Die Wirtschaftskrise schlägt auf den Ausbildungsmarkt durch. 2025 wurden in der Region Stuttgart 651 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Minus von sieben Prozent. „Die aktuellen Zahlen bereiten uns große Sorge“, sagt Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart.
Angesichts der schlechten Konjunktur bilden manche Firmen weniger aus, wie auch eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. Beliebte Ausbildungsbetriebe wie Mercedes, Bosch, Trumpf, Mahle & Co. stecken teils in der Krise und orientieren sich am Bedarf ihrer jeweiligen Standorte. Viele Azubis fragen sich zudem, wie es nach der Ausbildung weitergeht und ob sie unbefristet übernommen werden.
Trumpf bildet in Ditzingen weniger aus
Der Maschinenbauer Trumpf etwa will 2026 am Stammsitz Ditzingen die Zahl der Ausbildungsplätze reduzieren. Man habe sich in Ditzingen auf starkes Wachstum vorbereitet und die Ausbildungsplätze in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt, sagt ein Sprecher. „Da dieses Wachstum in der erwarteten Höhe nicht eingetreten ist, reduzieren wir die Zahl der Ausbildungsplätze leicht, liegen aber damit weiterhin über dem Niveau der 2010er Jahre.“
An den meisten Standorten will Trumpf die Azubi-Zahlen halten und diese – über die im Tarifvertrag vorgesehenen zwölf Monate hinaus – auch unbefristet übernehmen. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Trumpf von 100 jungen Leuten mit Abschluss wegen der angespannten Geschäftslage und des weltweiten Stellenabbaus einen Azubi und neun Studierende nicht übernehmen. „Die unbefristete Übernahme bleibt unser Ziel“, sagt der Trumpf-Sprecher.
Bosch plant 2026 mit weniger Ausbildungsplätzen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Auch Bosch bietet 2026 weniger Ausbildungsplätze an. Die Planzahl liege leicht unter dem Niveau der vergangenen Jahre, sagt eine Sprecherin. In den vergangenen Jahren lag die Übernahmequote bei rund 90 Prozent, wobei diese von Standort zu Standort variieren könne. Man strebe weiter eine hohe Übernahmequote an. Der Autozulieferer Mahle äußert sich vorsichtig. Wie sich Übernahmezahlen und Ausbildungsplatzkapazitäten künftig entwickelten, hänge vom spezifischen Fachkräftebedarf an den Standorten ab. 2025 haben bei Mahle 75 junge Leute ihre Ausbildung begonnen, insgesamt hat Mahle 250 Azubis in Deutschland. Über die tariflichen Vorgaben hinaus hat sich der Stuttgarter Autozulieferer nach eigenen Angaben verpflichtet, mindestens 65 Prozent der auslernenden Azubis und Studierenden unbefristet zu übernehmen.
Firmen agieren vorsichtiger
Die Firmen agierten vorsichtiger, weil sie keine Planungssicherheit hätten und viele unter Druck stünden, sagt ein Sprecher von Südwestmetall. Das wirke sich sicherlich auch auf die Ausbildungszahlen aus. Angesichts des technologischen Umbruches sei es für viele auch schwierig einzuschätzen, welche Qualifikationen in fünf, zehn oder 15 Jahren gebraucht würden.
Beim Maschinenbauer Festo (Esslingen) orientiert sich die Zahl der Ausbildungsplätze am Bedarf, aber auch an den Berufsbildern. Innovative und zukunftsweisende Ausbildungsberufe wie etwa Bio-Mechatroniker/-in, bei dem Biologisierung und Mechatronik miteinander verschmelzen, treibe man voran. In Esslingen plant man mit einem leichten Rückgang bei den Ausbildungszahlen, am Standort im Saarland dagegen steigt die Zahl der Ausbildungsplätze leicht. Unbefristet will man alle übernehmen.
So sieht es bei Porsche, Mercedes, Dürr, Stihl und Kärcher aus
Porsche und Mercedes wollen an der Zahl der Azubis festhalten. Traditionell würden diese nach der Ausbildung auch unbefristet übernommen, heißt es bei Porsche. Bei Mercedes haben im Ausbildungsjahr 2025 rund 1200 junge Menschen eine Ausbildung oder ein duales Studium begonnen. Aus heutiger Sicht bleibe die Zahl für 2026 vergleichbar, sagt eine Sprecherin.
Auch der Maschinenbauer Dürr (Bietigheim-Bissingen) und der Motorsägenspezialist Stihl (Waiblingen) halten an ihren Ausbildungszahlen fest. „Wir brauchen weiterhin gut ausgebildete Fachkräfte“, sagte ein Dürr-Sprecher. Stihl verweist auf einen Ende 2025 geschlossenen Beschäftigungs- und Standortsicherungsvertrag. Der Vertrag laufe zwei Jahre und lege unter anderem fest, bis Ende 2027 unverändert mindestens 60 Ausbildungsplätze im Stammhaus anzubieten, sagt eine Sprecherin. Beim Reinigungsspezialist Kärcher (Winnenden) stieg die Zahl der Ausbildungsplätze in den vergangenen Jahren kontinuierlich – samt Übernahmegarantie.
Was die EnBW und die LBBW planen
Beim Energieriesen EnBW dürften die Azubi-Zahlen leicht zurückgehen. „Nach unserem Rekordjahrgang in der Ausbildung 2025 gehen wir davon aus, dass sich die Anzahl der zukünftigen Ausbildungsplätze wieder im Rahmen der Vorjahre bewegen wird“, antwortete das Unternehmen auf unsere Umfrage. Zahlen werden nicht genannt, auch zur Übernahmequote will man sich nicht äußern. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dagegen spricht von einer Übernahmequote von knapp 90 Prozent und verweist auf mehr als 450 Auszubildende in den vergangenen drei Jahren.
Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart, appelliert an die Betriebe, auszubilden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Bei einer bundesweiten DIHK-Umfrage im Herbst 2025 zum Ausbildungsmarkt gaben mehr als ein Viertel der Unternehmen an, ihre Ausbildungsplätze zu reduzieren – je größer die wirtschaftlichen Probleme, desto weniger Plätze werden angeboten. Viele Firmen finden allerdings auch nicht die geeigneten Bewerber. Trotz Krise wollten aber rund zwei Drittel der Betriebe alle Azubis nach der Ausbildung übernehmen.
Auch im Handwerk geht die Zahl der Ausbildungsverhältnisse zurück. Die Betriebe haben aus Risikovorsorge die Ausbildungszahlen reduziert. Wer früher vier Azubis eingestellt hat, nimmt vielleicht nur noch drei“, sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, und beziffert das Minus im Kammerbezirk im vergangenen Jahr auf 1,7 Prozent.
IHK-Hauptgeschäftsführerin Herre appelliert an die Betriebe in der Region Stuttgart, nach vorne zu schauen, für die Zukunft vorzusorgen und die Fachkräfte von morgen auszubilden. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist die Region auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen“, sagt Herre.