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Ruth Westheimer, hier auf der Frankfurter Buchmesse 2009, starb im Juli 2024 im Alter von 96 Jahren. © Michael Schick
Der Ortsbeirat 3 will bekannte Sexualtherapeutin und Soziologin würdigen. Für Ihre deportierte Familie sollen im Nordend Stolpersteine verlegt werden.
Die 2024 gestorbene Sexualtherapeutin und Soziologin Ruth Westheimer soll geehrt werden. Dafür hat sich der Ortsbeirat 3 mit einem Antrag der CDU einstimmig ausgesprochen. Wie genau die Deutsch-US-Amerikanerin gewürdigt wird, ist offen. Dafür soll Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) Kontakt zum Kulturamt aufnehmen, um in geeigneter Weise auf die berühmte in Frankfurt geborene Therapeutin hinzuweisen.
Denkbar ist laut Antragstellerin Claudia Ehrhardt eine Plakette am Haus in der Brahmsstraße 8. Dort verbrachte Westheimer, die in Wiesenfeld bei Würzburg geboren wurde, ihre Jugend. Als Tochter jüdisch-orthodoxer Eltern wurde sie 1938 im Alter von zehn Jahren von dort aus mit einem Kindertransport in die Schweiz geschickt und überlebte so. Dabei soll auch der Hauseigentümer gehört werden.
Auch die Benennung eines Platzes im Nordend könne sie sich vorstellen, sagt Ehrhardt. Wo genau und ob dies überhaupt möglich sei, sei offen, da Westheimer noch keine drei Jahre lang tot ist, was Voraussetzung für Namensgeber:innen ist. Sie starb im Sommer 2024 in New York im Alter von 96 Jahren.
Das Stadtteilgremium will zusätzlich aus seinem Budget die Verlegung von Stolpersteinen für die Familie von Ruth Westheimer bezahlen. Die Familie wohnte bis zu ihrer Deportation ins Ghetto Litzmannstadt in Polen durch die Nationalsozialisten im Oktober 1941 in der Brahmsstraße 8 im Frankfurter Nordend.
Für Ruth Westheimer, die sich bis zuletzt ihren Frankfurter Akzent bewahrte, komme diese Ehrung nicht infrage, sagt Ehrhardt. Noch zu Lebzeiten hat sie sich 2010 in einem Interview gegen Stolpersteine ausgesprochen. „Es macht keinen Sinn, dass auf den Namen wieder und wieder herumgetreten wird“, wird sie darin zitiert.
Der Antrag der CDU ist nicht neu. Bereits kurz nach dem Tod Westheimers hatte Ehrhardt die Vorlage eingebracht. Sie sei indes zurückgestellt worden, da sie versucht habe, Kontakt zu Hinterbliebenen aufzunehmen, etwa über die Universität, an der Westheimer gelehrt hatte. Vor deren Geburtshaus in Wiesenfeld bei Würzburg gibt es bereits vier Stolpersteine.