Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben mit deutlichen Worten die Forderungen von Verdi im aktuellen Tarifstreit zurückgewiesen. Diese seien „in dieser Größenordnung nicht finanzierbar und sprengen sowohl den Rahmen einer Manteltarifrunde als auch jegliche finanzielle Möglichkeiten des Unternehmens“, teilte die BVG im Nachgang an die zweite Gesprächsrunde am Donnerstag mit. Schon nach dem ersten Treffen Mitte Januar hatte das Verkehrsunternehmen mit Überraschung darauf reagiert, dass die Gewerkschaft noch einmal neue Forderungen gestellt hatte, die über die Punkte hinausgingen, die Ende 2025 vorgelegt worden waren.
Laut BVG liegen inzwischen 17 Forderungen von Verdi auf dem Tisch, darunter 33 Tage Urlaub für alle, eine Erhöhung des Urlaubsgelds um 500 Euro und eine Verringerung der maximalen Schichtlänge auf zwölf Stunden. Außerdem eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für alle Mitarbeitenden bereits zum Januar 2027. In Summe würden sich der BVG zufolge daraus gut 150 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr zusätzlich ergeben. Der Personalbedarf wachse demnach um 1330 Stellen. Zur Einordnung: Der Tarifabschluss im vergangenen Jahr führte zu Mehrkosten von 140 Millionen Euro pro Jahr. Die aktuellen Forderungen würden diesen Wert laut BVG also noch einmal übersteigen.
Statt 35-Stunden-Woche: BVG will mehr Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen
Die BVG-Verhandlungsführerin und Vorständin für Betrieb und Personal, Jenny Zeller-Grothe, sagte, dass das Unternehmen bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden erreichen wolle, betonte aber zugleich, beide Seiten müssten „die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens im Blick behalten und verantwortungsvoll mit den Mitteln eines Landesunternehmens umgehen“. Verdi sei erneut aufgefordert worden, die Forderungen zu priorisieren, „damit gemeinsam ein realistischer Verhandlungskorridor für die laufende Tarifrunde gesetzt werden kann“, so das Unternehmen. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die BVG ein erstes Angebot vorlegen kann.
Die Arbeitszeit bei der BVG wurde für die Beschäftigten bereits in den vergangenen Jahren reduziert. Mitarbeiter, die vor 2005 eingestellt wurden, haben aktuell eine 36,5-Stunden-Woche. Alle, die danach angefangen haben, arbeiten seit der Absenkung regulär 37,5 Stunden. Statt die Wochenarbeitszeit für alle auf 35 Stunden abzusenken, spricht sich die BVG für eine Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen aus.
BVG appelliert an Verdi, auf eine Eskalation zu verzichten
Verdi war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar – die BVG appellierte aber bereits an den Verhandlungspartner, „auf die obligatorischen Drohgebärden und Eskalationen zu verzichten“. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf das aktuelle Wetter und die damit verbundenen Herausforderungen für Mitarbeiter und Fahrgäste. Noch immer sind in der Stadt nicht alle Oberleitungen im Straßenbahnnetz enteist und damit nicht alle Linien im gewohnten Einsatz. Das Verhandlungsteam der BVG stehe „jederzeit bereit“, um zu Lösungen am Verhandlungstisch zu kommen, hieß es weiter.
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Tarifverhandlungen finden aktuell nicht nur bei der BVG statt. Die Gewerkschaft Verdi verhandelt bundesweit für Beschäftigte in knapp 150 kommunalen Nahverkehrsunternehmen in ebenso vielen Städten und Landkreisen sowie in den drei Stadtstaaten. Das nächste Treffen von BVG und Verdi in Berlin ist für den 18. Februar angesetzt.