Halle/Bielefeld. Zur Schule gehen zu dürfen und gesund zu sein – das ist ein Privileg. Die Kinder, die auf der Krebs-Station des Klinikums Bethel behandelt werden, haben nicht so viel Glück. Schüler und Schülerinnen der Gesamtschule Halle haben ihnen nun ihre alljährliche Projektwoche gewidmet, um den kleinen Patienten eine Freude zu machen. Dazu haben die Gesamtschüler eine Reihe von Kinderbüchern vertont – mit mehreren Stimmen, Hintergrundmusik und Soundeffekten.
„Manche Kinder auf der Station haben nicht die Kraft, um selbst zu lesen“, erklärt Katharina Klement-Lempelius. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Andrea Janßen-Müller hat die Lehrerin die 22-köpfige Projektgruppe angeleitet. „Manche Kinder sind auch noch nicht alt genug. So können sie die Geschichten hören, auch wenn die Eltern mal nicht da sind, um ihnen vorzulesen.“
Die Bücher wurden von der „Buchfischerei“ und „Bücher & Geschenke“ in Halle sowie der „Buchhandlung am Schlichte Carree“ in Steinhagen bereitgestellt. Knapp 20 sind dabei zusammengekommen. Es sind Geschichten für Kinder und auch kurze Jugendromane.
Haller Schüler wollen kranke Kinder ablenken
Meist in Zweiergruppen konnten sich die Schüler ein Buch vornehmen und es zu einem Erlebnis für die Ohren machen. „Wir wollten die Kinder auf der Krebsstation damit von ihrem schweren Alltag ablenken“, sagt Milena Bayer, die gemeinsam mit ihrer Freundin Meryem Singin (beide elfte Klasse) am Projekt gearbeitet hat. Letztere hatte offensichtlich viel Spaß dabei, die Dialoge einzusprechen. „Am schwierigsten ist es, dabei ernst zu bleiben“, findet sie.
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Ein professionelles Tonstudio stand den Schülern nicht zur Verfügung – als Aufnahmegeräte dienten Tablets. Mit der App „GarageBand“ wurde die Audiospur bearbeitet. 13 Bücher wurden auf diese Weise vertont. Die Aufnahmen sind dabei nicht länger geworden als etwa 25 Minuten. Jetzt warteten die Beteiligten ab, wie ihre Hörbücher bei den Kindern auf der Krebs-Station ankommen. Um das zu erfahren, sei bereits ein Termin mit dem Personal vereinbart worden, sagt Klement-Lempelius.
Stefanie Grabowski (untere Reihe v. l.) und Tochter Svenja (Patientin) freuen sich über die Geschenktüten, die die Schülerinnen der Gesamtschule Halle gemeinsam mit ihren Lehrerinnen überreichen.
| © Klinikum Bethel
Im Vorfeld hatten die beiden Lehrerinnen ihrer Projektgruppe kurze Filmbeiträge gezeigt, die über das Leben auf einer Krebs-Station aufklären. „Das Personal hat uns nun auch Bücher mitgegeben, die darüber informieren. Die könnten wir nun auch vertonen.“
Haller Gesamtschule will neue AG gründen
Denkbar wäre etwa eine neue AG an der Gesamtschule, die sich explizit mit dem Einlesen von Hörbüchern beschäftigt. Zwei regionale Tonstudios hätten für diesen Fall schon Unterstützung zugesagt. „Dann könnten wir mit einem mobilen Studio hier vor Ort aufnehmen“, freut sich Klement-Lempelius. Ihre Kollegin Andrea Janßen-Müller hat sich und den Schülern schon neue Ziele gesteckt: „Wir wollen in Zukunft auch mehrsprachig lesen.“
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Die Audiodateien können die Kinder der Krebs-Station über QR-Codes abrufen, die den gespendeten Büchern beigelegt sind. Außerdem haben die Gesamtschüler aus Halle Mutmachbänder und Spiele wie Memory gebastelt, die den Kindern in Bethel in liebevoll verzierten Tüten überreicht wurden. „Besonders schön an dem Projekt war die persönliche Übergabe“, sagt Meryem Singin.
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