Demenzerkrankungen, allen voran die Alzheimer-Demenz, zählen zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Angesichts noch immer fehlender kausaler Therapien wächst der Wunsch nach wirksamen Präventionsstrategien. Dabei rücken modifizierbare Lebensstilfaktoren wie körperliche Aktivität zunehmend in den Fokus der Forschung. Die Framingham-Heart-Study liefert nun neue Evidenz dafür, dass körperliche Aktivität in der Lebensmitte und im höheren Alter mit einem signifikant reduzierten Demenzrisiko einhergeht (1). Die prospektive Kohortenstudie analysierte die Daten von mehr als 4300 Personen aus dem Offspring-Kollektiv, deren körperliche Aktivität in drei Altersphasen (frühes Erwachsenenalter, mittleres Lebensalter, spätes Erwachsenenalter) erhoben und mit dem Auftreten von Demenz über eine Nachbeobachtungszeit von bis zu 37 Jahren in Verbindung gesetzt wurde.

Das zentrale Ergebnis: Höhere körperliche Aktivität in der Lebensmitte (im Alter von 45 bis 64 Jahren) und im höheren Alter (65 bis 88 Jahre) war mit einem um bis zu 45 Prozent niedrigeren Risiko für Demenz verbunden – sowohl für Demenz insgesamt als auch für Alzheimer-Demenz. In der höchsten Aktivitätsgruppe (Quintil 5) lag das Hazard Ratio bei 0,59 für Aktivität im mittleren und bei 0,55 im späten Lebensalter. Eine hohe Aktivität im frühen Erwachsenenalter hingegen zeigte keinen signifikanten Effekt auf das spätere Demenzrisiko.

Besonders deutlich zeigte sich der präventive Effekt bei Personen ohne APOE-ε4-Risikogen. In dieser Untergruppe war die körperliche Aktivität in der Lebensmitte mit einer bis zu 59 Prozent niedrigeren Demenzinzidenz assoziiert. Bei Trägern des Risikogens war ein protektiver Effekt erst im höheren Alter erkennbar.

Interessanterweise spielte nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch die Intensität der Aktivität eine Rolle: In der Lebensmitte waren moderate bis intensive Aktivitäten besonders wirksam. Personen mit besonders vielen Stunden moderater körperlicher Aktivität in der Lebensmitte hatten ein um 38 Prozent geringeres Demenzrisiko als jene mit dem geringsten Aktivitätsumfang. Für leichte körperliche Aktivität zeigte sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang – unabhängig von deren Dauer. Im höheren Alter hingegen war das Demenzrisiko unabhängig von der Intensität der Aktivität reduziert, sofern das Gesamtmaß der Aktivität hoch war.

Die Studienautoren betonen, dass sich aus diesen Ergebnissen wichtige Implikationen für präventive Maßnahmen ergeben. Während frühere Studien teilweise widersprüchliche Ergebnisse zur Wirkung von körperlicher Aktivität auf das Demenzrisiko geliefert hatten, legt diese Untersuchung nahe, dass insbesondere ab dem mittleren Lebensalter gezielte Bewegungsinterventionen sinnvoll sind – auch und gerade für Personen mit erhöhtem genetischem Risiko.

Die Studie diskutiert mehrere plausible biologische Mechanismen, durch die körperliche Aktivität das Demenzrisiko senken könnte: von antientzündlichen Effekten über eine verbesserte Gefäßfunktion und Insulinsensitivität bis hin zu neuroprotektiven Prozessen wie einer gesteigerten Neurogenese und Synaptogenese im Hippocampus. Diese Effekte könnten insbesondere in der Lebensmitte wirksam sein, wenn sich erste pathophysiologische Veränderungen im Gehirn entwickeln.

Auch wenn im frühen Erwachsenenalter kein signifikanter Effekt beobachtet wurde, betonen die Autoren, dass Bewegung in dieser Phase andere gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, nämlich unter anderem ein geringeres kardiovaskuläres Risiko und eine bessere mentale Gesundheit. Beides sind bekannte Risikofaktoren für Demenz, sodass ein präventiver Effekt auf längere Sicht möglich erscheint. In der praktischen Umsetzung sollte dieses Wissen allen Menschen vermittelt werden, beispielsweise im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen. Bewegungsangebote für Menschen ab dem mittleren Lebensalter sollten gezielt auf höhere Intensität ausgelegt werden. Körperliche Aktivität ist eine einfach zugängliche, kostengünstige und nebenwirkungsarme Maßnahme mit hohem präventivem Potenzial.

■ Hutterer C

Ähnliche Beiträge zum Thema finden Sie weiter unten! Quellen:

  1. Marino FR, Lyu C, Li Y, Liu T, Au R, Hwang PH. Physical Activity Over the Adult Life Course and Risk of Dementia in the Framingham Heart Study. JAMA Netw Open. 2025; 8: e2544439. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.44439