Zehn Musikanten der Leitershofer Blasmusik spielen auf, dampfende Terrinen mit Weißwürsten stehen auf den Tischen, Brezenkörbe und Weißbier werden aufgetragen, die Stimmung ist heiter. Freitags um 10 Uhr ist der Gasthof Stern in Gersthofen voll. Was dort zu erleben ist, ist bayerisches Lebensgefühl pur. Genau dafür hat der traditionsreiche Gasthof eine besondere Auszeichnung erhalten.

Der Freistaat Bayern zeichnet den Gasthof Stern in Gersthofen aus

Der Gasthof Stern, geführt in fünfter Generation von der Familie Seitz, genauer gesagt von Michael Josef Seitz, wurde vom Freistaat Bayern als „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ ausgezeichnet. Die Ehrung hatte Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker im Rahmen einer Feierstunde im Hofgut Bäldleschwaige bei Donauwörth Ende vergangenen Jahres überreicht. Mit dabei war Gersthofens zweiter Bürgermeister Reinhold Dempf. Füracker würdigte dabei die Bedeutung der Wirtshäuser für die bayerische Kultur und betonte sinngemäß, dass Musik, Geselligkeit und Wirtshauskultur untrennbar zusammengehören.

Im Gasthof Stern finden das ganze Jahr über Veranstaltungen rund um das Thema Musik statt

Die ausgezeichneten Wirtshäuser erhielten eine Emaille-Plakette. Sie signalisiert den Gästen wie auch den Musikanten: Spontanes, unangekündigtes Singen und Musizieren sind ausdrücklich erwünscht. Im Gegenzug stellt das Wirtshaus den Musizierenden Brotzeit und Getränke zur Verfügung. „Ja, die Musikanten sind bei uns herzlich willkommen“, sagt Michael Josef Seitz. Über das Jahr verteilt bietet er zahlreiche Veranstaltungen an, bei denen Musik eine zentrale Rolle spielt.

An wen die Figur in der Hausecke des Gasthofs Stern in Gersthofen erinnert

Ein besonderer Höhepunkt ist immer im Juli das Namensfest der Heiligen Anna, der Schutzpatronin des Hauses. An einer Hausecke steht eine geschnitzte Figur der Heiligen Anna Selbdritt aus Südtirol. „Meine Ur-Ur-Großmutter Anna Seitz hat im Jahr 1879 unser Wirtshaus gegründet. An ihre Namenspatronin wollen wir damit erinnern“, erklärt Seitz.

Stolz ist Michael Seitz vom Gasthof Stern in Gersthofen auf die Auszeichnung zum "Musikantenfreundlichen Wirtshaus". Gasthof Stern Gersthofen

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Stolz ist Michael Seitz vom Gasthof Stern in Gersthofen auf die Auszeichnung zum „Musikantenfreundlichen Wirtshaus“. Gasthof Stern Gersthofen
Foto: Treutler-Walle

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Stolz ist Michael Seitz vom Gasthof Stern in Gersthofen auf die Auszeichnung zum „Musikantenfreundlichen Wirtshaus“. Gasthof Stern Gersthofen
Foto: Treutler-Walle

Zum Annafest kommen Musikanten aus der ganzen Gegend und spielen bei schönem Wetter im Biergarten, ansonsten in der Wirtsstube. Diese Tradition wurde 2013 begründet. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass Traditionen nicht uralt sein müssen, um wertvoll zu sein“, sagt der Wirt.

„Wenn die Musikanten kommen, dann haben wir volles Haus.“ 

Michael Seitz, Wirt im Gasthof Stern in Gersthofen

Besonders beliebt sind die Weißwurstfrühstücke, die einmal im Monat am Freitagvormittag stattfinden und mit Blasmusik umrahmt werden. „Wenn die Musikanten kommen, dann haben wir volles Haus. Da ist Reservieren auf jeden Fall ratsam“, erzählt der Wirt. Seit selbst hat Posaune gelernt und bis 2011 im Jugendblasorchester Lützelburg gespielt. Auch in seiner Familie wurde viel gesungen und musiziert, etwa bei seiner Oma zu Hause. Für ihn ist es deshalb selbstverständlich, dass Musik zum Wirtshaus dazugehört. Während der Biergartensaison und zum Annafest spielen Gruppen wie die Schwoabendeifi oder die Leitershofer Blasmusik. Andere musizieren spontan und bekommen dafür Brotzeit und Bier.

Im Gasthof Stern in Gersthofen packt die ganze Familie mit an

Dass ihm bayerisches Brauchtum und Wirtshauskultur am Herzen liegen, zeigt sich auch auf der Speisekarte. Angeboten wird, was Saison hat.Gelernt hat Michael Josef Seitz im Familienbetrieb. Er ist ausgebildeter Hotelfachmann und Hotelbetriebswirt, absolvierte seine Ausbildung im Hotel Ost in Augsburg und an der Hotelfachschule in Heidelberg. Die schwäbische Küche lernte er bei Franz und Stefan Settele kennen.

Trotz der umfangreichen Arbeit in der Gastronomie nimmt sich Seitz Zeit für seine Familie: für den vierjährigen Sohn und die elfjährige Tochter. „Und heiraten wollen wir 2027, wenn wir mal richtig Zeit für die Vorbereitung haben“, sagt er. Sein Vater Josef, selbst gelernter Koch, und seine Mutter arbeiten noch im Betrieb mit. Seine Frau Sandra kümmert sich um Verwaltung und Buchhaltung. Auch die vier Geschwister helfen regelmäßig aus. „Da bin ich mehr als froh. Wir sind alle im Wirtshaus groß geworden und kennen die Handgriffe.“ Neben dem Beruf engagiert sich Seitz bei der Freiwilligen Feuerwehr Gersthofen, wo er Stellvertretender Vorstand ist. Den Betrieb stemmt er ansonsten mit zwölf Mitarbeitenden.

Viel Kraft schöpft der Wirt aus seinem christlichen Glauben und aus dem Kontakt mit den Gästen. „Als Wirt möchte ich bei meinen Gästen sein. Da muss man offen sein für den Moment und zuhören können.“ Für ihn ist der Wirt auch eine Art Seelsorger: „Wer Menschen mag, kann aus diesem Beruf viel Freude ziehen, Freude weitergeben und glücklich sein.“ Der Gasthof Stern verfügt über eine Gaststube mit 90 Plätzen, einen Biergarten mit 80 Plätzen und ein Hotel mit 25 Zimmern. „Bei uns übernachten viele Stammgäste, die schätzen, dass bei uns am Abend schwäbische Gerichte auf der Speisekarte stehen.“

  • Monika Treutler-Walle

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