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Die russische Wirtschaft ist ins Stocken geraten. Das zeigen neue Zahlen. Eine Verbesserung dieser Situation ist vorerst nicht in Sicht.
Moskau – Russlands Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. So wird aufgrund niedriger Preise mit Einnahmeausfällen im Öl- und Gassektor gerechnet. Russische Banker schlugen wegen einer wachsenden Zahl notleidender Kredite, die im Bankensystem versteckt sind, Alarm. Wirtschaftsbosse wiederum kritisieren die zunehmende Zahl willkürlicher Enteignungen von Unternehmensvermögen durch russische Gerichte.
Weniger Unternehmensgründungen ist Russland – der niedrigste Wert seit 14 Jahren
Eine weitere Zahl zeigt, dass die russische Wirtschaft ins Stocken geraten ist. Laut einem Bericht der Exilzeitung Moscow Times, die sich dabei auf die Zeitung Iswestija beruft, wurden im vergangenen Jahr nur 173.000 Unternehmen neu gegründet. Das entspricht einem Rückgang von 20 Prozent gegenüber 2024 und ist der niedrigste Wert seit 14 Jahren.
Wie in der Hauptstadt Moskau herrschen auch in der russischen Wirtschaft eisige Zeiten. (Symbolbild) © Ulf Mauder/dpa
Iswestija beruft sich dabei wiederum auf Daten von FinExpertiza, einem international tätigen Netzwerk unabhängiger Firmen für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Diese Zahl wird durch einen Bericht der Uzbekistan Newsline bestätigt, der auf Daten des russischen Federal Taxation Service (FNS) basiert.
Weniger Unternehmensgründungen ist Russland: Entwicklung soll in diesem Jahr anhalten
Sergei Katyrin, Präsident der Industrie- und Handelskammer (CCI), führt die zurückgehende Zahl der Unternehmensgründungen auf steigende Kosten, teure Kredite und strengere Finanz- und Steuervorschriften zurück. Katyrin geht davon aus, dass sich diese Entwicklung im laufenden Jahr fortsetzen wird.
Ein weiteres Problem ist die wachsende Zahl von Zahlungsausfällen. Laut dem Wirtschaftsverband Delovaya Rossiya sind vor allem Firmen betroffen, die öffentliche Aufträge erhalten, sowie solche, die mit großen Konzernen zusammenarbeiten. Das russische Analyse- und Beratungsunternehmen VMT Consult führt die Probleme zudem auf den Fachkräftemangel in Verbindung mit dem demografischen Wandel zurück.
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Gleichzeitig soll die Zahl der liquidierten Unternehmen von 2024 auf 2025 um 15 Prozent auf 233.000 gestiegen sein. Laut FinExpertiza wurden 88 Prozent dieser Unternehmen auf Beschluss der Steuerbehörden aus dem offiziellen Register gelöscht. 110.000 davon waren offenbar Scheinfirmen. Der Rest war inaktiv, das heißt, es wurden keine Berichte eingereicht oder es gab keine Kontobewegungen, oder die Liquidation wurde von den Eigentümern selbst eingeleitet. Die übrigen zwölf Prozent der Unternehmen wurden geschlossen, da die Mittel für ein vollständiges Insolvenzverfahren nicht ausreichten.
Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Zahl der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Russland Anfang 2026 mit 6,835 Millionen einen neuen Rekordwert erreicht hat. Dies berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Zahlen des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung.
(Quellen: Moscow Times, Uzbekistan Newsline, Interfax)