Das Wetter hält, die Stimmung ist bestens, als sich der Zug pünktlich um 13.01 Uhr in Bewegung setzt. „Auf den heutigen Umzug, auf den Frohen Faschingsclub Gerlingen drei kräftige Schella Hopp, Schella Hopp, Schella Hopp Hopp Hopp“, ruft Ehrenpräsident und Moderator Siggi Mayer ins Publikum. Das ist sofort lautstark dabei.

Im Jubiläumsjahr des Vereins – der Frohe Faschingsclub Gerlingen besteht seit 55 Jahren – gestalten 91 Gruppen den Umzug durch die Innenstadt. Mehrere Tausend Besucher säumen die Straßen. Am dichtesten gedrängt stehen sie seit jeher am Innenstadtkreisel, um Urbanbrunnen, Hauptstraße, Kirchstraße. Kinder, Jugendliche und Erwachsene trotzen den grauen Wolken am Himmel, sie tanzen und singen schunkelnd: „Eins kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben“, ein Song von Geier Sturzflug aus den 1980er Jahren.

Ganz vorne ist der Frohe Faschingsclub mit seinen Gruppen. Auf dem Wagen mit dabei: der Gerlinger Bürgermeister Dirk Oestringer und Prinzessin Nastassja I. die mit den Wölfen tanzt, gefolgt von der 1. Narrenzunft Schmiden Chaos Weiß-Rot. „Sie sind immer dabei“, erzählt Mayer ins Mikrofon. Überhaupt: Viele Vereine und Zünfte sind zum wiederholten Mal in Gerlingen. Inzwischen verbinden Freundschaften die Narren untereinander. Die Gruppen aus der nahen Umgebung sind das eine – besonders viele Maskengruppen kommen aus der weiteren Umgebung.

Die Schwefelhexen aus Bebenhausen und die Ulmer Donauhexen haben sich angemeldet. Aus der nahen Umgebung sind die Höfinger Schlossdämonen genauso dabei wie die Hemminger Strohgäunarren und D’Hoamerdenger Narra Obacha, die Schöckinger Walddruden oder auch die Leonberger Waldhexen und die Gesellschaft Engelberg. Die Tiefenbronner sind mit fünf Gruppen dabei, unter anderem den Zottelböck vom Forcheneck und den Brunnengeistern.

Warum ein Schabernack ein Lachen in Kindergesichter beim Umzug zaubert

Aus Ottenbronn ist das Schwarzwälder Mutesheer angereist. Ihre schwarzen Masken wirken furchteinflößend. Die Süßigkeiten, die die Narren ganz ohne Handschuhe von Erwachsenenhand sachte, zurückhaltend und sanft in Kinderhände legen, beruhigen die kleinen Besucher schnell. Andere Narren wuscheln durch die Haare, stibitzen scheinbar das lockende Popcorn aus der für einen Moment unbeaufsichtigten Tasche – auch das ein Schabernack, der schnell als solcher erkannt wird, wenn das Popcorn zurückgelegt wird – und zaubern ein Lachen in Kindergesichter.

Die größte Gruppe stellen mit 90 Teilnehmern die Contacter, die Karnevalsgesellschaft aus Gerlingen. Gleich mehrere Gruppen sind mit 50 Aktiven nach Gerlingen gekommen. Und für Musik sorgen unter anderem der Schalmeienzug Leonberg, mehrere Guggenmusiker und ganz vorne mit dabei der Musikverein Stadtkapelle Gerlingen.

Gerlinger Faschingsumzug mit zwei Sprecherstellen

Für die Zukunft würde er sich mehr Musikgruppen im Zug wünschen, hatte Jürgen Zeiher vom veranstaltenden Frohen Faschingsclub im Vorfeld gesagt. Tatsächlich ist es an manchen Stellen im Umzug vergleichsweise ruhig, wenngleich die Gruppen immer wieder bemüht sind aufzuschließen und eine zweite Sprecherstelle entlang der Strecke eingerichtet wurde – nicht nur der Attraktivität wegen, sondern auch aus Sicherheitsgründen. Auf diese Weise sollte die Zuschauermenge entzerrt werden.

Mit rund 2000 gibt die Polizei die Zahl der Besucher entlang der Strecke an – ungeachtet der 2500 Narren, die den Zug prägen. Nach ersten Informationen der Polizei blieb es an diesem Nachmittag insgesamt ruhig.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren entsprechend angepasst worden und die Einfallstraßen blockiert. Ohne die personelle Unterstützung der befreundeten Vereine, wäre das nicht mehr leistbar, sagt Jürgen Zeiher. Die Fahrzeuge sind zwar Barrieren, müssen aber im Notfall schnell weggefahren werden – die Fahrer müssen also die ganze Zeit verfügbar sein. Als Verein alleine wäre das nicht leistbar, sagt Zeiher. Umso bedeutender sind die Worte des Danks, die Mayer bei der Begrüßung der Teilnehmer eins ums andere Mal ausspricht.