Antikriegs-Satire statt glattgebügelter Action für die Massen? Clint Eastwood sah viel Potenzial in einem ganz bestimmten Film, den er Ende der 1960er-Jahre drehte. Doch das Ergebnis entsprach so gar nicht den Erwartungen der Hollywood-Legende.

Es ist schon rein rechnerisch eine logische Schlussfolgerung: Je mehr Filme ein Schauspieler im Laufe seiner Karriere dreht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass darunter ein Film ist, mit dem er (oder sie) auch mal weniger zufrieden ist. Das weiß Clint Eastwood aus eigener Erfahrung. Der 95-Jährige gehört zu den ältesten und aktivsten Hollywood-Legenden mit einer beachtlichen Filmografie.

In seiner sieben Jahrzehnte umfassenden Karriere wirkte Eastwood in mehr als 70 Filmen mit, 24 davon inszenierte die Ikone selbst. Hinzu kommen 16 reine Regiearbeiten. In dieser Liste von insgesamt weit über 80 Produktionen befinden sich etliche Klassiker und unvergängliche Kino-Meilensteine, von der „Dollar“-Trilogie über „Dirty Harry“ bis zum Oscar-Erfolg „Million Dollar Baby“ aus dem Jahr 2004. Daneben existieren aber auch weniger gelungene Werke, auf die selbst Eastwood bis heute mit gemischten Gefühlen blickt. Das betrifft ganz besonders einen Kriegsfilm von 1970, mit dem er extrem unzufrieden war.

Den Nazi-Goldschatz im Visier

Ende der 1960-Jahre galt der gebürtige Kalifornier längst als etablierter und bekannter Schauspieler – dem man allerdings fast ausschließlich Filme aus zwei Genres anbot: Western und Action. Kein Wunder, hatte Eastwood bis dato doch fast ausschließlich in, genau, (Italo-) Western und Agenten-Actionfilmen mitgespielt. Da kam das Angebot zu „Stoßtrupp Gold“ (Originaltitel: „Kelly’s Heroes“) wie gerufen.

Was den Schauspieler daran reizte? Die Aussicht auf eine kluge, hintersinnige Antikriegs-Parabel mit Anspruch. Zumindest ging Eastwood nach dem Lesen des Drehbuchs davon aus. „Es war eine der besten Antikriegs-Geschichten, die ich je gelesen habe. Sie war subtil, nie belehrend“, sagte der Darsteller über das Skript (via Far Out Magazine).

Die Story dreht sich um kleine Gruppe von US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die groß abkassieren will: Ein Schatz, bestehend aus 14 000 Barren reinstem Gold, soll das Gespann zu Millionären machen. Dieser befindet sich jedoch – schwer bewacht – 30 Kilometer hinter feindlichen Linien. Der Beginn eines waghalsigen Abenteuers rund um Ex-Leutnant Private Kelly (Eastwood), der das Kommando übernimmt.

Anders als von Eastwood erhofft ist „Stoßtrupp Gold“ jedoch keine bitterböse Abrechnung mit der „Bestie Krieg“ geworden. Antimilitärische Botschaften sucht man ebenso vergeblich wie Kritik an Obrigkeiten und (militärischen) Institutionen – ganz im Gegensatz etwa zu Robert Altmans im selben Jahr veröffentlichter Kriegs-Satire „M*A*S*H“. Regisseur Brian G. Hutton („Agenten sterben einsam“) inszenierte stattdessen einen klamaukigen und ziemlich brutal geratenen Genre-Mix aus Kriegsfilm, Action, Komödie und Drama, dessen Schwerpunkt auf den Schauwerten und der Action liegt.

Von heftigen Schusswechseln und Maschinengewehr-Salven über Panzergefechte bis hin zu den lautstarken Explosionen an – fast – allen Ecken und Enden: „Stoßtrupp Gold“ ist eine streng auf Massentauglichkeit ausgerichtete, lautstarke Materialschlacht mit spektakulären Spezialeffekten, unterlegt mit Gute-Laune-Musik (die an Pop und Country angelehnte Filmmusik von Lalo Schifrin verströmt Coolness und Leichtigkeit). Subtil geht anders.

„Es hätte ein richtig guter Film werden können“

Entsprechend enttäuscht war Eastwood davon, dass sich im fertigen Film keinerlei kritische Untertöne mehr befanden. Es ist ein ganz ordentlicher Film und ich will ihn nicht schlecht machen“, räumte er ein. „Aber, mit dem gewissen Etwas hätte er ein richtig guter Film werden können.“

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Mit „dem gewissen Etwas“ meinte Eastwood jene tiefgründigeren Antikriegs-Story-Anteile im Original-Skript, die sein Interesse an dem Projekt ursprünglich überhaupt erst geweckt hatten. Doch die entsprechenden Sequenzen fielen der Schere zum Opfer. Hinzu kam, dass der Darsteller während der Dreharbeiten (der Film entstand in der zweiten Jahreshälfte überwiegend in Jugoslawien) trotz seines Status‘ als populärer Filmstar nicht wirklich viel zu sagen hatte. Stattdessen wurden seine Verbesserungsvorschläge und Ideen ignoriert. Eastwood: „Ich hatte keinerlei Kontrolle über den Film. Nicht, dass ich einen besseren Geschmack hätte als andere, aber ich hätte ihn gerne mit etwas mehr Kontrolle gedreht.“

All das hielt Eastwood-Fans jedoch nicht davon ab, etliche Tickets für einen Kinobesuch zu lösen. „Stoßtrupp Gold“ schaffte es am Ende in die Top-25-Liste der erfolgreichsten Filme des Jahres 1970 (Platz 24) und lockte auch in Deutschland über 150 000 Zuschauer ins Kino. Für viele Nerds und Kriegsfilm-Liebhaber besitzt die vier Millionen Dollar teure Produktion längst Kultstatus – ein Klassiker mit großem Einflussfaktor. Auch „Pulp Fiction“-Macher Quentin Tarantino ließ sich von „Stoßtrupp Gold“ inspirieren.

Im Laufe seiner Karriere hat Eastwood mit etlichen legendären Schauspielern und Regisseuren gearbeitet. Eine Oscar-prämierte, mittlerweile fast 90-jährige Ikone wünscht sich bis heute eine Zusammenarbeit mit seinem einflussreichen Kollegen:

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