International bekannt wurde Philipp Blom 2009 mit seinem Buch „Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914“, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Seitdem hat sich der Historiker und Schriftsteller mit weiteren viel besprochenen Werken wie „Was auf dem Spiel steht“ (2017) und „Aufklärung in Zeiten der Verdunkelung“ (2023) profiliert – als Autor, der „die Gegenwart aus der Tiefe ihrer historischen Voraussetzungen heraus kritisch durchdringt“. Dafür wird der 56-jährige Publizist nun mit dem Lessing-Preis für Kritik gewürdigt.
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Das gibt die Wolfenbütteler Lessing-Akademie bekannt. Der Verein vergibt die Auszeichnung seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre gemeinsam mit der Braunschweigischen Stiftung und der Stadt Wolfenbüttel. Sie ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. 5000 Euro gehen an die diesjährige Förderpreisträgerin, die niederländische Künstlerin Noa Jansma.
Warum Philipp Blom in der Tradition Lessing steht
Philipp Blom sei auch deshalb ein Geistesverwandter Lessings, „weil er in bester aufklärerischer Tradition Stellung bezieht und sich in die Kämpfe der Gegenwart einmischt“, hebt Prof. Cord-Friedrich Berghahn als Jury-Mitglied und Präsident der Lessing-Akademie hervor. Bloms Analysen zeichneten sich „durch eine seltene Verbindung von gründlicher historischer Forschung, philosophischer Reflexion und klarer, zugänglicher Sprache aus“. Den letzten Aspekt unterstreicht auch der Wolfenbütteler Erste Stadtrat Thorsten Drahn und pointiert: „Säße Lessing in der Jury, er hätte für Philipp Blom gestimmt.“
Der gebürtige Hamburger studierte in Wien, Oxford und London Philosophie, Geschichte und Politikwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über Friedrich Nietzsche. Neben Sachbüchern und Essays schreibt er auch Romane („Diebe des Lichts“), betreibt den Podcast „Blomcast“ über Wendepunkte der Geschichte und tritt regelmäßig im Radio, Fernsehen und mit Vorträgen im In- und Ausland auf. Im vergangenen August sprach der Wahl-Wiener auf Einladung der Lessing-Akademie im Rittergut Lucklum über „Aufklärung im Wandel“. In einem Interview mit unserer Zeitung übte er unter anderem Kritik am „Versagen der Eliten“: „Sie leben luxuriös und haben zugleich einen großen Teil der Bevölkerung wirtschaftlich, aber auch kognitiv abgehängt.“
Lessing-Förderpreisträgerin Noa Jansma sorgte schon als 20-Jährige für Aufsehen
Die Förderpreisträgerin des Jahres 2026 wählte Blom gemäß den Bestimmungen des Lessing-Preises für Kritik selbst aus: die niederländische Künstlerin Noa Jansma. Die 27-Jährige sorgte als 20-Jährige für Aufsehen, als sie einen Monat lang jeden Mann fotografierte, der ihr auf der Straße hinterrief, und die Fotos auf dem Instagram-Account „dearcatcallers“ veröffentlichte. Viel beachtet wurde auch ihr Projekt „Buycloud“, auf das auch Philipp Blom in seinem Buch „Die Unterwerfung“ (2022) hinweist: Mit einem virtuellen Kataster simulierte die Künstlerin einen Markt, in dem Wolken geschürft, bepreist und spekulativ gehandelt werden.

Die niederländische Künstlerin Noa Jansma ist 2026 Förderpreisträgerin des Wolfenbütteler Lessing-Preises für Kritik.
© Lessing-Akademie
Die Preise werden Jansma und Blom am 10. Mai im Wolfenbütteler Lessingtheater verliehen. Der Jury gehörten in diesem Jahr neben Prof. Berghahn der Wolfenbütteler Bibliotheksdirektor Peter Burschel, die Direktorin der Bundesakademie für kulturelle Bildung Vanessa Reinwand-Weiss, der Gründer des Recherche-Netzwerks Correctiv David Schraven, die Baseler Literaturwissenschaftlerin Carolin Amlinger und Kerstin Loehr, Chefredakteurin dieser Zeitung, an. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählten u.a. Georg Seeßlen, Vanessa Vu, Ines Geipel und Peter Sloterdijk.
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