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Dresden – Es ist still geworden in der Gläsernen Manufaktur. Wo fast 25 Jahre lang Autos entstanden, herrscht jetzt Raum. Viel Raum. Im Dezember endete hier die Automobilproduktion – nach Phaeton, Bentley, E-Golf und zuletzt dem ID.3. Ein Kapitel Industriegeschichte schloss sich fast lautlos. Die Absatzkrise bei E-Fahrzeugen zwang VW zum radikalen Schritt.

Seitdem war die Gläserne Manufaktur zu. Umbau, Aufräumen, Neujustieren. Eine Art Frühjahrsputz im Winter. Wenn man jetzt durch die Hallen geht, sieht man einzelne Mitarbeiter an Fahrzeugen arbeiten. Sie bauen Autos zusammen – und später wieder auseinander. Serienproduktion? Vergangenheit.

Seit Donnerstag hat Volkswagen den ikonischen Bau wieder geöffnet. Nicht als Werk, sondern als Erlebnisort und Eventlocation. Ein Experiment, dessen Ausgang ungewiss sein dürfte.

Vom Produzieren zum Präsentieren

Zunächst haben die meisten der rund 230 Mitarbeiter nichts mehr zu tun. Wer bleibt und künftig im Schaufenster arbeitet und wie viele an andere Standorte wechseln, ist noch unklar.

Die VW-Leute versuchen, es positiv zu drehen. Ohne Fließband bleibt Zeit zum Erklären, zum Zeigen, zum Gespräch. An originalen Fertigungsanlagen soll vermittelt werden, wie Automobilbau funktioniert – im direkten Dialog mit den Besuchern, wie es heißt. Führungen starten bei 45 Minuten, wer will, kann tiefer eintauchen: Technik zum Anfassen, nicht zum Wegfahren.

Schauwerkstatt statt Fließband: In der VW-Manufaktur gibt es derzeit viel Platz. Besucher können dabei zuschauen, wie Fahrzeuge zusammengebaut werden

Schauwerkstatt statt Fließband: In der VW-Manufaktur gibt es derzeit viel Platz. Besucher können dabei zuschauen, wie Fahrzeuge zusammengebaut werden

Foto: Stefan Häßler

Die Gläserne Manufaktur soll zur automobilen Erlebniswelt werden. Mit rund 3.500 Fahrzeugauslieferungen im Jahr ist sie inzwischen der zweitgrößte Auslieferungsort von Volkswagen in Deutschland. 2025 kamen 105.000 Besucher, dazu 7800 E-Probefahrten. Zahlen, die zeigen: Ganz ohne Produktion geht es auch – nur eben anders.

Die Manufaktur soll künftig noch stärker als Eventlocation etabliert werden

Die Manufaktur soll künftig noch stärker als Eventlocation etabliert werden

Foto: Stefan Häßler

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Und: Elektromobilität bleibt Kern, alle aktuellen E-Modelle sind vor Ort. Ein Wachstumsfeld ist das autonome Fahren. Fahrzeuge rollen bereits selbstständig am Großen Garten entlang. Künftig sollen es mehr werden – sichtbar, erlebbar, erklärbar. Auch wirtschaftlich blickt man vorsichtig optimistisch nach vorn. Eine mögliche neue E-Autoprämie könnte den Absatz beleben. Die Zeichen stünden nicht schlecht, heißt es.

VW forscht in der Manufaktur inzwischen auch am autonomen Fahren. Besucher können künftig Fahrten ohne Fahrer erleben

VW forscht in der Manufaktur inzwischen auch am autonomen Fahren. Besucher können künftig Fahrten ohne Fahrer erleben

Foto: Stefan Häßler

Neuer Wirt, neuer Ton

Selbst im Manufaktur-Restaurant ist nichts mehr wie zuvor. Starkoch Mario Pattis (56) ist ausgestiegen. Jetzt übernimmt das „Speisewerk“ aus der Neustadt, bekannt vom Turmcafé in den Technischen Sammlungen. Man wolle die „Exklusivität aufbrechen“, heißt es. Weniger Distanz, mehr Alltag. Auch das passt zum neuen Kurs.

Während der 45-minütigen Führungen können Besucher jetzt hautnah zuschauen, wie die Fahrzeuge montiert werden

Während der 45-minütigen Führungen können Besucher jetzt hautnah zuschauen, wie die Fahrzeuge montiert werden

Foto: Stefan Häßler

25 Jahre – und ein Neubeginn

2026 wird ein besonderes Jahr: Am 11. Dezember feiert die Gläserne Manufaktur ihren 25. Geburtstag. Geplant ist ein großes Jubiläum – inklusive Feuerwerk.

Langfristig soll zusätzlich ein Innovationscampus entstehen, gemeinsam mit der TU Dresden und dem Freistaat Sachsen. Forschung, Start-ups, neue Mobilitätsideen. Die Gläserne Manufaktur als Denkfabrik statt Produktionshalle. Standortleiter Dr. Martin Göde spricht von Neuausrichtung. Man könnte auch sagen: von einem tiefen Einschnitt. Die Autos entstehen hier nicht mehr – aber dafür soll wenigstens die automobile Zukunft erklärt werden.