In den Epstein-Akten führt auch eine Spur nach Russland. Der Sexualstraftäter bat einen FSB-Mann um einen Gefallen, um „einflussreiche Geschäftsleute in New York“ zu schützen.
Je mehr Epstein-Akten öffentlich werden, desto klarer wird, wie weltumspannend das Netzwerk des Sexualstraftäters war. Schon lange ist die Verbindung ins britische Königshaus zum entthronten Prinzen Andrew bekannt, jetzt taucht auch der Name der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit auf – und eine Spur zum russischen Geheimdienst FSB.
Das Dossier Centre, eine Organisation des russischen Oppositionellen Michail Chodorkowski, hat die Akten dahingehend ausgewertet. Demnach gehören die Dokumente zu den ersten, die Verbindungen von Jeffrey Epstein zu russischen Strippenziehern zeigen.
ANZEIGEEpstein hatte Kontakt zu russischem FSB-Mann
Epstein soll demnach Kontakt zu Sergei Belyakov gehabt haben. Er ist Absolvent einer FSB-Akademie und diente danach als Grenzschutzbeamter. Danach, so schildert es das Dossier Centre, hat Belyakov eine überraschend steile Karriere hingelegt. Die führte ihn bis ins Amt des stellvertretenden Wirtschaftsministers in Moskau. Später wurde er Leiter des Sankt Petersburger Wirtschaftsforums.
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Epstein und Belyakov kannten sich laut den ausgewerteten Akten mindestens seit 2014. Zum Zeitpunkt eines dokumentierten Treffens in diesem Jahr war Epstein bereits einige Jahre wegen seiner Taten verurteilt worden, das Verhältnis der USA zu Russland war wegen der Annexion der Krim angespannt. Die beiden Männer störte das offenbar nicht.
Die beiden Männer berieten Pläne und wollten „Spaß haben“
Nach dem Treffen bedankte sich Belyakov schriftlich für ein „Geschenk“. Um was es sich dabei handelte, ist unklar, laut Dossier Centre soll Epstein während des Treffens aber mehrfach vorgeschlagen haben, dass sein russisches Gegenüber sich „entspannen“ und „Spaß haben“ solle.
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Die beiden berieten offenbar auch wirtschaftliche Pläne: Unter anderem ging es um eine neue Institution als Alternative zur Weltbank und eine neue Kryptowährung. Epstein bot zudem an, internationale Gäste für das Wirtschaftsforum von Belyakov zu vermitteln, da viele nach der Krim-Annexion abgesagt hatten. Der Russe bot im Gegenzug an, Treffen zwischen Epstein und wichtigen Moskauer Persönlichkeiten zu arrangieren.
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Erpressung „einflussreicher Geschäftsleute in New York“
Die beiden Männer waren sich also bereits gut bekannt, als Epstein im Juli 2015 eine dubiose Nachricht an Belyakov schrieb: „Wie geht es dir? Ich brauche einen Gefallen“, leitete der US-Investor ein. „Es gibt eine Russin aus Moskau, Guzel Ganieva. Sie versucht, eine Gruppe einflussreicher Geschäftsleute in New York zu erpressen, was für alle Beteiligten schlecht fürs Geschäft ist.“ Ganieva behaupte, dass „einflussreiche Männer Frauen wie sie ausnutzen“.
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Welchen Gefallen Epstein genau braucht, erklärt er nicht. Er ergänzt nur, dass Ganieva am vergangenen Sonntag in New York angekommen sei und im Four Seasons Hotel in der 57. Straße wohne. Dann fragt er knapp: „Vorschläge?“
ANZEIGEBelyakovs Wirtschaftsforum als Hotspot für Escortgirls
Nur wenige Tage später meldete sich Belyakov mit detaillierten Infos zu Ganieva zurück. Der Russe schreibt, überrascht zu sein von den Vorwürfen. Nach seinen Informationen sei die Frau in „in zahlreiche harte Geschichten verwickelt“ gewesen, „ohne dass dies Konsequenzen für die anderen Beteiligten hatte“.
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Das Dossier Centre vermutet, dass mit „harten Geschichten“ Sexualhandlungen mit BDSM gemeint sein könnten. Mit „Konsequenzen“ könnte gemeint sein, dass manche Prostituierte ihre Treffen mit einflussreichen Männern aufnehmen und das kompromittierende Material für Erpressung nutzen.
Offenbar hatten beide Männer ihre ganz eigenen Vorerfahrungen mit dem Fall: Ganieva beschuldigte später Jeffrey Epsteins Freund Leon Black der sadistischen Neigungen und Belästigung. Zudem behauptet die Frau, Black habe sie Epstein vorgestellt. Belyakov seinerseits muss das Geschäft mit Escortgirls gekannt haben. Sein Wirtschaftsforum ist als Hotspot dafür bekannt.
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Solange Trump nicht vollständig aufklärt, bleiben die Vorwürfe
Die Episode zeigt nicht nur Epsteins Einfluss weit über die USA hinaus. Sie birgt auch politischen Sprengstoff für Donald Trump. Dem US-Präsidenten werden ebenfalls Kontakte zu Epstein vorgeworfen, er streitet jedoch jegliche Beteiligung an Straftaten ab.
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Zwischen Trump, der wie die angeblich von Ganieva erpressten Männer zu „einflussreichen Geschäftsleuten in New York“ zählt, und Belyakov könnte es eine indirekte Verbindung geben. Der Russe arbeitete nämlich mit der Anwältin Natalja Wesselnizkaja zusammen. Sie traf 2016 im Trump Tower den Sohn des heutigen US-Präsidenten sowie Schwiegersohn Jared Kushner. Wesselnizkaja soll dort im Auftrag der russischen Regierung belastendes Material über Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angeboten haben.
Auch wenn es derzeit keinerlei Belege gibt, dass Trump bei der Kommunikation zwischen Epstein und Belyakov eine Rolle gespielt hat, könnten ihn die Zusammenhänge belasten. Solange der US-Präsident nur zögerlich Akten herausgibt und somit die Aufklärung der Sexualstraftaten erschwert, werden die Vorwürfe, er tue das zu seinem eigenen Schutz, nicht leiser werden.