
AUDIO: Olga Neuwirths „Monster’s Paradise“: Überbordende Klangfantasie (4 Min)
Stand: 31.01.2026 14:21 Uhr
Mit „Musiktheater zum Stand der Gegenwart“ kündigt die Hamburgische Staatsoper das Stück „Monster’s Paradise“ an. Die Österreicherin Olga Neuwirth hat es komponiert, zu einem Libretto der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Ein Portrait der Komponistin.
2019 wird an der Wiener Staatsoper die Uraufführung des Musiktheaterstücks „Orlando“ von Olga Neuwirth, nach dem Roman von Virginia Woolf, gespielt. Zum ersten Mal hat die Wiener Staatsoper einen Kompositionsauftrag an eine Frau vergeben, und Olga Neuwirth erfüllt ihn mit überbordender Klangfantasie.
Jetzt hat sie einen neuen Wurf gewagt: „Monster’s Paradise“ für die Hamburgische Staatsoper. Eine Satire auf die Monster unserer Zeit und die Frage, wie kommt man gegen sie an? Aktuelle Bezüge und Ähnlichkeiten mit amtierenden US-Präsidenten sind dabei durchaus gewollt, sagt Tobias Kratzer, neuer Intendant an der Hamburgischen Staatsoper: „Das ist eines der Raffinements dieses Stücks, dass es eben nicht, wie das so oft in Neuer Musik der Fall ist, das Abgründige und Schreckliche unserer Welt nur in abgründigen und schrecklichen Klangchiffren zu erfassen vermag, sondern versucht, dieser Welt doch auch in der Groteskheit etwas abzugewinnen, dass man der vielleicht auch nur noch im Lachen, im Spott und in der Parodie und in der Ironie begegnen kann.“
Markenzeichen: Einsatz vielfältiger Medien
Kratzer hat das Stück in Auftrag gegeben und inszeniert es auch selbst. Die musikalische Leitung übernimmt der Dirigent Titus Engel. „Sie ist ja eine große Kennerin erstmal der klassisch-romantischen Tradition, aber eben auch der Popmusik und der Filmmusik“, sagt der Dirigent über die Komponistin. „Sie interessiert sich für Trash, für Punk und für Rock. Es gibt also viele Einflüsse, und das ist auch bei der Oper ‚Monster’s Paradise‘ ein ganz großes Thema.“
Ein anderes Markenzeichen von ihr: der Einsatz vielfältiger Medien, wie elektronische Sounds, Klangsampling und Videokunst. Olga Neuwirths Werke sind vielschichtige Klang-Erlebnisse, dafür wird sie seit Jahrzehnten gefeiert. Neben vielen renommierten Auszeichnungen hat sie 2022 den Ernst von Siemens Musikpreis verliehen bekommen. Der gilt als eine Art „Nobelpreis“ für Musik. „Ich bin ja auch mit Jazz aufgewachsen und mit vielen Schriftstellern und Künstlern aus anderen Kunstsparten“, erzählt sie. „Das heißt, es war für mich eine Selbstverständlichkeit, dass alles gleichzeitig da ist, und man kann sozusagen alle Medien miteinander verbinden. Alle Sinne regen den Menschen an, um ihn emotional in welcher Weise auch immer zu treffen.“
Olga Neuwirth: „Kunst kann vieles sichtbar machen“
1968 wird Olga Neuwirth in Graz geboren. Ihr Vater ist Jazzpianist. Sie selbst beginnt früh zu komponieren, nimmt an Workshops teil, lernt bei Größen wie Hans-Werner Henze, Luigi Nono oder Adriana Hölszky. In San Francisco studiert sie nicht nur Komposition, sondern auch Film. Ein Einfluss, der die Ästhetik ihres Werks bis heute prägt. Kunst, Literatur, Politik, Naturwissenschaft, Alltagswirklichkeit: Es gibt kaum etwas, was Olga Neuwirth nicht interessiert und woraus sie nicht bereit ist, Musik zu schöpfen.
Ihren Job als Komponistin sieht sie auch darin, Stellung zu beziehen. Mit Kunst kann man die Welt nicht ändern, sagt sie. Aber Kunst kann vieles sichtbar machen – auch den Zustand von Gesellschaft und Politik. Mit ihrem neuesten Werk „Monster’s Paradise“ bleibt Olga Neuwirth sich in vielem treu. Üppig und bunt und lustig soll es werden, voller Anspielungen, grotesk und sehr böse – auch dank Elfriede Jelineks bissigem Humor und Tobias Kratzers erfindungsreicher Regie. „Es wird in keiner Sekunde langweilig werden“, sagt Kratzer. „Immer wenn sich das Publikum auf eine Stilistik eingeschwungen zu haben meint, kommt etwas Neues. Das ist in der Musik so und das versuchen wir auch mit der Inszenierung umzusetzen.“

Der neue Intendant der Hamburger Staatsoper Tobias Kratzer erzählt, wie er Historisches einbetten und junge Leute ins Haus holen will.

Christoph Marthaler hat ein Stück über den Komponisten Gustav Mahler inszeniert – mit clownesker Heiterkeit und Spannung.

Als Opern-Intendant und NDR Musikchef hat er in Hamburg bleibende Spuren hinterlassen. Am 14. September 1910 wurde er geboren.

Das Spannungsfeld der Staatsoper Hamburg liegt zwischen Pflege eines Repertoires und der Leidenschaft für das Neue.