Die Leipziger Oper steht vor massiven finanziellen Problemen. Das geht aus Daten hervor, die in einem Nachtrags-Wirtschaftsplan der Oper stehen, der deutliche Fehlbeträge voraussagt.
Fehlbeträge von rund drei Millionen Euro jährlich erwartet
Demnach wurden bereits für das Jahr 2025 Verluste von 2,3 Millionen Euro verzeichnet, die sich auch durch Rücklagen nicht mehr vollständig ausgleichen ließen. Für die kommenden Jahre werden jeweils Fehlbeträge von rund 3 Millionen Euro angenommen. Entsprechend dieser Tendenz, heißt es im Bericht, verfüge die Oper ab 2028 nicht mehr über die notwendige Liquidität, um den geregelten Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.
Die Oper Leipzig verfügt spätestens ab 2028 nicht mehr über die notwendige Liquidität, um den geregelten Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.
Aus dem Nachtrags-Wirtschaftsplan der Oper Leipzig
Als Hauptgrund für diese Krise benennt der Bericht die steigenden Preise für Energie und Material, etwa für Bühnenbilder, sowie für Dienstleistungen wie etwa Reinigungsarbeiten. „Deutliche Kostensteigerungen“ würde außerdem das Gewandhausorchester verursachen, das bei Opernaufführungen im Opernhaus spielt. Diese gingen über die Steigerung der Tariflöhne noch hinaus.
Nach Aussage von Gewandhausdirektor Andreas Schulz handelt es sich dabei beispielsweise um Lohnzusatzkosten. Tobias Wolff, Intendant der Oper Leipzig, spricht auf Nachfrage von MDR KULTUR allerdings nur von einem „Mosaikstein“. Die eigentlichen Tarifsteigerungen sind im ursprünglichen Wirtschaftsplan bereits eingerechnet und schlagen also nicht zu Buche.
Oper Leipzig verkauft zu wenig Eintrittskarten
Als dritte Ursache wird die stagnierende beziehungsweise moderate Entwicklung der Umsatzerlöse genannt. Aktuell rechnet die Oper bei Kartenverkäufen mit einer Auslastung von 57 Prozent bei Opern, 68 Prozent im Ballett und 80 Prozent in der Musikalischen Komödie, dem Operetten- und Musicalhaus. Genaue Zahlen stehen aber noch aus.
Nach Einschätzung von MDR-KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky liegt das einerseits am Spielplan, auf dem viele unbekannte Stücke stünden. Die Konkurrenz durch viele andere Unterhaltungsmöglichkeiten wie Streaming-Dienste mache der Oper außerdem generell zu schaffen. Zudem könnten viele Menschen die Eintrittspreise kaum noch bezahlen. So kostet eine Karte vorne im Parkett bei einer Opernaufführung bereits im Normalpreis 88 Euro, eine „billige“ Karte im Rang 39 Euro.
Chronische Defizite im Kulturbereich
Mit solchen Herausforderungen und chronischen Defiziten steht die Oper Leipzig allerdings nicht alleine da, wie ein Blick nach Dresden zeigt. Dort plant der Oberbürgermeister Dirk Hilbert, die Staatsoperette mit dem Theater der jungen Generation und dem Festspielhaus Hellerau zu einem Eigenbetrieb zusammenzulegen.
Und Daniel Morgenroth, Intendant am Theater Görlitz-Zittau und Chef der Landesgruppe Sachsen im deutschen Bühnenverein, stellte am Montag in einer Anhörung zur Evaluierung des sächsischen Kulturraumgesetz fest: In den letzten 25 Jahren seien die Kulturraumgelder um 35 Prozent gestiegen, die Tariflöhne aber um 83 Prozent.
Die Kultur ist nicht der Kostentreiber.
Lydia Schubert, Verwaltungsdirektorin der Oper Leipzig
„Der Kuchen wird größer, aber das Stück Kuchen für die Kultur wird immer kleiner“, bringt es Lydia Schubert, die Verwaltungsdirektorin der Oper Leipzig, auf den Punkt. Mit Blick auf den gesamten kommunalen Haushalt in Leipzig verwies sie darauf, dass etwa die Kosten für Sozialausgaben in den letzten Jahren deutlich mehr gestiegen seien als die Kosten für die Kultur. Sie folgert daraus: „Die Kultur ist nicht der Kostentreiber.“
Um ein drohendes Kollabieren der Kommunen – und damit der Kulturfinanzierung – abzuwenden, fordert der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, zugleich Präsident des Deutschen Städtetages, eine Soforthilfe von Bund und Ländern.
Quellen: MDR KULTUR (Stefan Petraschewsky),
Redaktionelle Bearbeitung: lm