläne für den Stadtteil der Quartiere an der A5 will die Partei vorantreiben. Sie wirbt zudem für eine „soziale und klimaangepasste“ Bebauung der Günthersburghöfe.

Wohnraum soll nach Vorstellungen von Volt zudem durch die Umwandlung von Büroflächen, Aufstockung und Dachausbau entstehen.

Wohnungstausch sieht Volt ebenfalls als Baustein für eine bessere Wohnungsversorgung. Die Partei wirbt für ein kommunales Umzugskettenmanagement und eine Prämie, die Menschen belohnt, die von größeren in kleinere Wohnungen ziehen.

Die Milieuschutzsatzungen sollten nach Ansicht von Volt so überarbeitet werden, dass sie energetische Sanierungen und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums nicht verhindern.

Wahlprüfsteine

Die FR analysiert in den Wochen vor der Kommunalwahl die Situation in wichtigen Themenbereichen der Stadtpolitik und präsentiert Lösungsansätze von sechs Parteien.

Zum Auftakt dieser Wahlprüfsteine geht es um die Wohnungsfrage. Es folgen die Themen Klima, Sicherheit, Mobilität, Soziales und Bildung. Alle Texte werden unter fr.de/kommunalwahl zu finden sein.