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Die BImA plant im Norden Münchens bezahlbare Wohnungen. Der Bezirksausschuss-Chef kritisiert den Siegerentwurf jedoch als „suboptimal“. Was ihn stört.
München – Ein kleiner Quartiersplatz mit Markt, Cafes und Geschäften als lebendiger Mittelpunkt, ein durchgehender Grünzug mit vielen großen Bäumen und ein Parkhaus mit Sportplatz auf dem Dach – so stellen sich die Architekten von bogevischs aus München und Landschaftsplaner von grabner huber lipp aus Freising die neue Siedlung an der Ecke Neuherberg-/Rockefellerstraße vor. Die beiden Büros gingen gemeinsam als Sieger aus dem Architekturwettbewerb zur Neugestaltung und Verdichtung des Quartiers hervor.
So sollen die neuen Gebäude in Milbertshofen aussehen. © bogevischs/Hadaimages GbRHunderte bezahlbare Wohnungen im Norden Münchens geplant – Siegerentwurf vorgestellt
Ihre Entwürfe sowie die der Zweit- und Drittplatzierten wurden im Kulturhaus Milbertshofen der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf der rund 19 Hektar großen Fläche zwischen Panzerwiese und Ernst-von-Bergmann-Kaserne soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. 650 Wohnungen plant die Bundesanstalt für Immobililienaufgaben (BImA) in Milbertshofen zu bauen und vorrangig an Bundesbedienstete günstig zu vermieten – für rund zwölf Euro pro Quadratmeter.
Damit die Siedlung möglichst schnell gebaut werden kann, setzt die BImA auf modulares und serielles Bauen. Nur vier verschiedene Häusertypen sind geplant, das spart Kosten und Zeit. Nach den Worten von Doris Schönberger-Rau, Referentin für Wohnraumentwicklung bei der BIMA, könnte bereits im kommenden Jahr Baubeginn für den ersten Bauabschnitt sein.
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Michael Bacherl, Leiter der Münchner Stadtplanung und Jury-Mitglied, sagte, man wolle hier den neuen Bauturbo der Bundesregierung anwenden. Er lobte den Siegerentwurf als maßvolle Ergänzung des bestehenden Gebietes, er zeige eine große Wertschätzung für den Bestand, der Charakter der ehemaligen amerikanischen Siedlung bleibe erhalten, auf die alteingesessen Bewohner werde Rücksicht genommen. Auch die allermeisten Bäume würden stehen bleiben. Ebenso habe die geplante Ressourcen schonenden Bauweise die Jury überzeugt. So sollen teilweise bestehende Fundamente und Keller erhalten und wiederverwendet werden.
Kritik an Siegerentwurf: BA-Chef hätte sich deutlich mehr Wohnungen gewünscht
Fredy Hummel-Haslauer (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses Milbertshofen-Am Hart, gehörte der Jury an. Er findet den Entwurf „suboptimal“ und hätte sich deutlich mehr Wohnungen gewünscht. Bei ihm gehe „Bau vor Baum“, so der Viertelchef.
Die Sieger des Architekturwettbewerbes stossen mit den Auftraggebern von der BIMA auf ihren Erfolg an (v.l.): Lea Schön, Eduarda Poubel Sarah Shah (bogevischs), Sarah Sojka, Jürgen Huber (graber huber lipp), Rainer Hofmann (bogevischs), Doris Schönberger-Rau und Ilona Stangler (BImA). © Daniela Fürst
Die BImA hatte in ihrer Ausschreibung 50 000 bis 100 000 Quadratmeter Wohnfläche gefordert. Die 650 Wohnungen liegen nur wenig über der unteren Grenze. „Da wäre mehr möglich gewesen“, findet Hummel-Haslauer. Die Argumentation gegen mehr Wohnungen aus Rücksicht auf die jetzige Anwohnerschaft könne er nicht nachvollziehen. Die Bewohner, die seit 30 Jahren hier wohnen, würden ja nicht vertrieben, sondern ihr Umfeld ändere sich – und zwar zum Guten.
Zwei geplante Wohnhäuser überzeugen Viertelchef nicht
Außerdem hätte er sich noch mehr Parkplätze gewünscht. Die zwei geplanten Parkhäuser überzeugen Hummel-Haslauer nicht. „Die Leute wollen möglichst nah an der eigenen Haustür parken und nicht weite Strecken zu Fuß zurücklegen“. Erfahrungsgemäß würden solche Parkhäuser nicht besonders gut angenommen, das könne man am Beispiel der Ramersdorfer Siedlung an der Bad Schachener Straße / Ecke Innsbrucker Ring sehen. Dort sei das Parkhaus nicht mal zur Hälfte belegt.