Halle. Es herrscht reges Treiben, mitunter Gedränge in der Aula der Haller Gesamtschule. Kein Wunder – schließlich haben 36 lokale Unternehmen Vertreter an die Wasserwerkstraße entsandt, um den Jugendlichen aller vier weiterführenden Schulen des Stadtgebietes örtliche Ausbildungsoptionen vorzustellen. Das „Haller Kreisblatt“ ist auch vor Ort – mit dabei: Praktikantin Amelie Hansmann, Schülerin am Gymnasium in Steinhagen.

An diesem Freitag (30. Januar) findet in der Aula der Gesamtschule eine Ausbildungsmesse statt. Initiiert wurde das Event vom städtischen Portal „azubi-channel HalleWestfalen“. Nacheinander werden die Jahrgänge acht bis zwölf aus den verschiedenen Schulen durch das Programm geführt. Azubis erzählen von ihren Ausbildungen, und erfahrene Vertreter der Unternehmen schildern den Schülern verschiedene Berufsbilder, die in den jeweiligen Firmen vorkommen.

Wo sonst die Sitzreihen der Aula Platz finden, sind heute viele Infostände der einzelnen Unternehmen aufgebaut. An jedem von ihnen warten Mitarbeiter auf interessierte Jugendliche. Gemeinsam mit Praktikantin Amelie kommt die Redaktion mit einigen ins Gespräch.

Haller Verpackungshersteller wirbt für sich


Habid Güngor, Christin Müller und Yunus-Emre Barin von Coveris heben die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens hervor. - © Tobias Barrelmeyer

Habid Güngor, Christin Müller und Yunus-Emre Barin von Coveris heben die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens hervor.
| © Tobias Barrelmeyer

„Magst du es, handwerklich zu arbeiten?“, wird Amelie von Yunus-Emre Barin gefragt, einem Mitarbeiter des Verpackungsherstellers Coveris mit Sitz im Haller Ortsteil Künsebeck. Amelie bejaht. Es folgen Fragen nach bisherigen Praktika und Vorerfahrungen. Dann stellt Barins Kollege Habid Güngor klar: „Egal zu welcher Jahreszeit – bei uns kannst du immer locker im T-Shirt arbeiten.“ Die Arbeitsumgebung sei immer dieselbe.

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Ein Vorteil für manche, ein Nachteil für andere. Dann ergreift wieder Barin das Wort und deutet auf eine Fleischwürstchen-Verpackung vor sich auf dem Tisch. „Wenn ich die im Laden sehe, denke ich: Hey, die haben wir doch bedruckt.“ Es sei schön, die hergestellten und bedruckten Verpackungen im Handel wiederzufinden.

Bei Coveris könnten Interessenten unterschiedliche Berufe erlernen, wie zum Beispiel Industriemechaniker, Medientechnologe Druck oder Elektroniker. „Der Name des Unternehmens ist nicht so bekannt“, sagt Mitarbeiterin Christin Müller, „weil wir die Verpackungen nur herstellen und nicht selber drauf stehen.“ Die personelle Lage im Nachwuchs habe sich bei Coveris zuletzt dennoch etwas gebessert, fügt sie hinzu.

Sichere Jobs in der Medizintechnologie


Heike Gundlach und Elena Herbst werben für Ausbildungen in der Medizintechnologie. - © Tobias Barrelmeyer

Heike Gundlach und Elena Herbst werben für Ausbildungen in der Medizintechnologie.
| © Tobias Barrelmeyer

Händeringend nach Fachkräften sucht man derweil in der Medizintechnologie, sagt uns Heike Gundlach. Sie leitet die Schule für medizinische Technologie am Klinikum Bielefeld. Neben ihr steht die 20-jährige Elena Herbst, angehende Medizinische Technologin für Radiologie. „Ich habe in meinem zweiten Lehrjahr meinen Arbeitsvertrag für die Zeit nach der Ausbildung unterschrieben und hatte bereits zwei externe Stellenangebote“, berichtet sie. „Also wenn man sich darauf einlässt, hat man einen sicheren Job“, sagt Gundlach in Richtung Amelie und nickt bestätigend. „Man sollte aber ein gewisses Interesse mitbringen – auch für Technik“, betont Herbst.

