Wie war das Leben an Bord der Titanic? Worüber tuschelte die High Society, wie klang die Musik in den Salons – und was stand am Tag des Untergangs auf der Speisekarte? Antworten auf diese Fragen liefert bis zum 12. April die Ausstellung „Die Legende der Titanic“ in der Raumfabrik Frankfurt.
Im Mittelpunkt der Schau steht ein immersiver Virtual-Reality-Rundgang. Mit einer VR-Brille ausgestattet, begeben sich die Besucher auf eine Reise, die mit einem Tauchgang in einem U-Boot zum Wrack des legendären Ozeandampfers beginnt. Virtuell dort angekommen, geht es mehr als hundert Jahre zurück in die Vergangenheit, und die Besucher können die Titanic in rekonstruierter Pracht erkunden.
Der Rundgang führt durch verschiedene Teile des Schiffs – vom Restaurant über die Kabinen und den Maschinenraum bis hinaus aufs Deck. Dadurch erhalten Besucher Einblicke, die den Passagieren der Titanic verwehrt blieben: Die Tour zeigt alle drei Klassen, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten sowie Arbeitsräume an Bord. Auf der echten Titanic waren diese Welten voneinander getrennt. Reisende der ersten Klasse, die nach heutigem Wert bis zu 40.000 Euro für ein Ticket zahlten, sollten möglichst nicht mit Passagieren der dritten Klasse zusammentreffen, deren Fahrkarten umgerechnet zwischen 400 und 700 Euro kosteten.
Von außen unspektakulär: Mit VR-Brillen kann die Titanic virtuell erkundet werden.Morris Mac Matzen
Und wer schon immer einmal live beim Untergang der Titanic dabei sein wollte, bekommt in einer zweiten VR-Experience dazu Gelegenheit. Sitzend in der Installation lauschen die Besucher der Bordkapelle, die Berichten zufolge bis zum letzten Moment weiterspielte. Während ringsum die Wassermassen tosen und das Schiff sinkt, erklingt noch immer die Musik. Anders als die Passagiere des Schiffs können die Besucher dem Schreckensszenario jederzeit entfliehen.
Sowohl der Rundgang als auch die weiteren Stationen seien so historisch akkurat wie möglich gestaltet, sagt Produzent Jelle de Jong. An der Konzeption waren Fachleute beteiligt, kuratiert wird die Ausstellung von Juan Cruz Ercoreca. Der private Sammler beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit der Titanic und besitzt unter anderem Objekte aus dem Schwesterschiff Olympic sowie aus dem Film mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, von denen viele in Frankfurt zu sehen sind.
Ganz ohne Vereinfachungen komme eine solche Schau jedoch nicht aus, gibt de Jong zu. Ziel sei es, Information und Unterhaltung miteinander zu verbinden und ein Angebot für Kinder ebenso wie für geschichtsinteressierte Erwachsene zu schaffen. „Die richtige Balance zu finden, ist nicht immer einfach.“
Die Titanic-Ausstellung war schon an mehreren Orten zu sehen und wird jeweils an Stadt und Ausstellungsraum angepasst. In Frankfurt liegt der Fokus auf den deutschen Passagieren an Bord. Zuvor war die Schau in London zu Gast, wo auch Nachkommen von Titanic-Reisenden zu den Besuchern zählten – eine Erfahrung, die de Jong besonders in Erinnerung geblieben ist. Der Untergang liege zeitlich noch sehr nah, sagt er, gerade einmal etwas mehr als hundert Jahre zurück. Daraus erwachse eine Verantwortung, die Geschichte nicht nur spannend, sondern auch respektvoll zu erzählen.