Dresden. Kaum sind sie im Museum, stürzen sie sich auf die Geräte. Neuntklässler der 121. Oberschule hocken sich auf eine Drehscheibe und werfen sich Bälle zu. Je schneller die Scheibe, umso ungenauer die Würfe. Statt in den Händen landen Bälle daneben. Oder im Gesicht. Es wird gelacht, rumgealbert. Dass es hier um Physik geht, ist schnell vergessen.
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Sollten die Schüler am Ende doch noch die Infotafel lesen, könnten sie erfahren: Es ist die sogenannte Corioliskraft, die es so aussehen lässt, als würde der Ball eine Kurve fliegen – obwohl er sich geradeaus bewegt. Ein Effekt, der auch bei Flugzeugen einkalkuliert werden muss, wenn sie über der rotierenden Weltkugel unterwegs sind.

Die Drehscheibe mit dem „Zauberwurf“ (laut Infotafel) ist eine von 18 Stationen einer neuen Dauerausstellung im Verkehrsmuseum. Sie heißt „dyna mix lab“ und richtet sich vor allem an Schüler ab Klasse 7. Jede Station ist ein Experiment, das zentrale Prinzipien der Physik verkörpert: Kraft, Energie, Bewegung, Schwingungen, Newtonsche Gesetze.
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Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) ließ sich am Donnerstag durch die Ausstellung führen, trat in die Pedale einer Fahrradmaschine, um Strom zu erzeugen, und setzte sich in den Flaschenzug, der Galileos goldene Regel der Mechanik demonstriert: „Was man an Kraft spart, muss man am Weg zusetzen.“ In der Eröffnungsrede erinnerte Clemens daran, dass die MINT-Kompetenzen laut einer Studie auch im Spitzenreiter-Bundesland Sachsen nachgelassen haben. „Deswegen müssen wir entgegen wirken.“
Das Problem ist, dass die jungen Leute keine langen Texte mehr lesen.
Nicole Auerswald
Museumspädagogin
Ähnliche Parcours gibt es bereits in Dresden, etwa in den Technischen Sammlungen mit dem Quantenphysik-Escape-Room Katze Q. Im Vergleich dazu kommt das „dyna mix lab“ eher simpel und schlicht daher.

Zu sehen sind Klassiker wie die Klick-Klack-Kugeln des Newton-Pendels. Oder Boote, die über eine Fläche mit Löchern gleiten, durch die Luft strömt, wie bei einem Airhockey-Tisch. Dazu gibt es eine von Physikern geprüfte Beschreibung, die ganze sechs Sätze umfasst – mehr wollte man den Schülern nicht zumuten.
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„Das Problem ist, dass die jungen Leute keine lange Texte mehr lesen“, sagt Nicole Auerswald, die im Museum für Bildung und Vermittlung zuständig ist. Vor der Eröffnung seien alle Stationen getestet worden, auch mit Hilfe von Jugendlichen. Laut Auerswald mussten zwei Stationen rausfliegen, weil sie offenbar zu komplex und nicht intuitiv verständlich waren.
Wir wollen zeigen, dass uns Physik überall umgibt.
Nicole Auerswald
Museumspädagogin
Experimente, die mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben, sucht man vergebens im „dyna mix lab“. Auerswald betont, dass der Fokus auf der klassischen Naturwissenschaft liegt, auf Phänomenen wie Impuls, Trägheit und Reibung, die Schüler buchstäblich mit ihren Händen begreifen können. „Wir wollen zeigen, dass uns Physik überall umgibt.“
Wobei Schüler in der Ausstellung auch auf Stationen stoßen, deren Sinn sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Die „Bergbahn“ zum Beispiel, basierend auf dem Prinzip der Beschleunigung auf einer schiefen Ebene. Sensoren mit Lämpchen müssen verschoben werden – da hielt sich der Andrang der Jugendlichen zunächst in Grenzen. Auf der Drehscheibe mit den Bällen war mehr los.
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Info: Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen sind möglich zwischen 9 und 11 Uhr. Kosten pro Person: 2 Euro plus 40 Euro Führungsgebühr. Am Sonnabend, 31. Januar findet ein Experimentiertag statt. Unternehmer und Forscher zeigen, wie virtuelles Schweißen oder die Steuerung von Roboterarmen funktioniert.
DNN