Angezogen vom Duft des Popcorns, das am Stand der Firma Holz Speckmann in einer Maschine hergestellt wird, werden Reporter und Praktikantin als Nächstes dort vorstellig. Auf Nachfrage räumt Auszubildende Alexandra Demychev zunächst mal mit einem Mythos auf. Demnach müsse man keine besondere Affinität zu Holz haben, um im Unternehmen arbeiten zu können. „Die lernt man dann“, sagt sie und lacht. „Wir werden in Holzkunde geschult.“

Die Ausbildung könne individuell angepasst werden. Sie selbst habe zum Beispiel Station im Grafikdesign gemacht. Besonders stolz sind Demychev und ihre Mitstreiter am Infostand auf die verschiedenen Sportböden des Unternehmens, wie sie etwa für Handball oder Basketball hergestellt werden.

Haller Schüler halten sich zurück


Bürgermeister Thomas Tappe, Schulleiter Matthias Geukes, Moderatorin Kim Julia Kapovits von der Firma Storck sowie Organisator Frank Hofen freuen sich über das Zustandekommen der Ausbildungsmesse in der Gesamtschule Halle. - © Tobias Barrelmeyer

Bürgermeister Thomas Tappe, Schulleiter Matthias Geukes, Moderatorin Kim Julia Kapovits von der Firma Storck sowie Organisator Frank Hofen freuen sich über das Zustandekommen der Ausbildungsmesse in der Gesamtschule Halle.
| © Tobias Barrelmeyer

Die Auszubildenden an den Infoständen sind sehr auskunftsfreudig – nur die Schüler sind mitunter ein wenig zurückhaltend, fällt Amelie auf. Sie selbst ist 15 Jahre alt und besucht die zehnte Klasse. „Das ist hier eine gute Möglichkeit für Schüler, um sich zu informieren. Aber wahrscheinlich wird es von einigen nur als Pause des Unterrichts wahrgenommen“, sagt sie und schaut sich um.

Doch einige nehmen das Angebot auch an. Wie etwa beim sogenannten Azubi-Talk. In einem Nebenraum der Aula erzählen Auszubildende verschiedener Firmen dabei von ihren Erfahrungen. Einige interessierte Schüler setzen sich und hören aufmerksam zu, als Laura Cassese zu ihnen spricht. Sie macht derzeit eine Ausbildung zur Süßwarentechnologin. Für Weiterbildungen müsse sie dabei nach Solingen fahren. Als Lebensmitteltechnologin hätte sie kürzere Fahrtwege gehabt. „Darüber hätte ich mich besser informieren müssen.“

Auch Alexander George, im dritten Lehrjahr beim Gartencenter Brockmeyer, berichtet von Erwartungen, die sich nicht erfüllt haben – wenngleich es nicht seine eigenen sind. „Ich kenne Auszubildende in diesem Bereich, die sich über den Kundenkontakt beschweren“, stellt er mit Unverständnis fest. Ein Gartencenter sei dann vielleicht nicht der richtige Arbeitsplatz.

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Kontakt zu Unternehmen soll Barrieren abbauen

Ausbildungsmesse Gesamtschule Halle

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Das Berufsleben bedeutet eben manchmal auch harte Realität, nicht jeder findet gleich das Richtige. Hier in der Gesamtschule herrsche noch Wohlfühlatmosphäre, findet Schulleiter Geukes. „Es ist schön, die Möglichkeit zu haben, in der Schule – also in gewohnter Umgebung der Schüler, statt auf einem Messegelände – mit lokalen Unternehmen in Kontakt zu kommen.“ Das baue Barrieren ab.

Bürgermeister Thomas Tappe dankte dem Arbeitskreis hinter der Veranstaltung. Ich bin froh, dass es hier mit der Premiere geklappt hat.“ Die Stadt habe schließlich bereits in der Vergangenheit eine Ausbildungsmesse im Ravenna-Park abhalten wollen. „Die Kosten wären für die Unternehmen nicht tragbar gewesen“, erklärt Frank Hofen aus dem Veranstalterteam. Schließlich hätte die Stadt dafür einen externen Veranstalter beauftragen müssen. So wie nun hier in der Gesamtschule sei es viel schöner: „Das hier ist eine Messe von Hallern für Haller.“

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