Kai Wegner begrüßt im Velodrom Kinder, für die er Olympische Spiele nach Berlin holen möchte, wie er sagt.

Kai Wegner begrüßt im Velodrom Kinder, für die er Olympische Spiele nach Berlin holen möchte, wie er sagt.

Foto: dpa/Fabian Sommer

Am Freitagabend startet im Berliner Velodrom das Sechstagerennen, ausgetragen dieses Jahr aber nur an zwei Tagen. Schon am Vormittag greifen der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Basketball-Olympiasiegerin Svenja Brunckhorst, einige andere Sportler und Politiker sowie viele Kinder in der Radrennhalle zu der goldenen Glocke, mit der hier eigentlich die letzten Runden eingeläutet werden.

Wegner und die anderen läuten aber die Kampagne Berlins zur Bewerbung der Hauptstadt für Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ein. »Wenn man siegen will, muss man zunächst daran glauben«, sagt Wegners Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand. Jeder Sportler wisse das. »Wir können’s nur erreichen, wenn die Stadtgesellschaft hinter uns steht.«

Davon kann schwer die Rede sein, da einer Meinungsumfrage zufolge 67 Prozent der Einwohner dagegen sind, dass die Hauptstadt Olympische Spiele ausrichtet. Es hat sich auch das Bündnis NOlympia formiert. Die Linke, die Grünen, die Naturfreunde, der Bund für Umwelt und Naturschutz und andere gehören dazu, auch der Diskuswerfer und Olympiasieger Christoph Harting. »Leistungssportförderung beginnt in der Breite, mit einem funktionierenden Kinder-, Jugend- und Breitensport. Die Lücken durch eine aufwendige, kostspielige Bewerbung für Olympische Spiele schließen zu wollen, ist absurd und populistisch«, argumentiert Harting.

»In Berlin kannst du alles werden, sogar Olympiasieger oder Olympiasiegerin.«


Kai Wegner Regierender Bürgermeister

Dagegen baut Innensenatorin Iris Spranger (SPD) auf mehr als 809 000 sportbegeisterte Berliner und versichert: »Wir werden keine gigantischen neuen Sachen brauchen.« Die Sportanlagen seien im Wesentlichen alle bereits vorhanden und müssten nur saniert werden. So eine Chance dürfe man nicht vorbeiziehen lassen, meint Spranger.

»Wir wollen eine bessere Sportinfrastruktur«, beteuert CDU-Politiker Wegner. Außerdem verspricht er sich vom gemeinsamen Olympia-Erlebnis mehr Zusammenhalt und weniger Hass und Hetze. Andere Konzepte für Olympische Spiele setzten Wegner zufolge auf Beton. Er möchte auf die Menschen setzen und will die Spiele für die Kinder nach Berlin holen, die in zehn, 14 oder 18 Jahren erwachsen sind und als Zuschauer dabei sein könnten oder sogar als Teilnehmer. »In Berlin kannst du alles werden, sogar Olympiasieger oder Olympiasiegerin«, verheißt Wegner den Schülern, die im Velodrom vor der Bühne auf dem Boden sitzen. Sie tragen zu große T-Shirts mit dem Werbeslogan »Berlin gewinnt mit Olympia«.

Noch umgedreht vor ihrer Präsentation sind grafisch relativ anspruchslose Plakate. Auf ihnen steht: »Olympia ist ein Berliner«, »Olympia ist eine Berlinerin«, »Dein erstes eigenes Olympia« und »Gold für Barrierefreiheit«. Letztere Losung gilt für die Paralympischen Spiele, für die sich Berlin wie üblich gleich mitbewirbt. Mit Robert Förstemann ist ein Radsportler da, der 2012 bei den Olympischen Spielen in London im Teamsprint Bronze gewann und dann 2021 bei den Paralympischen Spielen in Tokio im Tandem mit dem Sehbehinderten Kai Kruse einen vierten Platz belegte.

Weiter hinten stehen noch mehr Kinder und langweilen sich entsetzlich bei den Reden der Politiker. Einige vesuchen, mit den Füßen auf die Lichtpunkte zu hüpfen, die auf dem Boden im abgedunkelten Innenraum des Velodroms kreisen. Einige Kinder streiten sich laut und müssen ermahnt werden. Mit einem entschiedenen »Nein, nein, nein!« greift eine Betreuerin ein, als die ersten versuchen, mit den Füßen auf eine Sitzbank zu steigen. Später werden alle Kinder auf die Bühne gebeten und dazu animiert, die Arme hochzureißen und zu jubeln. Hier muss der Moderator einen Streit unter den Heranwachsenden schlichten. Mit dem erhofften Zusammenhalt ist es noch nicht so weit her.