Standdatum: 31. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Felix Krömer und
Alexander Schnackenburg

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) schließt weitere personelle Konsequenzen nach fehlerhaften Brustkrebs-Befunden am Klinikum Bremen-Mitte derzeit aus.

Bild: Radio Bremen

Die Brustkrebs-Fehlbefunde in Bremen-Mitte haben die Geno in Verruf gebracht. Auch Bremens Gesundheitssenatorin steht unter Druck. Trotzdem gibt sich Claudia Bernhard gelassen.

Eine Krebsdiagnose zieht denjenigen, die sie bekommen, in der Regel den Boden unter den Füßen weg. Nicht selten beginnt danach ein Kampf um Leben und Tod. Umso wichtiger ist es dann, sich bei Ärztinnen und Ärzten in guten Händen zu wissen.

Bei der Geno, also der Gesundheit Nord, dem städtischen Klinikverbund, war das zuletzt nicht so. Denn Fehlbefunde der Pathologie des Klinikums Bremen Mitte haben dazu geführt, dass Brustkrebspatientinnen falsche Therapien bekommen haben, unnötige, sehr belastende Therapien. Wie konnte das passieren? Und wer trägt die Verantwortung?

Während einige die Alleinschuld bei einer einzelnen Ärztin sehen, vermuten andere strukturelle Ursachen und zählen die Geschäftsführung der Geno ebenso mit an wie die Gesundheitssenatorin, die gleichzeitig auch die Aufsichtsratsvorsitzende der Geno ist. Und deshalb geht die übergeordnete Frage, „welche Verantwortung tragen Sie im Brustkrebs-Skandal“ heute an Claudia Bernhard (Die Linke).

1 Wie kann die Geno Vertrauen zurückgewinnen?

Viele Frauen haben das Vertrauen in die Geno verloren, wollen sich insbesondere nicht mehr im Klinikum Bremen-Mitte behandeln lassen. Sie haben Angst davor. Claudia Bernhard äußert Verständnis dafür. Gerade, weil eine Brustkrebs-Diagnose „eine sehr sensible Angelegenheit“ sei. Die Fehlbefundungen bezeichnet sie daher als „bitter“.

Gleichwohl betont sie, dass sie sich auch weiter bei der Geno behandeln lassen würde und verspricht Aufklärung. Wie die aussehen soll, erklärt sie ab Minute 3.23.

2 Zweifelhafte Fehlerkultur an deutschen Krankenhäusern

Für den Klinikverbund Geno ist der Brustkrebs-Skandal nicht der erste Skandal der vergangenen Jahre. Umso schwerer könnte es für die Geno werden, sich wieder ein annehmbares Image zu erarbeiten.

Dabei spiegele sich bei der Geno ein Problem wider, das letztlich alle deutschen Krankenhäuser und ihren Umgang mit Fehlern betreffe, sagt Bernhard.

Bundesweit komme es jedes Jahr zu Tausenden Fehldiagnosen. Es gelte, Mechanismen zu finden, die dem vorbeugten, statt immer nur nach einzelnen Schuldigen zu suchen. Das führe nur dazu, dass Fehler vertuscht würden statt gemeinsam zu überlegen, wie man es besser machen kann. Im Detail erklärt Bernhard ihre These ab Minute 6.20 und ab Minute 33.10.

Ich halte nichts davon, zu sagen: Hauptsache, es rollt ein Kopf. Die Fehlerkulturen in Krankenhäusern sind nicht gut aufgestellt.

Claudia Bernhard

3 Was hätte Claudia Bernhard wissen müssen?

Kritiker sagen, dass die Fehlbefunde einer Pathologin, von der 34 Patientinnen betroffen waren, durch das Vier-Augen-Prinzip hätten verhindert werden können, dann also, wenn eine zweite Ärztin oder ein zweiter Arzt dieselben Proben untersucht hätte.

Claudia Bernhard betont, dass die Geno zwar nun, nach dem Skandal, dieses Vier-Augen-Prinzip befolgt. Allerdings sei dies keinesfalls „State of the Art“. Sie räumt zudem ein, dass sie sich vor dem Skandal nicht genauer mit der Befundungspraxis in der Pathologie befasst habe, sagt aber auch, dass das nicht ihre Aufgabe sei.

Als Aufsichtsratsvorsitzende müsse sie sich die betriebswirtschaftlichen Bedingungen genau ansehen und über die Funktionsfähigkeit des Unternehmens wachen. Das notwendige medizinische Fachwissen, um über die einzelnen Stationen zu wachen, könne man vom Aufsichtsrat nicht erwarten. Mehr dazu ab Minute 17.35.

4 Bernhard weist Verantwortung für Skandal zurück

Bernhards politische Gegner wollen die Gesundheitssenatorin nicht aus der Verantwortung für den Brustkrebs-Skandal entlassen. Sie machen sie mitverantwortlich dafür, dass das Fachpersonal der Pathologie überlastet sei – was zu den Fehlern beigetragen habe.

Bernhard jedoch weist die Verantwortung für den Skandal zurück. Entsprechend werde sie auch nicht zurücktreten. Sie sehe ihre Verantwortung viel mehr darin, für eine konstruktive Aufarbeitung zu sorgen. Bernhards genaue Argumentation kann man ab Minute 28.38 verfolgen.

5 Ist das Schicksal des Klinikums Links der Weser besiegelt?

Ja, sagt Claudia Bernhard. Zum einen aus ökonomischen Gründen. Zum anderen, um der Krankenhausreform Genüge zu tun: „Wir brauchen diese Zusammenlegung der Krankenhäuser“, sagt sie. Mehr dazu sowie zur Zukunft der Geno erklärt Bernhard ab Minute 49.

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, „Welche Verantwortung tragen SIe im Brustkrebs-Skandal, Frau Bernhard?“, 31. Januar 2026, 6 Uhr