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Eine Untersuchung aus Japan kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Regelmäßiger Verzehr von Käse könnte das Demenz-Risiko senken. Doch Forscher warnen vor voreiligen Schlüssen.
Fulda – Eine ausgewogene mediterrane Ernährung, bestehend aus viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten gilt unter Wissenschaftlern als essenziell in Sachen Demenz-Prävention. Dazu reichlich Bewegung, gute soziale Kontakte und Aktivitäten, die den Geist fit halten.
Kann Käse dazu beitragen, das Demenz-Risiko zu senken? Studien aus Japan und Schweden liefern entsprechende Hinweise. (Symbolbild) © picture-alliance/ dpa / Kay Nietfeld
Doch während zahlreiche Expertentipps insbesondere auf die positive Wirkung von Pflanzenstoffen setzen – etwa auf Polyphenole, die beispielsweise in Beeren, aber auch in grünem Tee enthalten sind – sorgt eine japanische Studie für Aufsehen, die die Frage aufwirft, ob der regelmäßige Verzehr von Käse das Demenz-Risiko senken könnte.
Kann Käse-Konsum wirklich vor Demenz schützen?
Wie das DGP (DeutschesGesundheitsPortal) berichtet, untersuchten Wissenschaftler Daten von fast 8000 älteren Japanern und verknüpften diese mit Befragungen für eine Langzeitpflegeversicherung. Die Studie schloss Personen ab 65 Jahren ohne vorherige Langzeitpflege ein. Die Teilnehmer wurden nach ihrem Käsekonsum in zwei Gruppen unterteilt: nie (seltener als einmal pro Woche) oder gelegentlich (mindestens einmal pro Woche). Dabei erfasste die Studie das Auftreten von Demenz über drei Jahre.
Die Käse essende Gruppe berichtete, ein- bis zweimal pro Woche Käse zu verzehren (72,1 Prozent). Ein kleinerer Teil der Gruppe gab an, drei- bis viermal wöchentlich oder mehr als fünfmal Käse zu essen. Besonders häufig nannten die befragten Japaner verarbeiteten Käse (82,7 Prozent), beispielsweise Schmelzkäse, gefolgt von Weißschimmelkäse (7,8 Prozent) und anderen Varianten. Im Verlauf von drei Jahren entwickelten der Studie zufolge 134 Personen der Käse-Gruppe (3,4 Prozent) und 176 der „Nie-Käse-Gruppe“ (4,5 Prozent) eine Demenz.
Die 13 Risikofaktoren einer Demenz
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Die absolute Risikodifferenz betrug dem DGP zufolge 1,06 Prozentpunkte. Gelegentlicher Käsekonsum war demnach mit einem um 24 Prozent reduzierten Demenzrisiko verbunden. Laut den Studienautoren passen die Ergebnisse in das Gesamtbild früherer Beobachtungen, wonach Milchprodukte Vorteile für die kognitive Gesundheit bieten. Allerdings betonen die Autoren, dass die Studie lediglich Hinweise liefert und es keinen Beweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Käse und einem verringerten Demenz-Risiko gibt. So könnten auch andere Faktoren, wir ein gesünderer Lebensstil der Käse-Esser das Ergebnis beeinflusst haben.
Eine weitere Studie aus Schweden kommt indes zu dem Ergebnis, dass insbesondere fettreicher Käse eine präventive Wirkung haben könnte. Das berichtet t-online.de. Demnach könnten täglich ein bis zwei Scheiben Käse gut für die Hirngesundheit sein. Für die Studie haben Wissenschaftler rund 27.000 Erwachsene über 25 Jahre hinweg begleitet.
Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer im Durchschnitt 58 Jahre alt. Sie führten detaillierte Ernährungstagebücher, beantworteten Fragebögen und nahmen an Interviews zu ihren Essgewohnheiten teil. Im Verlauf der folgenden 25 Jahre entwickelten 3.208 Personen eine Form von Demenz. Auffällig war, dass die Teilnehmer, die täglich mehr als 50 Gramm fettreichen Käse verzehrten – beispielsweise zwei Scheiben Cheddar oder Gouda – ein um 13 Prozent geringeres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken. Bei der vaskulären Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn ausgelöst wird, lag das Risiko der Studie zufolge sogar 29 Prozent niedriger.
Studie aus Schweden liefert ebenfalls Hinweise zu schützendem Effekt von Käse
Einen weiteren Zusammenhang stellten die Forscher bei Sahne fest: Personen, die täglich etwa ein bis zwei Esslöffel zu sich nahmen, hatten ein um 16 Prozent geringeres Demenzrisiko. Fettarme Milchprodukte schienen hingegen keinen Effekt zu haben. Allerdings raten Experten auch in diesem Fall zur Zurückhaltung, da die Studie lediglich einen statistischen Zusammenhang zeige, nicht aber eine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung.
Vor allem auch im Hinblick darauf, dass die Ernährung eben lediglich zu Beginn der Studie erfasst wurde und es sehr wahrscheinlich sei, dass sich das Essverhalten über die Zeit verändert habe. „Auch andere Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Alkoholkonsum oder Rauchen wurden nicht konstant mitbeobachtet“, heißt es weiter auf t-online.de.
Unbestritten positiv scheint indes die Wirkung von hochwertigen Fetten zu sein, wie sie beispielsweise in Nüssen, diversen Pflanzenölen und Fisch zu finden sind.